Marc
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Betreff: Fünfeinhalb Jahre Alden – meine persönlichen Erfahrungen
Hallo zusammen,
da ich meine Boots gerade so schön geputzt habe (dazu später mehr) hatte ich mal die Gelegenheit die fünfeinhalb Jahre seit denen ich die ersten Alden 405 gekauft habe revue passieren zu lassen…
Vergesst mal bitte dass ich die AB Aldens vertreibe etc. etc. etc. Ich möchte hier lediglich meine persönlichen Erfahrungen mitteilen, da davon das Forum lebt und nicht von „buy my boots“-threads.
Als ich im Mai 2004 meine ersten 405’s erhielt, war weder aus dem Häuschen vor Begeisterung, noch hatte meine Suche nach DEN Boots ein Ende gefunden. Um ganz ehrlich zu sein, war ich so ganz und gar nicht begeistert: die (standard) 405’s werden von Alden als Arbeitsschuhe angesehen und auch dementsprechend gefertigt. Heißt im Klartext: solide, aus guten Materialien, traditionell verarbeitet. Und das war’s dann auch. Dass hier und da lose Fadenenden rausguckten oder die eine oder andere Naht nicht unbedingt ein ästhetischer Hochgenuss ist, interessiert in etwa so viel wie wenn man sich bei Obi ein paar Sicherheitstreter holt. Was mich aber WIRKLICH störte, war diese scheußliche Kürbis rote Farbe Das sah so überhaupt nicht aus wie in Raiders…
Da ich ohnehin enttäuscht war und über meine Enttäuschung hinweg auch nicht das solide Handwerk dass in den Boots steckte erkennen konnte / wollte, rückte ich den armen Treten mit so ziemlich allem zu Leibe was man NICHT tun sollte. Aceton, um die nicht screen accurate Farbe zu entfernen, billiger Lederfarbe von Obi, um sie umzufärben, Silikon-haltigem Imprägnierspray… eben all das womit man auch noch so gute Schuhe in kürzester Zeit ruinieren kann. Es half alles nichts und ich fing an die Boots mehr oder weniger verachtlich für alle möglichen Einsätze zu benutzen. Renovieren, Autoreparaturen, Wandern etc. etc. etc. Nach einigen Jahren fand ich allmählich ein wenig Gefallen an den Dingern. Nicht weil sie meinen Wunschboots entsprachen, sondern weil sie trotz meiner schändlichen Vernachlässigung noch immer treu ihren Dienst taten. Also gab’s dann auch 1-2 Mal im Jahr etwas Lederfett.
Viereinhalb Jahre später – im Oktober 2008 – bekam ich dann meine zwei Paar AB Aldens und DIE waren das was ich haben wollte So solide wie ich es gewohnt war (sogar noch etwas stärkeres Leder!) und auch die optischen Details waren top! Damit wurden die ersten paar Boots jedoch vollkommen als Arbeitstreter degradiert und nach fünf Jahren – im Frühjahr 2009 – riss die Sohle an beiden Boots und ich schmiss sie in meine Schuhtruhe (rauswerfen wollte ich sie dann irgendwie doch nicht). Nach ca. einem Monat fielen sie mir wieder in die Hände (da ich Pecard für die anderen Boots benötigte). Hmmm… irgendwie hatten mir die Treter fünf Jahre lange wirklich gute Dienste geleistet… und das lag nun WIRKLICH nicht an meinem sorgsamen Umgang mit Ihnen… viel erlebt hatte ich damit ja auch (meine Verlobung, die Hüte die ich für CS gemacht hatte, jede Menge Reisen und und und). Also rief ich bei Alden an, erklärte wie ich die letzten fünf Jahre mit den Boots rumgehurrt hatte und fragte, ob man die Treter vielleicht noch IRGENDWIE retten könne (mittlerweilen hatte ich dann doch schlechtes Gewissen bekommen).
Kurzum: Joa, wir gucken uns das mal an… Für unter 130¤ (kann den genauen Preis nicht mehr erinnern, aber es war weniger als ein paar Bürotreter) holte UPS die Boots dann bei mir ab, schickte sie zurück in die Staaten zu Alden und da gab’s dann die komplette Kur: Komplett auseinandernehmen, auf die original Leisten gespannt, das Leder von alter Schuhcreme und Polituren befreit, das Oberleder von Hand mit den Original-Wachsen genährt, poliert, neue Sohle mit dem gewohnten Goodyear welting und der Rahmennaht, neue Absätze, neue Schnürsenkel und innen neue Lederflächen wo es nötig geworden war. Das ganze kam nach einigen Monaten in der gewohnten grünen Schuhschachtel wieder zurück und ich habe mich wie nie zuvor über meine treuen Begleiter gefreut. Durch die neue Sohle mussten sie erst wieder eingetragen werden – ein besonderes Vergnügen und die Boots erhielten von mir nun endlich die Anerkennung die sie verdienten. Nach alledem was sie mitgemacht hatten noch in der Lage zu sein komplett aufbereitet zu werden, das hatte mir nachhaltig imponiert und ich mutierte zum richtigen Aldenfan
Ich benutze sie seitdem wieder 2-3 Tage in der Woche und wie früher, leisten sie mir treue Dienste
Kurz vor Silvester, wollte ich meinen Boots eine kleine Frischzellenkur unterziehen, denn obwohl meine AB Alden zumindest hin und wieder etwas Pecard bekommen hatten, war es an der Zeit dem Leder mal eine richtige Kur zukommen zu lassen. Also holte ich mir bei einem Sattler in der Nähe eine Packung Sattlerseife, etwas farbneutrale „Tagescreme“ für hochwertige Glattleder und – auf Empfehlung eines Kollegen – das farblose Lederfett von Erdal (dem ich AUSGESPROCHEN kritisch gegenüberstand).
Mit einem Schwamm und etwas lauwarmen Wasser seifte ich die Boots nun KRÄFTIG ein, bis der Schaum aufhörte die Farbe der Boots anzunehmen (ACHTUNG: UNBEDINGT SATTLERseife verwenden, da sie dem Leder die eigenen Fette nicht entzieht). Nach getaner Reinigung, steckte ich passende Leisten in die Boots (auch wenn Alden sagt, dass soll man bei den 405’s nicht machen, aber das eine Mal… nur zum trocknen…) und ließ sie bei Zimmertemperatur (NICHT unter der Heizung) über Nacht trocknen.
Nun war es an der Zeit die „Tagescreme“ mit meinen Fingerspitzen in das Leder einzumassieren. Dabei machte ich die zu bearbeitende Stelle vorher immer kurz mit dem Haartrockner meiner Frau warm, damit das Zeug besser einziehen konnte. Nachdem ich mit allen Boots durch war, wiederholte ich diesen Prozess, da das Leder immer noch aufnahmefähig war. Nun polierte ich die (wieder) trockenen Boots aus und machte mich daran das Erdalfett einzureiben. Ähnlich wie beim Rasierschaum aufschlagen (bloß umgekehrt), rührte ich solange mit meinen Fingerspitzen im Tiegel bis sich das harte Wachs zu einer weichen Creme erwärmte. Danach massierte ich es in das Leder ein (DÜNN – glaubt mir, eine dicke Schicht bring KEIN besseres Ergebnis), das sogleich eine matte Oberfläche annahm. Das Fett ließ ich ca. eine viertel bis halbe Stunde einziehen und dann ging’s los: Rosshaarbürste raus (sauber und trocken – GANZ wichtig, wenn die Bürste noch Fett und Wachs von den letzten Polituren an den Borsten hat, kommt man damit nicht weit), und dann gib ihm! Dabei immer die Spitze der Borsten zum polieren verwenden: es zählt die GESCHWINDIGKEIT und nicht der Druck. Großer Druck führt zu keinem guten Ergebnis!
Auf diese Art und Weise erreichte ich einen schönen Tiefenglanz, ohne die Patina der Boot mit Lederfarbe zu übertünchen. Nun noch die Schnürsenkel wieder rein, ab auf die Treppe und ein kleines Foto, zusammen mit den Wildleder Boots die ich mir im Herbst gegönnt habe Da ich bei keinen anderen Schuhen einen solchen Tragekomfort bekomme (ich habe sehr breite Füße und da kommt mir das extrabreite EEE genau richtig) und die Qualität vor dem Hintergrund meines ersten Paares mich nicht mehr überzeugen braucht, kaufe ICH mir nur noch diese boots – da weiß ich was ich habe

(Oben links die meine ersten Alden von Mai 2004, oben rechts und unten links meine AB Alden von Oktober 2008, unten rechts meine Wildleder 405's von Oktober 2009)

(hier die Produkte die ich verwendet habe)
So, ich hoffe ich habe Euch mit diesem subjektiven und persönlichen Erlebnisbericht NICHT den Eindruck vermittelt, dass ich Euch ein paar Boots aufschwatzen will.
Gruß,
Marc
Marc Kitter
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mal editiert, das letzte Mal am 01.01.2010, 19:45 von Marc.
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