Aldridge
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Betreff: Re: Star Wars Episode VIII - The Last Jedi
Viel Licht, viel Schatten, so mein Eindruck nach der Erstsichtung gestern Abend. Zunächst mal: Der Film ist deutlich besser als TFA. Wie ich schon gehofft hatte, weitet Rian Johnson sowohl Setting als auch Geschichte etwas aus. In den besten Momenten zeigt er dann auch, dass er Star Wars einigermaßen verstanden hat - nämlich gerade in den Szenen, in denen er sich etwas traut und sich anders als sein Vorgänger vom Gegebenen löst. Der Angriff der Bomberstaffel am Anfang wie in einem WWII-Film, Snokes Thronraum mit diesem starken 70s-Vibe irgendwo zwischen Flash Gordon und Das Schwarze Loch, die etwas moralinsauren Zwischentöne rund um die Waffenhändler und die Geldsäcke auf Canto Bight (das mich übrigens frappierend an Floston Paradise aus Fifth Element erinnert hat), die hübschen optischen Mätzchen in Rot und Weiß auf dem Salzplaneten Crait, das alles ist irgendwo nicht das Erwartbare und hat schon leicht surreale Anwandlungen, in denen die Handschrift Johnsons spürbar wird. Besonders hübsch fand ich dabei die kleinen Gags, die im Fandom besonders stark kritisiert wurden: Lukes Melk-Aktion mit grüner Milch, das Bügeleisen, Snoke mit heraushängender Zunge vor seinem Thron, ja, selbst die Porgs, die überall auftauchen und abseits ihres Merchandising-Potenzials gar nicht so schlimm waren.
Nur leider, leider... Das sind alles Einzelszenen. In diesen kleinen Episoden fand ich den Film wirklich großartig. Es ist nur leider so, dass solche solitären Einfälle nicht automatisch einen funktionierenden ganzen Film ergeben. Beim Storytelling hat TLJ wie auch schon TFA erhebliche Probleme. Was da auf der Leinwand passiert, fühlt sich für mich irgendwie falsch und läppisch an. Der ganze Film handelt von einer Verfolgungsjagd der Neuen Ordnung auf die spärlichen Überreste des Widerstands. Und diese Verfolgungsjagd verläuft tatsächlich im Schneckentempo und entgegen jeglicher Suspension of Disbelief. Es ist absolut nicht nachvollziehbar, warum die Bösewichte nicht einfach einen Interdictor einsetzen oder - noch einfacher - ein Sternzerstörer nicht einfach einen kleinen Sprung vor die Widerstands-Flotte (die in der Größenordnung keine Flotte ist) macht und dem Verein entgegen fliegt. Oder warum die Neue Ordnung angesichts ihrer scheinbar unbegrenzten Ressourcen nicht einfach Verstärkung holt. Das ist auch keine Erbsenzählerei, das sind so Unlogeleien, die mir schon im Kino in den Sinn gekommen sind.
Sowieso, ich habe lange überlegt, was sich - auch schon bei TFA - so falsch anfühlt. Und es ist: fehlende Epik. Diese beiden Filme machen ein - Pardon! - Riesengeschiss um rein gar nichts. Die Neue Ordnung ist ein Verein von Witzfiguren (man nehme einfach mal die Charakterzeichnung von Hux, der bereits zu Anfang von Dameron zur Lachnummer gemacht wird), der es trotz seiner deutlichen Übermacht nicht hinbekommt, die paar Widerstandskämpfer zur Strecke zu bringen. Bezeichnend das Finale, in dem eine riesige Streitmacht aufgefahren wird, um zwölf Männchen zu bekämpfen. Wo ist denn da der ernsthafte Konflikt? Ok, auch in alten Zeiten haben die Sturmtruppen immer daneben geschossen und waren die Rebellen in der Unterzahl. Aber das Imperium wirkte immerhin wirklich gefährlich. Die Neue Ordnung wirkt in jeder Szene lediglich unfähig.
Und dann natürlich der größte Kritikpunkt: Lucasfilm hat es wieder getan. Sie haben wieder die wesentlichen erzählerischen Eckpunkte aus der OT genommen, gut durchgeschüttelt und hier wieder zusammengesetzt. Jedi-Ausbildung (auf Ahch To statt Dagobah), Verfolgungsjagd (ohne Asteroidenfeld, aber wie gesagt im Schneckentempo), Abstecher ins Spielerparadies (Casino statt Wolkenstadt), Schlacht auf einem Eis..., äh, Salzplaneten (inkl. Anleihen an den Grabenkrieg und Kampfläufern), ein Jedi-Schüler, der seine Ausbildung abbricht, um seinen eigenen Weg zu gehen (Rey statt Luke), ein schmieriger Widerling, der die Guten verrät (Codeknacker DJ statt Lando Calrissian), ja, selbst der Flug mit dem Falken durch den Todesstern, äh, Salzplaneten - das ist alles so schrecklich einfallslos und in seiner Konzeption durchschaubar. Das ist kein Film, der seine Zuschauer in eine weit entfernte Galaxis entführt, sondern der sich jederzeit als Spektakel-Maschine zu erkennen gibt.
Am besten funktionierte der Streifen eigentlich in den Ausbildungsszenen auf Ahch To, weil er da ein bisschen Feeling der OT rund um die Jedi-Philosophie und die Geschichte rund um das Versagen der Jedi in der Alten Republik aufgegriffen hat. Meine Lieblingsszene hatte dann bezeichnenderweise auch Yoda. Aber insgesamt wirken diese beiden Filme bislang wie ein eitriger, blutender Appendix der OT. Sorry, diesen aktuellen Beitrag zur Saga wollte ich wirklich mögen, aber es bleibt nur bei guten Ansätzen.
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