Dark Hunter
Mitglied

Beiträge: 1.650
Dabei seit: 05.08.2007
Wohnort: Im Wilden Osten.
|
Betreff: Re: Der EHEC Thread
@Marion es wäre höflich und wesentlich angenehmer, wenn du auf die Verkleinerung deiner Schrift verzichten würdest. Auf modernen hochaufgelösten Displays lesen sich deine Beiträge nur mit Mühe.
Was deinen Inhalt angeht, mich stört es in der Tat wenig, wenn Eier aus sog. Legehennenhaltung kommen. Jedenfalls erheblich weniger als der verlogene Supermarktmist von Bodenhaltung und Freilandhaltung. Da ich selbst schon in jener Branche gearbeitet habe, weis ich wenigstens um die Zustände durchaus genug, um mir hier nichts vormachen zu lassen. In den größeren "Legebatterien" herrschen erheblich hygienischere Bedingungen, als sie in den jetzt überall angebotenen Betriebsvarianten vorhanden sind. Witzigerweise hatten sogar die Tiere mehr Platz zur Verfügung, als sie es in Bodenhaltung und sog. Freilandhaltung haben. Wer als Städter meint, die grünen Bäumchen auf der Verpackung bekommen Freilandhühner zu sehen, irrt. Auch hier leben sie eingepfercht auf engsten Räumen, nur eben ist ein Teil ohne Dach. Auch hier waten sie durch ihre Fäkalien (wo leben nochmal Darmbakterien ;)) und auch hier hacken sie aufeinander ein, auch hier liegen die Eier im Dreck. All das hatte man zumindest in kontrollierten Umgebungen nicht.
Ach ja und wer glaubt, dass der Bedarf gerade an Eiern in modernen Industrienationen durch den Kleinbauern mit einem halben Dutzend Hühnern gedeckt werden kann, macht sich hier noch mehr vor. Ein gewisses Maß an moderner Anbaumethode ist schlicht von Nöten, um diese Mengen zu produzieren. Es ist eben nicht nur das eine odere Sonntagsei.
Oh und ich esse kein Fastfood, auch überlege ich wie viel Fleisch ich verzehre und ob ich jeden Tag welches benötige, das ist mein Beitrag zum Verbrauchssenken. Aber ich negiere nicht moderne Anbaumethoden und verfalle dem Grün- und Biowahn, der angeblich der einzig wahre Weg zum Heilsein sei, welcher die Deutschen leider seit einigen Jahren befallen hat. Diejenigen vergessen, dass noch vor nicht allzu ferner Zeit Menschen wegen landwirtschaftlich nicht keimfreien, unkontrollierten Methoden reihenweise verreckten und erkrankten.
Lebensmittel waren in früheren Zeiten der Killer Nummero Uno, lange vor Krankheiten. Stechäpfel wachsen mit Vorliebe zwischen Getreide und wenige Körner davon rotteten immer mal Dörfer aus, Mutterkorn war ein steter Begleiter (Stichwort: Antoniusfeuer schon einmal gehört?), Milch enthielt noch bis in die 50er Jahre regelmäßig Bakterien, gegen die selbst E-HEC harmlos ist, erst Pasteurisierung als simple Gegenmaßnahme tat hier Abhilfe (ironischweise sind es die Bioapostel vom Demeter, die sich ob ihrer Verweigerung zu dieser achso unnatürlichen Maßnahme regelmäßig Tote einhandeln, was irgendwie kaum berichtet, bzw. wahrgenommen wird). Schimmelpilze, die in moderner Landwirtschaft kaum vorkommen, aber im Biolandbau wie eben früher ganz normal, enthalten Toxine und krebserregende Stoffe in Konzentrationen, die man selbst mit schlimmster Pestizidversetzung nur selten erreicht (und für die gibt es Grenzwerte, an die sich gehalten wird).
Und wie schon erwähnt, wenn ich darauf verzichte bakteriell kontaminierte Mittel als Nährstoffe für Lebensmittelpflanzen wie Obst und Gemüse einzusetzen, vermeide ich auch eine Kontaminierung der Lebensmittel. Ansonsten gilt, einfach mal Chemie belegen und mal gelassen drüber nachdenken, was da alles in Lebewesen passiert. Die Pflanze verwertet Mineralien und ihre Nährstoffe, die ich eben einmal in Gülle finde und auch in sog. Kunstdünger, nur hier in reiner Form als (meist) Salze und ohne weitere Stoffe, welche die Pflanze vom "Biodünger" auch nicht mit verwenden würde. Chemisch passiert in der Pflanze in beiden Fällen absolut das Gleiche. Die Stoffe werden aufgespalten oder mit Hilfe anderer in neue Verbindungen eingebaut und so größere Moleküle gebildet. Einige davon erzeugen Geschmack, andere die Farbstoffe, wieder andere dienen nur dem Aufbau der Pflanze. Aber Bio macht ja alles, anders, klar, die grundlegende Physik und Chemie des Universums wird da sicher auch anders ablaufen.
Auf den Rest deines Beitrags gehe ich mal gar nicht erst ein. Mir scheint ein wenig Verfolgunswahn und Hysterie hat hier von einigen Besitz ergriffen. Wie du jetzt anderen tlw. rassistisch anmutende Tendenzen und Verschwörungstheorien entgegenwirfst und da einen Bezug zum hiesigen Thema siehst, ist mir ein wenig schleierhaft. Aber wenn ich ehrlich bin, begegne ich dieser haltlosen Argumentation immer wieder gewissen Kreisen, die sich als Heilapostel und technologiefeindlich das "zurück zur Natur" auf die Fahnen geschrieben zu haben scheinen. Wenn sich diejenigen die Energie, mit der sie vehement derartige Abstrusitäten anderen vorhalten und radikal Überzeugungsarbeit zu leisten suchen, lieber vorher erst einmal in tiefere Erforschung historischer und wissenschaftlicher Bereiche der Ernährung gesteckt hätten, würden vielleicht dem einen oder anderen mal ein oder zwei Äuglein aufgehen.
Dann würde man vielleicht auch merken, dass in einer Natur, in welcher seit Anbeginn des Lebens Wesen im wahrsten Sinne des Wortes auf Kosten anderer existieren, indem sie sich gegenseitig fressen, schon seit Milliarden Jahren ein biologischer und chemischer Krieg stattfindet, der dazu dient genau das zu verhindern, nämlich gefressen zu werden. Erst mit Hilfe ausgewählter Zucht und immer wieder verbesserten Anbaumethoden wurden durch Menschen auch für Menschen taugliche Lebensmittel geschaffen. Das war seit Anbeginn der Sesshaftwerdung so. Die meisten Gräser, welche recht unverändert in der Natur vorkommen enthalten für uns giftige Stoffe. Nicht alle sind gleich tödlich, aber gewisse Unverträglichkeit ist normal und auch der Nährstoffgehalt ist extrem gering (macht keinen Sinn für eine natürliche Pflanze, viel mehr zu produzieren und damit nur Fresser anzulocken). Wenn du dich auch nur mal Ansatzweise mit Pflanzen beschäftigen würdest, wärst du verwundert, was alles für Gifte in der Natur vorkommen und erst in den entsprechenden Lebensmittelpflanzen aufwändig weggezüchtet wurde. Was Keime angeht, öh weis nicht, lebst du im Vakuum des Mondes? An Pilzen und Keimen gibt es jede Menge auf der Erde, auf der ich lebe. Ich gehöre sicher nicht zu denen, die Hygienewahn betreiben und jedes Putzmittel kaufen und ständig nutzen. Dennoch sind wir tatsächlich ständig von gefährlichen Keimen umgeben. So lange unser Immunsystem jedoch gut funktioniert, passiert uns glücklicherweise wenig. Eben weil wir auch Teil des ewigen "Krieges des Lebens" sind und uns anpassten. Ob nun biologisch angepasst, oder dank unseres Intellekts mittels technologischer Mittel. Keime jedweder Art sind eigentlich ein Normalzustand auf der belebten Welt und ähnlich dem jetzigen EHEC sind sie mal für einige Wesen (z.B. Menschen) gefährlich und andere harmlos oder gar nützlich (z.B. für Wiederkäuer). Die Frage ist nur, ob man die Quellen dieses oder jenes Keims auch überall anwenden und verbreiten muss, insbesondere wenn man eh weis, wo sie existieren.
Und nur um etwas klarzustellen, ich gehöre nicht zu jenen, die völlig etwas gegen herkömmlichere und ältere Landwirtschafts- oder Biomethoden haben, aber eben auch nicht zu jenen, die das andere Extrem verteufeln. Ich halte es da eher mit der ausgewogenen Mitte, denn Extreme sind mir immer suspekt und das hat mich die Geschichte gelehrt. Zu Blauäugig gegenüber jedem Fortschritt sollte man nicht sein und es gibt genug Seiten an der Ernährungsindustrie, die ich zum kot... finde und ablehne, aber ins absolute Gegenteil zu verfallen und jedwedem Fortschritt zu entsagen und sich dem zu verstellen halte ich ebenso für falsch. Gewisse Auswüchse am Biowahn lassen mich nur kopfschüttelnd zurück. Der in einigen Kreisen praktizierte Verzicht auf Erkenntnisse über natürliche Gifte und Gefahrenquellen ist nur ein solches Beispiel.
Dieser Beitrag wurde 15
mal editiert, das letzte Mal am 06.06.2011, 19:23 von Dark Hunter.
|