Betreff: Re: Der kleine Hobbit
Der Hobbit: Smaugs Einöde (Extended Edition) - Der zweite Teil der Trilogie ist deutlich besser geraten. Die grundsätzlichen Schwächen, nämlich die epische Zerdehnung der einzelnen Etappen der Zwergenreise, sind zwar noch vorhanden. Doch ohne den unnötig komplizierten Beginn, den die unerwartete Reise im Auenland genommen hatte, geht es gleich von Anfang an ordentlich zur Sache. Bei der Abfolge der Reisestationen - Beorn, Düsterwald, Elbenfestung, Esgaroth und schließlich der Einsame Berg - wird nun auch viel besser der klassische Quest-Charakter spürbar. Die Handlungsorte werden so detailliert porträtiert, dass tatsächlich eine lebendige Fantasie-Welt entsteht. Das ist schon Eskapismus in Vollendung. Dabei fügen sich die neuen Figuren nahtlos in die Handlung ein und bereichern das Werk sogar um einige interessante Aspekte. Allerdings gerät der Hobbit ausgerechnet immer dann am fesselndsten und spannendsten, wenn in der Nebenhandlung mit Gandalf die Rückkehr des alten Feinds thematisiert und damit schon der Ausblick auf die Handlung der Herr der Ringe-Trilogie gewährt wird. Und das verdeutlicht vielleicht auch am besten, woran es beim Hobbit hapert: Es gibt keinen wirklichen Gegenspieler und damit auch keine wirkliche Gefahr, gegen die unsere Helden zu Felde ziehen müssen. Die Reisegruppe rund um den jungen Zwergenkönig, der sein Reich zurückerobern will, liefert zwar nette Impressionen aus Mittelerde, doch allzu zwingend ist das alles nicht. Selbst der Titelgeber Smaug taugt da als handlungsübergreifender Antagonist wenig, schließlich taucht er nur im letzten Drittel unter seinen Goldbergen auf. Insofern kann man sich auch denken, dass die finale Schlacht, die im dritten Teil folgen wird, automatisch unter "viel Lärm um nichts" rangieren muss. Bin gespannt auf den Kinobesuch...
@Sandmann: Ja, das ist sicherlich auch ein wichtiger Aspekt: Es wird nicht wirklich klar, wer die Hauptfigur ist. Tatsächlich kommt Bilbo Beutlin hier so eine Beobachter- und Erzählerrolle zu - vielleicht am besten vergleichbar mit dem Droiden-Duo aus Star Wars. Diese Figuren verfolgen die Handlung zwar, doch der eigentliche Konflikt spielt sich zwischen anderen Parteien ab. Das merkt man auch sehr stark in der unerwarteten Reise, wo die Aktionen von Bilbo wie etwa mit den drei Trollen oder das Kammerspiel mit Gollum ein bisschen wie Fremdkörper in der eigentlichen Handlung wirken. Dies alles ist zwar durch das Buch vorgegeben, aber da wird halt deutlich, dass der Hobbit eben doch nur eine fantastische Märchenstunde darstellt und keinen epischen Konflikt wie der Herr der Ringe. Peter Jackson und Warner kann das bei dem bisherigen Einspiel natürlich egal sein...