Fabilousfab
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe
Im Spiel
Die Khmer werden im Level Sukhothai als alte Zivilisation eingeführt, die beeindruckende Tempel mit Fallen und Puzzle hinterlassen hat.
Realität
Die Khmer sind die größte Ethnie in Kambodscha und stellen mit mehr als 15,5 Millionen Einwohnern über 97 Prozent der Bevölkerung dar. Auch in Thailand (nördliche Khmer / Khmer Surin in den südlichen Provinzen des Isan, sowie auch vereinzelt in Ostthailand) und Vietnam (Khmer Krom im Mekongdelta) leben Khmer. Vor der Südmigration der Viet Kinh aus der Deltaregion des Roten Flusses war die Region des Mekongdeltas hauptsächlich von Khmer besiedelt, sie stellen hier die einheimische Bevölkerung dar. Auch in Thailand stellen die Khmer, gemeinsam mit den Mon und kleineren Volksgruppen, die ursprüngliche Bevölkerung der Region vor der Migration der Tai-Völker dar. Dennoch wurden etliche in vergangenen Jahrhunderten auch als Arbeitskräfte in die benachbarte Staaten Thailand, Laos und Vietnam umgesiedelt, mitunter mit Gewalt. Etwa drei Millionen Khmer leben im benachbarten Ausland von Kambodscha. Eine relativ große Gruppe der Khmer, die vor den Roten Khmer und der anschließenden Besatzung der kommunistischen Vietkong fliehen musste, lebt heute im Land des ehemaligen Kolonialherren Kambodschas, in Frankreich, aber auch in den USA.
Die Khmer errichteten Tempel und Tempelstädte, die zu den größten der Welt zählen, wie Angkor im heutigen Kambodscha sowie Prasaat Hin Khao-Phnom-Rung und Prasaat Hin Phimai im heutigen Thailand.
 |  | | Angkor Wat | Phanom Rung |
Die Khmer sind eng verwandt mit dem Volk der Mon, deren Nachfahren in Thailand im Wesentlichen als Reisbauern und Fischer leben. Zahlreiche Minoritäten in Laos, in Nordostkambodscha und Zentralvietnam (z. B. Khmu, Kuy, Bru) sprechen ebenfalls verwandte Sprachen.
Sprache:
Die Khmer sprechen Khmer, das zur Familie der Mon-Khmer-Sprachen gehört. Die Khmer-Schrift leitet sich von den indischen Silbenschriften her.
Religion:
In der ethnischen Religion sind Berge, Hügel, Quellen, Bäume und Felder von Geistern bevölkert (→ Animismus), die die Geschicke der Erde lenken und heute Neak-Ta heißen. Wischnu selbst war hier der „große Geistkönig“ Neak-Ta-Moha-Reach. Diese Geister müssen ständig gnädig gestimmt werden. Gefährlich sind die Arak, Krankheitsgeister, und die Geister der unzeitig Verstorbenen, die Khomorchhav. Dämonenglaube ist verbreitet.
Heute sind die Khmer fast ausschließlich Anhänger des Theravada-Buddhismus, der simultan mit Elementen der ethnischen Religion praktiziert wird.
Vor der Verbreitung des Buddhismus in Südostasien waren die Khmer Hindus, was sich in den vielen Tempelruinen, die oftmals Hindugöttern wie Vishnu oder Shiva gewidmet sind, bemerkbar macht.

Geschichte:
Wahrscheinlich im 3. Jahrhundert v. Chr. wanderten Proto-Mon-Khmer aus China nach Süden, doch entstand erst 802 das erste Reich der Khmer unter dem Herrscher Jayavarman II., nachdem dieser Chenla niedergerungen hatte. Nach dessen Tod 850 übernahm sein Sohn Jayavarman III. in der Hauptstadt Hariharalaya den Thron. Die Khmer errichteten 893 das erste Kultzentrum der Khmer-Monarchie in Angkor, Yasodharapura, und griffen mehr als fünfzig Jahre später das Reich Champa im heutigen Südvietnam erfolgreich an. Im 12. Jahrhundert übernahm König Jayavarman VII. den Theravada-Buddhismus und begann mit dem Bau von Angkor Thom. Ende des 12. Jahrhunderts waren praktisch alle Khmer vom Hinduismus zum Buddhismus konvertiert.
Mit der Eroberung von Angkor durch die Thai (Siam) aus Ayutthaya im 14. Jahrhundert endete die Geschichte des gleichnamigen Reiches. Die Hauptstadt wurde im Jahr darauf verlassen. In der Folge waren die Khmer über die meiste Zeit ein Zankapfel zwischen dem vietnamesischen Reich Annam und dem siamesischen Reich von Ayutthaya. Nachdem 1620 eine vietnamesische Prinzessin in die Khmer-Monarchie eingeheiratet hatte, erhielten die Vietnamesen das Siedlungsrecht auf dem Gebiet der Khmer. Dies führte zur Vietnamisierung der östlichen Küstenregion des ehemaligen Kambodschas, heute um Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) gelegen.
König Norodom I. führte die Khmer 1863 in die französische Kolonialherrschaft, als er um den Schutz Frankreichs vor den Übergriffen seiner Nachbarn bat. War das Gebiet der Khmer zunächst ein französisches Protektorat, wurde es 1887 in die Kolonie Französisch-Indochina eingegliedert. Erst 1953 wurde Kambodscha unabhängig.
Die rote Khmer:
Die Roten Khmer waren eine kommunistische Terrorgruppe, die 1975 die Macht im Land Kambodscha übernahm. Knapp vier Jahre dauerte ihre Schreckensherrschaft, etwa zwei Millionen Menschen starben. Die Geschichte der Roten Khmer beginnt in der französischen Hauptstadt Paris. Hier entdecken einige kambodschanische Studenten Anfang der 1950er den Kommunismus für sich. Sie entschließen sich, eine eigene kommunistische Partei zu gründen: die "Vereinigten Khmer-Studenten". Nach ihrer Rückkehr nach Kambodscha bleiben sie in engem Kontakt.
1963 gibt es einige Studentenrevolten in Kambodscha. Einige der Paris-Rückkehrer fliehen vor der Regierung in den kambodschanischen Urwald, darunter Ieng Sary, Son Sen und Saloth Sar, der sich später "Pol Pot" nennt. Im Urwald beginnen sie, die Einheimischen für ihre kommunistischen Ideen zu gewinnen und eine Guerillatruppe aufzubauen.
Zu diesem Zeitpunkt ist Kambodscha keine französische Kolonie mehr, sondern seit fast zehn Jahren unabhängig. Doch die Lage der Bevölkerung ist schlecht und die Wut auf die reiche und korrupte politische Elite des Landes groß. In den verarmten Bauern sehen die Roten Khmer mögliche Verbündete.
Mit großer militärischer Hilfe der kommunistischen Nordvietnamesen, die auch die Roten-Khmer-Kämpfer ausbilden, gelingt es der unerfahrenen Guerillatruppe Ende der 1960er Jahre, große Teile Kambodschas unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die neue Regierung um Pol Pot, der weitgehend im Hintergrund agiert, beginnt sofort mit der völligen Umgestaltung der Gesellschaft zu einem autarken radikal-kommunistischen Bauernstaat und nennt das Land "Demokratisches Kambodscha". Die Ideologie: bedürfnislose Gleichheit der Menschen.
3,5 Millionen Kambodschaner werden von den Roten Khmer aufs Land vertrieben – damit sie für die Partei keine Gefahr darstellen und in der landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt werden können. Bald sind die Städte des Landes wie ausgestorben. Der Privatbesitz wird abgeschafft, ebenso das Geld und der freie Handel.
Alle Kambodschaner, die nicht unmittelbar politisch verfolgt werden, müssen unter strengster Bewachung auf den Reis- und Baumwollfeldern sowie im Straßenbau unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Dabei verhungern und verdursten viele, sterben an Krankheiten oder werden von den Aufsehern erschlagen. So entstehen die so genannten "Killing Fields": Die Getöteten werden direkt neben den Feldern, auf denen sie gearbeitet haben, begraben.
Nachdem anfangs die angeblichen politischen Gegner von den Roten Khmer umgebracht werden, sind es später auch die eigenen Leute, von denen zahlreiche plötzlich als Gefahr für das System gelten. Innerhalb von knapp vier Jahren lassen die Roten Khmer fast alle Angehörigen des bürgerlichen Mittelstandes ermorden sowie die religiösen und kulturellen Institutionen des Landes zerstören – bis auf die alte Hauptstadt Angkor.
Dann marschierten die Vietnamesen ein. Die Roten Khmer kämpfen noch jahrelang im Untergrund weiter.
Der lange Weg zum Tribunal
Die Forderung der Opfer und Flüchtlinge nach einem internationalen Tribunal wird danach von westlichen Ländern lange nicht beachtet. Sogar ihren UN-Sitz dürfen die Roten Khmer noch bis zum Pariser Friedensabkommen von 1991 behalten. Einige Mitglieder werden vom damaligen König Sihanouk (bis 2004) begnadigt, sodass hohe Funktionäre noch längere Zeit unbehelligt in ihren Villen leben können.
Nach langwierigen Verhandlungen beginnt 2006 das so genannte Völkermordtribunal. Es folgen Skandale und Schwierigkeiten, die das Verfahren mehrfach fast zum Scheitern bringen. Erst im November 2007 wird der erste Angeklagte öffentlich angehört.
Die Prozesse gegen ranghohe Führungsmitglieder der Roten Khmer gingen 2022 zu Ende. Insgesamt wurden nur drei Angeklagte zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt, zwei weitere Angeklagte verstarben vor Beginn ihres Prozesses.
Quelle: wikipedia/Planet-wissen.de
Fabian
Nichts schockiert mich, ich bin Wissenschaftler
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mal editiert, das letzte Mal am 28.01.2026, 11:50 von Fabilousfab.
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