Ah, Rats!!
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Wohnort: Berlin
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Betreff: Re: "Winterjacke" (off topic)
Hier noch ein kleiner Nachtrag zur Winterjacken-Thematik (und der besprochenen Schott-Jacke, wie Hans eine sein Eigen nennen darf). Wie schon beschrieben, hatte ich das Pech, dass bei den Fliegerjacken-Jungs ausgerechnet meine Größe nicht mehr vorrätig war, und laut Nachfrage bei Schott auch diese Saison keine mehr nach kommen wird. Erst mit der nächsten Saison (September 2010) kommt die Jacke bei den Leuten hier wieder in's Programm. Ich stand also vor der Entscheidung, die Jacke dann vielleicht doch in den USA zu kaufen, oder wirklich meine Vorhandene wieder in Schuss zu bringen, und die Schott vielleicht wirklich erst für den kommenden Winter zu bestellen, undzwar dann bei den Fliegerjacken-Leuten hier in Deutschland. Ich habe mich für Letzteres entschieden, alleine schon um die Leute ein wenig zu supporten. Immerhin bin ich froh, dass sich jemand in das Wagnis stürzt, Flieger-Lederjacken dieser Art zu importieren.
Da ich allerdings zur Spezies der Echten Helden (tm) gehöre, kam ich auf die glorreiche Idee, ausgerechnet Ende Dezember meine schwere Winter-Lederjacke (vom Schnitt her ähnlich wie die von Schott), die ich jetzt seit vielleicht 9 Jahre habe und auch von Herbst bis Frühling trage, zur Reparatur zu bringen. Wenigstens das eine abgewetzte Bündchen sollte erneuert werden. Tolle Idee, ganz enorm: Zwei Tage, nachdem ich die Jacke abgegeben habe, zeigte mir Petrus was für einen exzellenten Sinn für Humor er doch hat, und bescherte Berlin einen der stärksten Wintereinbrüche der vergangenen Jahrzehnte. Das war die Woche, wo es auf -14 (! !) Grad runter gegangen ist. Und meine Jacke lag beim Schneider, der mir eröffnete, dass er wohl erst im neuen Jahr an die Jacke gehen kann, und ein passendes Bündchen suchen kann. So viel zum Thema "eigentlich wirds hier doch immer erst Mitte/Ende Januar so richtig kalt".
Um nun aus der Not eine Tugend zu machen, griff ich zu den beiden vorhandenen Westeds - ich besitze zwei Crusade-Jacken in Horsehide (meine "Regenjacke" für's Grobe) und Novapelle (für besondere Anlässe, sozusagen). Da es auf der Welt nicht viele Dinge gibt, die ich mehr hasse als Pullover, und auch im Winter gerne bei Hemden bleibe, wenn auch mit T-Shirts darunter, griff ich als weitere Schicht auf eine Fleece-Innenjacke von Jack Wolfskin zurück. Ich hab in dem Laden mal nebenher gejobbt, und wir haben diese Jacken als Mitarbeiter-Jacken bekommen. Eigentlich sind die dafür gedacht, die unter diesen plastik-mäßigen Regen-Wetter-Berg-Special-Sonstwas-Jacken zu tragen, weil die nur vor Wind und Wasser schützen, aber die Wärme kaum halten. Das Fleece generiert also eine Wärme-"Blase", und die Plastikhaut darüber sorgt dafür, dass der Wind die nicht immer wieder zerstört. Das hält warm. Ob es gut aussieht, oder sich gut anfühlt wenn man mit einer teuren bunten Plastiktüte durch die Weltgeschichte zieht, mag dahin gestellt sein, aber es funktioniert. Und für Bergtouren ist es leichter als jeder Ledermantel.
Nun denn - ich zog mir also diese Fleece-Unterziehjacke an, und die Wested Novapelle darüber (weil die etwas lockerer sitzt). Und siehe da, bis -6 oder -8 Grad ist man warm eingepackt wie mit einer dicken Winter-Lederjacke. Bei -10 oder -12 Grad und beißendem Wind wird es so auch ein wenig ungemütlich, aber als Improvisation ist das immernoch beeindruckend. Zieht man noch ein dickeres Hemd darunter, sind auch solche Temperaturen locker auszuhalten, auch über 2-3 Stunden (wie ich feststellen durfte).
Ein weiterer Vorteil: Kommt man dann zum Beispiel in ein Ladengeschäft, kann man die Jacke einfach aufmachen, die Unterzieh-Jacke auch, und man zerlegt damit quasi die sich bildende fleece-typische "Wärmeblase" vollständig im Brust/Bauch-Bereich, und größtenteils auch im Rückenbereich (ohne Schultern - die bleiben genau so bewärmt wie die Arme, aber das ist auszuhalten). Besser als mit jedem Pulli.
Betritt man ein Restaurant, und möchte die Jacke ablegen, zieht man einfach die Wested mit der sich darin befindlichen Fleece-Jacke über die Arme aus, und hängt beides gleichzeitig über den Kleiderbügel, als wäre das eine Art Innenfutter. Man braucht ein wenig Fingerfertigkeit, vor allem auch beim Anziehen, aber es funktioniert annehmbar gut, und sieht dabei noch fast so aus, als gehöre das so.
Ich weiß nicht, wie es mit anderen Jackengrößen funktioniert, aber bei meiner Größe schließt diese Fleece-Jacke unten bündig mit der Wested ab.
Von daher, von mir einen eindeutigen Daumen nach oben für diese Kombination - die kann einen auch ganz gut durch den Winter bringen, wenn man improvisieren muss. Für alle Interessierten, die die Wested auf diese Weise "kältefest" machen wollen: Es handelt sich um eine Fleecejacke des Typs "Moonlight Jacket", eine etwas dünnere Fleecejacke. Dickere lassen sich vielleicht im Ärmelbereich schlechter tragen, und dünnere halten vielleicht nicht so gut warm, also kann ich die nur empfehlen. Trägt sich auch beim Picknick an einem Frühlingsabend draußen am Lagerfeuer gut, wenn es abends etwas kühler wird.
So, genug der Schleichwerbung, aber ich dachte, ich teile das mal mit Euch. Nichts desdo trotz vermisse ich meine vertraute Lederjacke ganz doll, die gerade einsam im Arbeitsraum einer Lederschneiderei in Berlin liegt, und hoffe, dass ich diese Kombi mit Wested und Fleece wieder gegen das schwere Ding mit Fellkragen und Innenfutter tauschen kann. Bei allem Lob für die Wested fühle ich mich im Winter so immernoch am wohlsten. Und ich hab so das Gefühl, das Dickste liegt in Sachen Winter noch vor uns.
Cheers!
Chris H.
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