Betreff: Re: Der perfekte Hut
Zitat:Wobei sich mir wieder eine Frage aufdrängt... Ein Hut wie dieser, hart an der Grenze allen Machbaren... So ein Hut, kann man das auch aus Schurwolle herstellen ?
Nein
Zitat:Ist das überhaupt möglich ?
Nein
Zitat:Was auch immer man da für eine Wolle bräuchte. Von Alpacas. Oder Kaschmir.
Vollkommen egal. Selbst der beste Zirkon wird niemals ein Diamant sein können. Es geht einfach nicht. Ein Wollfilz wird niemals eine solch feine Oberflächenstruktur aufweisen können wie ein Biberfilz. Selbst Kaninchenfilz ist davon MEILENWEIT entfernt und hierbei spreche ich noch von wirklich hochwertigem Kaninchenfilz wie er heute kaum noch gemacht wird (weil keiner bereit ist 200¤ für einen Kaninchenfilzrohkörper auszugeben).
Bleiben wir mal bei den Kaninchenfilzrohkörpern: es gibt noch 1-2 kleine Manufakturen, die wirklich hochwertige Rohkörper aus Kaninchenhaar herstellen. Ich habe einige Rohkörper neueren Datums für die ich ein kleines Vermögen gezahlt habe, damit Sie den HJ den ich aus der Raidersera habe 1:1 nachbauen. Das hat SEHR viel Überzeugungsarbeit gekostet und die Rohkörper sind wirklich fantastisch. Dennoch kommen sie in Sachen Dichte und Oberfläche nicht im ANSATZ an diesen Rohkörper den ich für 5ic verwendet habe ran (ja, es gibt auch Biberfilz der nicht besser ist als diese Rohkörper, aber wir reden ja hier nicht von "good enough"). Trotzdem sind diese Rohkörper näher an meinem Biberfilz als es ein Wollfilz jemals an diese Kaninchenrohkörper sein können.
Sei's drum. Wenn ich jetzt einen solchen Rohkörper (Kaninchen) blocke und schleife, würde ich NIEMALS ein solches Ergebnis erhalten. Um einen wirklich gute Oberfläche (und ich rede nicht von der o.g. Oberfläche) hinzubekommen, bedarf es min. 80% Biber. Man könnte damit das gleiche Finish erreichen wie HJ in den späten 70'ern - was wirklich gut ist, jedoch wie bereits erwähnt kaum noch etwas mit diesem Hut hier zu tun hätte. Die meisten heutigen Kaninchenfilze kommen da nicht mal annähernd hin. Wer mich kennt, weiß wie sehr ich Akubra schätze. Aber bestimmt nicht wegen der Dichte und / oder Oberfläche. Das liegt aber nicht daran, dass die von Akubra zu faul wären die Dinger ordentlich zu verdichten und zu schleifen. Es geht einfach kaum besser und jeder der mal versucht hat einen Akubra neu zu blocken und die Oberfläche zu verbessern, wird schnell an die Grenzen des machbaren gestoßen sein. Das ist wie wenn man versuchen würde eine Kiefernplatte so glatt zu schleifen wie z.B. eine Platte aus sehr dichtem Tropenholz: Die Maserung lässt es schlichtweg nicht zu. Natürlich kann mit "billigen Hutmachertricks" wie z.B. dem Glattbügeln des Filzes eine SCHEINBAR gute Oberfläche erzielen. Nur ist diese nach dem ersten Regenschauer oder dem ersten säubern mit einer Bürste ruiniert.
Der Unterschied zwischen einem Wollfilz und einem Kaninchenfilz ist NOCH gravierender als der zwischen Kaninchenfilz und Biberfilz. Aber spielen wir das ganze einfach mal aus Spaß durch. Nehmen wir mal an, man findet einen Filzmacher der bereit ist, sein Talent und seine Zeit mit minderwertigen Materialien zu verschwenden (und genau DIE Aussage wirst Du bekommen, wenn Du fragst): Er wird sich also neu mit der Materie auseinandersetzen müssen, weil es auf einmal nicht mehr wichtig wäre so billig wie möglich, sondern so hochwertig wie möglich zu produzieren (wobei die Frage "warum nimmst Du dann nicht gleich ordentliche Materialien" höre ich jetzt schon...). Irgendwann - nach etlichen tausen Euro - hätte man dann vielleicht einen Prototypern, der tatsächlich gut aussieht und eine gute Oberfläche aufweist. Jetzt muss die zugesagte Mindestmenge von 50-200 Stück geordert werden (darunter wirst Du keinen ernstzunehmenden Filzmacher dazu bringen sich auch nur die Idee anzuhören). Sagen wir mal wir schaffen es mit 50 Stück und der Rohkörper kostet nur 50¤ (was in Anbetracht des Aufwandes ein unfassbares Schnäppchen wäre). Das wären - neben der Entwicklungskosten - schonmal 2500¤. Davon verkaufst Du dann vielleicht 10-20 Stück an Hardcoreveganer (ich sage das mit dem höchsten Respekt! Da ich selber drei Jahre "fleischlos" gelebt habe, weiß ich mit welchen Entbehrungen das verbunden ist). Das wären also 125-250¤ pro Rohkörper. Jetzt brauchst Du noch einen Hutmacher, der Lust hat sich mit diesem (entschuldige) beschissenen Material auseinander zu setzen. Ich schätze ich bräuchte persönlich zwischen 1-3 Monate, um halbwegs zufriedene Ergebnisse zu erzielen. Zeit in der ich an meinen jetzigen Aufträgen nicht arbeiten kann... Anyway. So'n Hut könnte man dann vielleicht innerhalb von 7-8 Stunden fertigstellen (einige Dinge die ich mit dem Biberfilz mache, würde Wollfilz nicht überleben, daher würde man etwas Zeit sparen). Gehen wir mal von einem Stundensatz von 10¤ netto aus (also zzgl. MwSt. und Einkommensteuer = 14,88¤ mal 7 = 104,16¤). Kommt noch Schweißband, Hutband, Futter, Schachtel und Märchensteuer hinzu und dann sind wir bei summa sumarum unendlich vielen Euro. Für einen Wollfilzdeckel...
Mein Tip: Hol Dir einen Vintagehut von e-bay. Die Tiere wurden schon vor 70 Jahren getötet und Du ehrst es indem Du den Hut über seine angedachte Lebenszeit hinaus trägst.
Zitat:
Den Preis einmal beiseite liegen gelassen... Ist das theoretisch möglich ?
Wenn ja, bestell ich in einem Jahr einen^^
Bis Du mit Bill Gates verwandt? - Was EIN einziger kosten würde, ohne die Sicherheit davon Dutzende verkaufen zu können, übersteigt selbst meine Vorstellungskraft - was doch eher selten ist...
Ok, genug davon. Ich brauche einen Whiskey aus glücklichen Eichenfässern (sorry, konnte nicht widerstehen - ich respektiere Deine Konsequenz wirklich sehr!).
Gruß,
Marc