Kukulcan
Mitglied

Beiträge: 8.851
Dabei seit: 04.03.2013
Wohnort: Köln
|
Betreff: Re: "Nuke The Fridge" - das neue "Jump The Shark"
Nunja, sich hier darüber zu streiten, ob Temple oder Kingdom der schlechteste Indy ist, finde ich schon etwas albern. war mein erster und wird in meinem Herzen immer der Favorit bleiben. Kingdom verliert bei mir persönlich bei dem ganz simplen und intuitiven Test "Wie oft landen die Filme im Player". Ich nehme an, das ist bei vielen anders und, Gott, wie ich es hasse, wenn Filmstudenten irgendwelche Filme nach "objektiven" Kriterien auseinanderpflücken. Schlimmer noch, sich einen Film kaputtmachen zu lassen, weil eine Mehrheit ihn nicht gut findet.
Warum mag ich Kingdom nicht so sehr? Ganz sicher nicht wegen der Kühlschrankszene. Diese Szene ist besonders "Over the top" (die Atombombe hilft da) und erlangte dadurch einen besonderen Ruhm. Dass man nach einem solchen Flug höchstwahrscheinlich tot ist, ist ähnlich wie bei vielen 100 oder 1000 anderen Szenen der Filmgeschichte.
Erst mal was zu Wahrscheinlichkeiten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lore nach einem Sprung wieder auf den Schienen landet? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Schlauchboot "aufrecht" fällt?. Die korrekte und völlig unwissenschaftliche Antwort auf all diese Fragen ist "One in a million". Darum geht es. Ein fantastischer Abenteuerfilm handelt von dem einen Helden, der überlebt hat, nicht von den 999.999 anderen, über die weder Filme gedreht werden, Bücher geschrieben noch Lieder gesungen werden. Diese Tatsache sollte man akzeptieren, wenn man solche Filme schaut. Das sollte man vor allem akzeptieren in Filmen, in denen Gott (oder Götter, Außerirdische) existieren, der Held also nach einer inherenten Logik von den guten "überirdischen" Kräften im Kampf gegen die bösen Kräfte unterstützt wird.
Eine andere Frage ist es, ob ein Überleben rein technisch möglich ist, das möchte ich mal anhand von Stürzen beleuchten. Es gibt da einen schönen Spruch: "It is not the fall that kills you it the sudden stop at the end".
Tatsächlich ist das nicht ganz korrekt oder aussagekräftig, tatsächlich wäre es sinnvoller zu sagen: "Es ist nicht der Aufprall, der dich tötet, es ist der plötzliche Stopp".
Ein Fall ist nicht dadurch zwingend tödlich, dass eine hohe Anzahl von Knochen brechen, der sichere bei einem Aufprall hängt von der Beschleunigung des Gehirns innerhalb des Schädels ab. Dass Stürze tödlich sind, bei denen der Schädel zerschmettert wird, nehme ich jetzt mal als selbstverständlich an.
Die Stürze, die mit höchster Sicherheit tödlich sind, nehmen wir im Film oft als gegeben hin, wenn nämlich ein Fall 10cm vor dem Boden von einem Seil gestoppt wird. Hier ist die negative Beschleunigung ebenso ungebremst wie bei einem Fall auf Beton. Bei einem Fall auf Beton ist sogar je nach Aufprall immer noch die Reduzierung der Beschleunigung durch den (brechenden) Körper gegeben.
Der Schlauchboot-Fall ist im Vergleich dazu harmlos. Die Geschwindigkeit ist verhältnismäßig niedrig, da der Luftwiderstand extrem ist, wenn ein Boot so fällt. Eine dicke Schneedecke entschleunigt zusätzlich und der Aufprall auf eine geneigte Fläche verringert die vertikale Komponente noch um einiges (Menschen die Stürze aus Flugzeugen überleben tun das nur, weil sie entweder durch Bäume, weichen Untergrund oder vor allem eben durch Aufprall auf Schrägen gebremst werden).
Kommen wir zum Kühlschrank. Die extrem kurzzeitige Strahlenbelastung in einem bleiverkleideten Behältnis halte ich tatsächlich für relativ unbedenklich, bleibt der Sturz. Interessant ist hier wieder die vertikale Komponente, also die Flughöhe. Erschwerend kommt dazu, dass der Körper in dem Fall nicht als Puffer herhalten kann. Alles in allem würde ich dies zwischen einem Schlauchboot-Fall und einem Stopp durch ein Seil einordnen. Das Ganze unverletzt zu überleben ist höchst unwahrscheinlich, aber wie ich schon sagte, da gibt es 1000e andere Szenen, die nicht als "Negativ-Beispiel" herhalten müssen. Von daher ist diese Auszeichnung nicht auf der Unwahrscheinlichkeit des Überlebens gegründet sondern darauf, dass die Szene so extrem übertrieben angelegt ist. Das gleiche gilt für die Wasser-Fälle, bei denen sich die Beschleunigung beim Eintauchen in das Wasser (im unwahrscheinlich Fall des günstigten Aufprallwinkels) sicher einfach berechnen lässt und diese liegt garantiert auch unterhalb von vielen anderen Filmstürzen.
Grundsätzlich wird der vertikale Aufprall überbewertet. Es gibt unzählige Filme, in denen Menschen von Maschinen, Magie oder übermächtigen Gegner durch die Luft gegen Wände geschleudert werden, solche Aufprälle (wozu sicher auch der Brückenaufprall in zählt) wären mit 100%iger Sicherheit tödlich, da in den meisten Fällen der Schädel ungebremst gegen die Wand schlägt.
Nicht nur unwahrscheinlich sondern schlicht unmöglich sind körperliche Leistungen, die wir in extrem vielen Action-Filmen sehen. Das vielfache Springen zu, Festhalten und Hochhangeln an scharfen Kanten stößt mir hier immer wieder unangenehm auf, es ist schlicht nicht möglich, dass ein menschlicher Körper solche Leistungen vollbringt. Unwahrscheinliches Glück gestehe ich einem Filmhelden zu, übermenschliche Kräfte nur dann, wenn es durch die Handlung erklärt ist.
Warum ich das alles schreibe? Ganz einfach, wer oder Kingdom wegen seinen Stürzen oder anderen Unwahrscheinlichkeiten verdammt, nur weil sie so (gewollt und passend) Over the Top sind, aber die von mir angeführten weniger spektakulären aber zu 100% sicheren Todesstürze in vielen anderen Filmen akzeptiert, der misst mit zweierlei Maß und hat IMHO Indiana Jones nicht kapiert.
Dieser Beitrag wurde 1
mal editiert, das letzte Mal am 05.05.2013, 10:45 von Kukulcan.
|