Indiana Max
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Dabei seit: 12.05.2008
Wohnort: Trier
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Betreff: Re: Zurück aus Syrien
Ok...also spät aber jetzt habs ich mal geschafft !
Hier kommt ein kleiner Bericht und ein "paar" Bilder, hoffe es gefällt euch ;-)
Unsere Reise dauerte ziemlich genau 4 Wochen begann in Istanbul.
Eine unglaublich vielseitig und interessante Stadt mit atemberaubender Architektur und historischen Denkmälern, mit dem Grand Bazar, der Hagia Sofia, der blauen Moschee, den römischen Zisternen und sehr Vielem mehr. Fest steht, obwohl es nicht die günstigste Stadt und auch bestimmt nicht die Sauberste etc. ist, sollte jeder sie mal besucht haben und eine Woche Zeit ist dabei nicht zu viel veranschlagt ! Neben den Standard Touren haben wir, dank einer befreundeten Studentin aus Freiburg, welche ihre Familie zu diesem Zeitpunkt in Istanbul besuchte, noch viel mehr gesehen und viele kleine Blicke hinter die Touristenkulisse werfen können. Das war ein echter Glücksfall. Von Istanbul aus ging unsere Reise per Zug, die alte Orientexpresslinie, quer durch die ganze Türkei bis nach Adana weiter, einem kleinen Ort im Süden der Türkei, nahe zur Grenze nach Syrien. Von dort aus per Bus durch Iskenderun, am alten Bahnhof vorbei ^^, durch Hatay, bis nach Antakya, einem immer noch türkischen Ort am Mittelmeer gelegen, und dann mit einem Minibus (15 Leute) über die Grenze nach Aleppo. Diese Stadt…selten war ich was Städte angeht so zweigeteilt in meiner Meinung, denn auf der einen Seite besitzt Aleppo eine Zitadelle, auf jener bereits die Hethiter Festungswerk errichteten, auf welcher Abraham seine Schafe gehalten haben soll und später die Osmanen und die Kreuzfahrer eine gigantische Verteidigungsanlage hinterlassen haben, die Stadt ist voll mit Suqs (Bazaren) und verschiedenster Architektur, doch das Alltagsleben, der Verkehr und die Zustände auf den Strassen und überall sind ziemlich heftig, sodass es einem relativ schnell auch zu viel werden kann. Man merkte dort zu ersten Mal, dass Syrien das ärmste Land im ganzen Nahen Osten ist. Allein der Zustand des Nationalmuseums, mit unglaublichen Exponaten, die in Tristesse und ungepflegter Ödnis vor sich hin vegetieren, dem Staub geopfert, ist desaströs und besonders als Archäologiestudent kaum zu ertragen. Von Aleppo ging es mit dem Zug weiter nach Latakia, einer relativ großen Hafenstadt am Meer. 20 Kilometer nördlich liegen die Ruinen der vorchristlichen Stadt Ugarit, welche man besichtigen kann, und dies sollte man auch auf jeden Fall tun! Der Erhaltungszustand lässt zwar wie immer zu wünschen übrig, aber das Areal überwältigt einen mit seinen Häuser- und Tempelresten, mit Gräbern und Konturen von Strassen und Hügeln. Nach Latakia ging es mit einem Bus nach Homs, einer etwas größeren Stadt im Innland und von dort aus nach Krak de Chevalier, „der“ Kreuzfahrerburg der Geschichte. Dieser Bau ist derart gigantisch, dass einem nur die Luft wegbleiben kann und das Schönste ist, dass jeder abenteuerlustige auf seine Kosten kommt, denn in diesem riesigen Burgenkomplex kann man auf Entdeckungssuche gehen, es gibt wenig Zäune und Absperrungen, und so findet man sich bald mit Taschenlampen in den tiefsten Kellerverliesen und Unterirdischen Gewölben wieder, wo noch keiner…wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist…oder zumindest beinahe ^^
Nach Krak de Chevalier und Homs fuhren wir nun nach Palmyra, einer Oasenstadt am Rande der syrischen Wüste. Bei 35 Grad im Schatten und einer Variation aus einer griechisch/römischen Ruinenstadt, einem „valley of Tombs“ aus noch älteren Tagen, einer modern restaurierten Zitadelle, einem neueren Stadtkern, welcher jedoch bis auf einige Touristenshops sehr einheimisch geblieben ist und vielem mehr, ist es relativ einfach an diesem Ort etwas länger zu verweilen. Nach Palmyra ging es per Bus nach Damaskus und am gleichen Tag weiter nach Bosra, einem der südlichsten Orte in Syrien, an der Grenze zu Jordanien und dem Libanon. Bosra…diese Stadt ist eine sprichwörtliche Sackgasse. Wenn man sich nicht mit einem Taxi für relativ viel Bakschisch über die nahe Grenze nach Beirut oder sonst wohin absetzen möchte, nicht das alte Amphitheater, zweifelsohne sehr schön, für Stunden und Stunden und Stunden auf und ab laufen, oder aber sich im einzigen Hotel vor Ort, einem 5 Sterne Cham Palace, mit Whiskey für 10 Euro pro 0,2 Cl betrinken möchte, ja dann sollte man sich einen guten Plan überlegen. Mein Rat an alle die mal nach Syrien kommen, lasst diesen Ort aus, es lohnt sich nicht! Nach einigen Umwegen kamen wir nach Damaskus zurück. Diese Stadt ist eine derjenigen, die jeder in seinem Leben einmal für mindestens eine Woche gesehen haben sollte. Einzigartig wie Venedig, Lyon, Berlin oder San Francisco. Ein sehr eigener Stadtcharakter und ein Charme, welcher einen schon mal in seinen Bann zieht. Von der Omayadenmoschee, über das Grab von Saladin, weiter durch alle Suqs, durch den Suleymaniya, das Nationalmuseum und immer weiter…es gibt so viel zu sehen, zu essen ^^, wie das Eis von Bakdash im größten Suq der Stadt. In einem Satz, Damaskus ist eine wunderschöne und sehr interessante, sehenswerte Stadt !
Für uns ging es dann noch einmal nach Palmyra, zum Wüstenwandern, für Entdeckungstouren in die lokalen, antiken Grabmonumente und zum Backgammonspiel in der Mittagssonne ^^
Zum Schluss besuchten wir noch den ältesten Sohn des Hotelbesitzers von Palmyra, in Homs, wo er englische Literatur studiert. Noch einen Tag also mit syrischen Feier- und Ausgehgewohnheiten, mit viel Arak und Nagilas (Wasserpfeifen).
Zuletzt fuhren wir wieder nach Damaskus, für weitere 4 Tage und starteten von dort morgens um halb 2 mit dem Flieger Richtung München. Ich könnte natürlich noch Stunden und Stunden ins Detail gehen, aber das tue ich dann mal lieber auf einem Summit oder wenn ich jemanden von euch persönlich antreffe, werde dann weiter bei Essen und Champagner berichten…ihr zahlt! ^^
P.S. Hoffe es war etwas aufschlussreich und ihr könnt die folgenden Photoausschnitte (hätte 6,8 GB Photos…daher hier jetzt nur ein paar ausgesuchte) halbwegs zuordnen.






























































































































































































































































































































































Max Fiederling
"...Suchen sie doch in der hiesigen Kloake..."
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mal editiert, das letzte Mal am 04.05.2010, 15:37 von Indiana Max.
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