Jens
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Betreff: Re: Ein Sommer aus Eis ... zurück aus Grönland
Vielen Dank Euch allen für das freundliche willkommen heißen und die netten Kommentare! Da fühlt man sich doch gleich doppelt "wieder zu Hause".
Zitat von Indiana Max:Schön dich wieder hier zu wissen Jens
Verdammt schöne Landschaft, so auch deine Bilder !
Eine gute Pfeife zur richtigen Zeit und vorallem am richtigen Ort ist doch etwas Unbezahlbares 
Ja ... ohne meine Pfeife würde mir auf einer solchen Reise etwas fehlen. Das macht die unvergleichliche Stille auf Grönland (sieht man mal von blasenden Walen, zerberstenden Eisbergen und dem einen oder anderen kreisenden Helikopter ab) fast schon meditativ. 
Zitat von Daniel:Früher war da bestimmt mal alles weiß... 
Oh nein! Mitnichten, Daniel. Wie der Name "Grönland" (Grünland) schon sagt, sah es hier auch for 1000 Jahren, als Erik der Rote und seine Wikinger das Land besiedelten, nicht viel anders aus. Das Klima soll sogar noch milder gewesen sein und erst seit der sog. "kleinen Eiszeit" im 14./15. Jh. (die wohl auch das Ende der normannischen Siedlungen auf Grönland verursacht hat) ist es etwas eisiger (im Wortsinne - bezogen auf die von Eisbergen gesprenkelten Fjorde) geworden.
Dazu kommt, das im Süden Grönlands (der Region, in der wir uns aufhielten) das Klima tatsächlich ein wenig milder ist, als weiter im Norden. Was nicht heißt, dass wir immer bestes Badewetter hatten. Denn selbst von diesem Südzipefel der größten Insel der Welt aus ist das "ewige" Inlandeis nur knapp 10 Kilometer entfernt, wie wir auf unseren Wanderungen erfahren haben.
Insgesamt waren wir drei Wochen auf Grönland, von denen wir die ersten beiden paddelnd verbrachten. In unseren Kayaks legten wir so in der Region um Narsaq und Qaqortoq immerhin mehr als 200 Kilomter zurück; paddelten zwischen Eisbergen, Robben und Walen (letztere landeten in mundgerechten Happen sogar auf unseren Grill) und landeten jeden Abend in einer anderen kleinen Bucht an, wo wir - so wir Trinkwasser finden konnten (kleine Seen, Bäche und Wasserfälle fanden sich zum Glück zuhauf) - unser Lager errichteten und die Gegend erkunden (und zu erkunden gab es eigentlich immer etwas - und seien es nur ein paar Wikingerruinen ).
Mutterseelenallein in der weiten (und in großen Teilen unberührten) Natur Grönlands auf gemöchlich vorüberziehende Eisberge zu schauen ... das war in der Tat atemberaubend. Die Luft war so klar, so still ... wirklich unbeschreiblich.
Dazu kam, dass es selbst nachts nicht lange dunkel war: gegen Mitternacht ging die Sonne unter, aber schon um 3 Uhr morgens zeigte sie sich wieder am Horizont - was die Zeitspanne, in der das Nordlicht zu beobachten war (verwischte Flammen hellgrünen Lichts, die über den Himmel tanzen) stark einschränkte.
In der letzten Woche haben wir schließlich unsere Rucksäcke gepackt, um in die Berge zu wandern und uns endlich zum Inlandeis aufzumachen. Das Wetter hatte gewechselt (während des paddelns hatten wir nicht einen Tag "schlechten" Wetters): es war neblig, es regnete ... ständig war alles nass und klamm. Trotzdem wagten wir den Auftieg in die Berge und den Marsch ins Hinterland und wurden dann für die Strapazen auch mit einem sagenhaften Blick auf das eisige Innere Grönlands und kalbende Gletscher (die ins Meer mündeten und immerzu unter ohrenbetäubendem Lärm neue Eisberge gebärten) belohnt.
Nun aber erst einmal genug geschwafelt (für wietere Geschichten, "Abenteuer" und Anekdoten habe ich mir eine etwas andere Präsentationsform überlegt, an der ich aber noch ein, zwei Wochen arbeiten werde, denke ich). Wer Interesse hat, ist herzlich eingeladen, einen Blick in mein entsprechendes Photoalbum zu werfen.
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