Mahatma
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Betreff: Die beste Klimax...?
Hallo erst einmal. Ich hoffe mal, es stöhnt keiner, wenn hier schon wieder ein "der beste XYZ" Thread erstellt wird. Irgendwie beschäftigt mich die Frage seit ein paar Tagen und ich wollte mal wissen, was ihr dazu denkt.
Die Klimax innerhalb des Indy-versums weicht ja zum Teil stark voneinander ab. Im ursprünglichen Sinne der Formel ist nun eigentlich hier der Punkt, an dem relativ bedächtig ein stärkeres übernatürliches Element einfließt, der Gegenspieler scheitert und unser Held am Schluss doch eigentlich mit leeren Händen dasteht. Dieses Konzept gehört für mich zu einer der Stärken der Indy-Reihe, weil uns hiermit nämlich kein überlebensgroßer Superheld präsentiert wird, sondern ein Mensch mit Schwächen, der am Schluss eine wichtige Lehre mitnimmt. Leider wird dies nicht immer konsequent umgesetzt und so hinterlässt so manches Indy-Abenteuer uns ein wenig unbefriedigt.
Ich reiße mal ein paar Beispiele an:
Raiders//
Meiner Meinung nach eines der stärksten Enden. Ich finde es gut, dass Indy am Ende dazu verdammt ist, dem Spektakel passiv beizuwohnen. Die Tatsache, dass nicht er selber sich heroisch aus der Misere befreit, sondern nur dank der Lade/ der Gier seiner Kontrahenten überlebt, gibt ihm Glaubwürdigkeit. Auch der moralische Konflikt mit Belloq, beginnend mit Indys Unvermögen, die Lade zu zerstören und dem Ende, welches zeigt, welcher der beiden Archäologen "richtig" handelt, geben dem ganzen Tiefe.
Ein sehr schönes, vielleicht gerade weil nicht typisch actionfilm-typisches Ende. Schade ist, dass es schwierig wird, ein ähnliche Ende ein zweites Mal mit selbem Effekt in die Serie einzubauen
Temple//
Wir finden hier eigentlich das genaue Gegenteil von Raiders. Indy ist in der Klimax auf der Hängebrücke der Hauptakteur. Er kappt die Brücke, besiegt Mola Ram und rettet zumindest einen Sankara-Stein. Zweifelsohne bleibt dieses Ende in Sachen Spannung und Action ungeschlagen. Trotzdem finde ich hier mehrere unliebsame Aspekte: Mola Rams Argument "Wirft die Steine ruhig weg, sie werden gefunden, du nicht, Jones!" erscheint mir ebenso fadenscheinig wie die Fähigkeit, durch irgendwelche mystischen Formeln die Steine zum Glühen zu bringen. Hauptmanko ist für mich jedoch das moralisch fragwürdige Auftreten der britischen Kolonialisten als Retter vor den bösen Thuggees. Zumal es hier verdammt nach "Deux Ex Machina" riecht.
Aber wie gesagt, nach Raiders war eine Kopie des konzeptes schwer möglich und als bombastisches Actionfinale werde ich Temple immer lieben
Crusade//
Hiermit werde ich wohl nie so recht warm werden. Die erste Prüfung war sehr athmosphärisch, danach fehlte mir ein wenig die Spannung. In dem Wissen, dass die falsche Wahl den Tod bringt, erscheint mir der sonst so clevere Donovan sehr unglaubwürdig. Er fädelt Pläne ein, geht über Leichen, nur um am Schluss sich irgendeinen beliebigen Kelch auszusuchen? Deutliche Stärke an dieser Klimax ist allerdings der Vater-Sohn-Aspekt. Sicherlich eine der emotionalsten Stellen der Serie (und zwar von der Erschießung Henrys bis hin zu "Indiana, let it go") und das überdeckt für mich das vorher genannte.
Atlantis//
Atlantis besitzt eine Klimax, mit der ich mich gut anfreunden kann. Wieder einmal ist Indy zu (handlungsmäßiger) Passivität verdammt. Dass er Kerner und Übermann durch geschickten Dialog dazu bringt, sich selbst auszuschalten, finde ich sehr Indylike. Der Untergang Atlantis' präsentiert wieder einmal das schöne Motiv "mit leeren Händen".
Infernal Machine//
Ein zweischneidiges Schwert. Hier wurde der Fehler begangen, zu stark (und auch zu früh) die übernatürliche Katze aus dem Sack zu lassen. Der Kampf gegen einen Gott im Void übersteigt definitiv das mystische Potenzial, das einem Indyabenteuer gut tut. Wettgemacht wird dies jedoch durch das Handeln der Charaktere. Der überraschende Übertritt des amerikanischen Agenten zum Antagonisten und die "Versöhnung" mit dem russischen Gegenspieler (der einer der wenigen Bösewichte des Franchises ist, die überleben!) ist für mich eine erzählerische Stärke. Indy zerstört die Höllenmaschine, da er nicht will, dass ein System über das andere siegt (kapilalismus vs. Kommunismus), wenn ich mich recht entsinne. Ein starker Eintrag in Indys Charakterbogen!
Emperors Tomb//
Ich hatte mir ja viel erhofft von dieser Handlung, da sie ja bis hin zum China-Segment sehr gewissenhaft eine originelle Indystory erzählt. Leider begeht man hier einige Kardinalsfehler. Der bereits oben angesprochene übernatürliche Effekt wird einfach viel zu früh und stark eingesetzt. Blitze schleudernde Racheengel, eine wahnwitzige Nazi-Kampfpanzermaschine und zum Schluss ein Kampf im Jenseits gegen einen fliegenden Drachen. Das ist zu viel für die Nerven!
Kingdom//
Hier lässt sich wenig sagen. Die charakterliche Ebene wird größtenteils nach der Klimax (also Indy und Anhang auf dem Hügel und die Hochzeitsszene) behandelt, die Klimax selbst lehnt sich an Raiders an. Indy bleibt passiv, der Antagonist vernichtet sich selbst aufgrund seiner Gier. Wie oben erwähnt, eine variantenfreie Neuauflage der Idee finde ich wenig effektiv
City of Gods//
Es sei mal dahingestellt, ob die Umsetzung qualitativ hätte glänzen sollen. Der Geister-Hitler und die Verwandlung in eine Kröte waren sicherlich keine goldige Idee, aber das Motivder Wiederherstellung einer Beziehung zu Marion ist eine annehmbare Variante der Klimax. Zumal ich wirklich in den Schlussdialog zwischen Indy und Marion verliebt bin:
"Why didn't you take all that fortune and glory?"
"I did"
Philosophers Stone// (McCoy)
Der Stein der Weisen verwandelt all jene, die ihn zu ihrem Vorteil nutzen wollen zu Sand. Nett ist hier, dass ein Rätsel, welches über die gesamte Handlung in der Luft hängt gelüftet wird.
Spear of Destiny// (Dark Horse)
Die Geschichte endet damit, dass sich ein Teil des Speers (so wie die Bundeslade) in den Händen der USA befindet. Indy stellt sich die Frage, ob diese Macht an Hiroshima und Nagasaki Schuld trägt, und ob Menschen das Recht haben, solche Macht zu besitzen. Eine sehr schöne Variante.
So, damit bin ich soweit am Ende. Ich würde mich freuen, wenn ihr die Diskussion bereichert. Seht ihr das so wie ich? Welche Enden findet ihr gut, welche nicht? Wie könnte das Ende eines potentiellen fünften Teiles sein?
Gut Pfad
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