Dark Hunter
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Dabei seit: 05.08.2007
Wohnort: Im Wilden Osten.
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Betreff: Re: Ausgrabungen.....
Zitat von Silke:Muß in meinem Job auch hart arbeiten...bin seit 8 Jahren ex.Altenpflegerin...
Daran zweifelt keiner, bloß haben eben nur die meisten romantische Vorstellungen davon, wie so eine Ausgrabung abläuft. Im Grunde ist es immer dreckig, oft stickig heiß, oder eklig feucht, je nach Wetterlage und das eben den ganzen Tag. Dazu verbringt man eben die Stunden (oft geht ne "Schicht" von 8 oder 9 bis abends 16/17 Uhr, wenn es knapp wird, auch mal länger) in sehr ungemütlichen Haltungen, gebückt, halb liegend, auf den Knien. Die erste Woche hat man da meist Rückenschmerzen und manche holen sich tolle Verzerrungen/Verrenkungen. Dann erst die Pfoten, Schwielen und Hornhautschichten baust du so nach der zweiten Woche auf, bis dahin haben manche auch nette Blutblasen an den Händen (je nachdem, wie empfindlich die Hände sind). Finger- und Handgelenke werden eigentlich immer wieder schmerzen, wenn du den ganzen Tag die Kelle krampfhaft hälst, insbesondere wenn der Boden ein steintrockener Acker ist. Als Abwechslung kannst dann mit einem spitzen Hammer alle paar Zentimeter die oberste Schicht klein Kopfen, wenn die in der Sonne hart gebacken wurde. Die wirkliche Abwechslung ist das Ausleeren der Eimer mit Dreck, weil du da mal aufstehen kannst und eine andere Bewegung machst.
Sonst ist es meist langweilig, immer die selbe Tätigkeit, wenn das Wetter trüb ist, dann meist auch die Stimmung und irgendwann kennt man auch die Witze aller in den Nachbargruben, äh Plani, oder hat schon x-mal "Wer bin ich" gespielt. Funde waschen ist auch ein Highlight, macht man oft wenn es wirklich doll regnet, und man sonst draußen eh nix tun kann. Bedeutet den halben Tag in dreckig kaltem Wasser manschen, aber wenigstens nicht gebückt in nem Loch hocken.
Versteh mich nich falsch, es macht durchaus Spaß, besonders wenn man sich mit den Teilnehmern versteht und die Abenstunden und Freizeit an einem interessanten Ort verbringen kann (manchmal haben wir in alten Burgen übernachtet, nett mit Lagerfeuer im Hof und so). Aber normale Arbeit im geregelten und gesundheitstechnisch tollen Umfeld, hat mit einer Grabung nicht viel gemein. Da ist es dreckig, essen gibts unregelmäßig und tagsüber meist nur belegtes Brot, dass du dir früh geschmiert hast, du bist bei jedem Wetter draußen, immer müde, irgendwann tut vieles weh. Meinen Urlaub verbringe ich dann doch lieber wo anders, wenn ich vor allem weis, dass ich danach dann wieder für den Rest des Jahres arbeiten gehen muss. An deiner Stelle würde ich nach dem "Grabungsurlaub" lieber noch mindestens eine Woche am Strand zur Erholung einplanen. Und wie gesagt, wehe die Sonne scheint wirklich mal durchgehend. Schatten gibt es auf den meisten Grabungen nur selten. EU Krebsschutz hin oder her, 8h für vier Wochen in praller Sonne sind echt heiß und großer Mist.
Zitat:Deshalb bin ich ja auch ans DAI gegangen, wo ich "graben lassen" kann.
Also wahrlich auf Schliemanns Spuren.
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mal editiert, das letzte Mal am 28.11.2008, 11:39 von Dark Hunter.
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