Betreff: Re: Der kleine Hobbit
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (Extended Edition) - Der Auftakt des Zwergen-Quests kommt einfach nicht so richtig von der Stelle. Das wird nun in der Zweitsichtung besonders deutlich. Der Grund dafür ist recht einfach ersichtlich: Auch wenn Peter Jackson und seine Ko-Autoren, darunter Guillermo del Toro, die Geschichte des Hobbits mit vielen Details anreichern, so bietet der erste Reise-Abschnitt inhaltlich doch recht wenig. Um den Film auf die knapp dreistündige Laufzeit zu bringen, muss jede Etappe (Abendessen bei Bilbo, Geplänkel mit den Trollen, Aufenthalt in Bruchtal, der Abstecher ins Nebelgebirge und schließlich das Zusammentreffen mit Azog) unheimlich zerdehnt werden. Das wiederum hat zur Folge, dass allen Handlungen ein wenig an Drang und Spannung fehlt. Hinzu kommen dann ein bisschen Rülps- und Furzhumor sowie ein paar musikalische Einlagen, die vielleicht der Vorlage entsprechen, aber im Film fehl am Platze wirken. Ansonsten wechselt Jackson auch beim Hobbit wieder mühelos zwischen epischem Größenwahn und intimem Kammerspiel, auch wenn er weder der Inszenierung der neuseeländischen Landschaft noch den Szenen mit Gollum neue handwerkliche Aspekte hinzufügen kann. Doch nicht falsch verstehen: Für den geneigten Zuschauer bietet die unerwartete Reise wieder Bilder zum Schwelgen und reichlich Gelegenheit, sich ganz wunderbar in die verschwenderisch ausgestattete Welt von Mittelerde zu versenken. Die Spannung und Epik der Herr der Ringe-Trilogie erreicht der Film aber nicht.
Vielleicht noch eine Bemerkung zum Gebrauch von CGI: Jackson greift beim Hobbit noch mehr auf CGI zurück, als er das bereits bei HdR getan hatte. Zwar sind Fabelwesen und Actionsequenzen perfekt animiert. Allerdings fällt gerade in der Zweitsichtung auf, dass der Regisseur darüber ein bisschen vergessen hat, seine Computergestalten sorgfältig in die Handlung zu integrieren. Wenn die Zwerge durch die Massen an Goblins rennen und ihre Gegner dabei zur Seite fegen, als wären sie leicht wie Federn, dann ist das zwar sehr elegant und rasant in Szene gesetzt, geht aber auf Kosten von Plausibilität und Spannung. Weniger wäre da sicherlich mehr gewesen.
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mal editiert, das letzte Mal am 05.01.2015, 14:11 von Aldridge.