Aldridge
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Betreff: Re: Der letzte Film
Hollywood hatte es im vergangenen Jahr gleich zwei Mal auf ein Nationalheiligtum abgesehen: das Weiße Haus. Haben es die Filmterroristen wenigstens richtig gemacht?
Olympus has fallen - Der Film bzw. seine Macher haben Eier in der Hose. Das muss man ihnen lassen. Regisseur Antoine Fuqua weiß jedenfalls, dass eine ordentliche Schießerei auch ordentlich blutig und dreckig zu sein hat. Das hatte er bereits in Training Day und Shooter bewiesen, und hier setzt er sogar noch einen drauf. Die Erstürmung des Weißen Hauses ist zwar unlogisch, aber absolut packend inszeniert. Es hagelt Kopfschüsse und Blutspritzer im Sekundentakt, und auch vor unbeteiligten Passanten macht der Angriff nicht halt. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass die Bösewichte endlich mal wieder ihrem Namen gerecht werden, nämlich böse und skrupellos rüberkommen. Soweit zum guten Teil. Doch: Sobald das Weiße Haus erstürmt ist, verliert der Film jeglichen Elan. Die bis dahin recht intelligent agierenden Terroristen verbarrikadieren sich im Bunker, werden passiv und wirken plötzlich allzu planlos. Und dann wäre da noch das Problem mit dem Patriotismus: Gerard Butler, als Schauspieler eigentlich mit einem gewissen Humor gesegnet, verfolgt seine Mission mit heiligem Ernst. Dabei schreckt der Film auch nicht davor zurück, Folter und kaltblütigen Mord an Vaterlandsverrätern zu rechtfertigen. Und ausgerechnet Oscar-Preisträgerin Melissa Leo darf als Verteidigungsministerin die aufrechte Bilderbuch-Amerikanerin geben, die selbst noch im Angesicht des sicheren Todes nicht Besseres zu tun hat, als den Fahneneid zu schwören. Letztlich hinterlässt der Film somit einen äußerst bitteren Nachgeschmack. Weiterer großer Schwachpunkt: Butler wirkt zu keinem Zeitpunkt wirklich in Gefahr, sondern besiegt einen Gegner nach dem anderen ohne größere Probleme. Wehmütig erinnert man sich da an einen leidenden und blutenden John McClane, mit dem man anno 1988 noch richtig mitgefiebert hatte.
White House Down - Patriotismus-Roland wiederholt sich, sprich: Er demoliert nach Independence Day erneut das Weiße Haus. Entsprechend konnte er sich auch eine kleine Anspielung zu Beginn des Films nicht verkneifen. Jedoch hatte Emmerich wohl eine familientaugliche Hochglanzversion der Ballerei an dem ungewöhnlichen Schauplatz im Sinn, einschließlich gefühliger Vater-Tochter-Geschichte. Und so spannt er den Bogen zu Beginn etwas weiter, lässt sich reichlich Zeit für die Exposition - und produziert so Längen. Sowieso ist der Angriff aufs Weiße Haus seltsam unspektakulär: Die böse Söldnertruppe wirkt irgendwie drollig und gar nicht bedrohlich, während sie einigermaßen ungestört durch die historische Stätte spaziert. Auch ihre Motive wirken unnötig verworren. Ok, ist die eine Seite schon nicht wirklich ernstzunehmen, wie sieht es dann mit den Helden aus? Nun, Jamie Foxx ist mit sichtlicher Spielfreude bei der Sache und gewinnt seiner Präsientenrolle doch noch einige interessante Facetten ab. Aber Channing Tatum und sein Charakter wirken gleichermaßen dumpf und absolvieren ihren Job recht eindimensional. Nichtsdestotrotz: Das Buddy-Motiv zwischen Präsident und Möchtegern-Personenschützer hat durchaus seinen Reiz und auch Witz. Ändert natürlich nichts daran, dass auch hier die Patriotismus-Keule geschwungen und der Film zum Schluss sogar richtig doof wird. Zudem ist erstaunlich, dass White House Down zwar doppelt so teuer war wie Olympus has fallen, seine Effekte aber nochmals deutlich billiger aussehen.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass beide Filme als Stirb langsam-Klone mit ihrem tollen Schauplatz eigentlich beste Voraussetzungen für richtig gute Popcorn-Unterhaltung hatten. Aber irgendwie hatte Hollywood dann wohl doch nicht genug Schneid, angesichts des Themas eben nicht bis zum Exzess ins Patriotismus-Horn zu tuten und und mehr als nur Actionhelden nach Schema F zu präsentieren. Schade. Im direkten Vergleich hat für mich der Emmerich-Streifen die Nase leicht vorn, weil er insgesamt humorvoller ist und keine so fragwürdige Moral präsentiert wie der Konkurrent. Richtig überzeugen konnten aber beide nicht - auch wenn sie beide immer noch besser waren als Stirb langsam 5.
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mal editiert, das letzte Mal am 12.01.2014, 16:42 von Aldridge.
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