Komplettes Thema anzeigen 02.01.2015, 10:45
Aldridge Abwesend
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Betreff: Re: Der kleine Hobbit
Alfrid und auch die Rolle des Bürgermeisters von Esgaroth - so gerne ich Stephen Fry auch sehe - empfand ich sowieso als Fremdkörper in der Handlung. Ich weiß gar nicht mal, wie es im Buch war. Aber so schön Esgaroth auch dargestellt war, immer wenn die beiden durch die Szenerie wanderten, kam mir das so vor, als schaute ich eine Terry Pratchett-Verfilmung und befänden wir uns in einem winterlichen Ankh-Morpok. Ich habe auch nicht kapiert, warum Bard den Typen im dritten Teil so lange an seiner Seite behält. So wie ich im Film auch nicht kapiert habe, warum ein Fährmann und Familienvater plötzlich zum geborenen Heerführer und Schwertschwinger wird. Wurde in Smaugs Einöde oder in der Schlacht der fünf Heere mal irgendwo erwähnt, dass Bard Mitglied der Stadtwache (Pratchett! Grinsender Smiley ) gewesen war? Muss dann wohl an mir vorbei gegangen sein.

Ansonsten würde ich Jackson keine Lethargie unterstellen - wohl auch ein zu großes Selbstvertrauen. Man muss ihm zugute halten, dass er mit der Erweiterung der Story schon gute Arbeit geleistet hat. Das wirkt alles sehr passend und sinnvoll. Allerdings hat er sich ja im Vorfeld in Interviews schon beinahe als einzig legitimer Siegelring-Träger Tolkiens geriert. Jackson hatte mit der Verfilmung des Herrn der Ringe halt eine Großtat vollbracht und wurde von den Fans dafür auch zu Recht verehrt.

Das ändert aber auch nichts daran, dass das Grundproblem beim Hobbit eben an der Story liegt: Sie gibt schlicht und einfach nicht so viel her wie der Herr der Ringe. Sie hat inhaltlich auch keine so große Bedeutung. Und ich denke, dass es da eben auch an der falschen Erwartungshaltung der Fans gelegen hat: Die kannten zwar das Buch und hätten mit etwas Nachdenken auch selbst darauf kommen können, dass die Hobbit-Verfilmung nicht die gleiche "Dringlichkeit" wie die epische Trilogie besitzen kann. Aber nein, da werden dann wieder riesige Erwartungen geschürt und im Nachhinein pupt man dann wieder im Internet rum, dass der doofe Jackson durch die neue Trilogie doch seinen eigenen Mythos (und die Hdr-Verfilmung gleich mit) zerstört habe. Blödsinn. Wäre der Hobbit zuerst verfilmt worden und dann HdR, wäre das ein grandioser Start gewesen und hätte sich dann nochmals steigern können.

Was die Technik angeht: Peter Jackson gehört Weta. Der muss den Laden am Laufen halten. Seit HdR und Avatar umgibt die Effektschmiede ein ähnlicher Mythos wie auch Industrial Light & Magic durch die ersten Star Wars-Filme, Terminator 2 und Jurassic Park. Das ändert aber nichts daran, dass Weta ausgelastet werden und auch neue Technologien entwickeln muss, um sich dauerhaft im Geschäft zu halten (man vergleiche das Schicksal von Rhythm & Hues). Die neue Hobbit-Trilogie war da (wie auch schon King Kong) genauso Anlass, mal die eigenen Muskeln spielen zu lassen, wie es die Star Wars-PT für ILM gewesen ist. Aber wie ich schon geschrieben habe: Die Effekte an sich sind beim Hobbit gar nicht das Problem, sondern die Art und Weise, wie Jackson sie eingesetzt hat. Einerseits wirkt das alles super-dynamisch und elegant, andererseits aber auch weniger bedrohlich und spannend.