TomTom
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Betreff: Re: Der ultimative "So finde ich Indy 4!" Thread
Auch ich stimme Bruhn zu. (Und deshalb Niob, werde ich ihn weder erschießen noch erschießen lassen. Ich habe auf eine gewisse Arroganz reagiert, die ich einfach nicht mag. Wenn die Mods darauf nicht reagiert haben, kann ich mir gut vorstellen, dass sie den, zugegeben, krassen Sarkasmus in meinem Post erkannt haben. Wir sind ja mittlerweile soweit, dass man nicht mal einen Witz über Chers Arschbacken machen kann, ohne jemanden persönlich anzugreifen. Deshalb halte ich mich fortan aus diesen dämlichen Diskussionen heraus und entschuldige mich AUSDRÜCKLICH bei Bruhn, wegen meiner harschen Wortwahl)
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Also Bruhn stimme ich soweit zu, halte aber Tempel nicht für einen Klassiker. Raiders hatte als Prämisse, ein schnell und dreckig inszenierter Abenteuerfilm zu sein, wie halt eben die großen Vorbilder aus den dreißiger Jahren. Tempel hingegen war reines Popcorn-Kino. Wir haben einen Helden, also lassen wir ihn schnell noch mal agieren, das scheint einzige Aussage des Films. Die Charaktere fand ich damals wie heute nervig. Eine kreischende Willie, ein Spielberg-Wunderkind und ein, im Gegensatz zu Raiders, farbloser Indiana Jones.
Wenn man einen neuen Charakter entwickelt, dann orientiert man sich an Eckpunkten, die ihn hervorheben. Indy ist Abenteurer, davon begeistert, Reliquien aufzutun und rücksichtslos genug, diese in seinen Besitz zu bringen. Punkt. Hinzu kommen dann noch Kleinigkeiten, die unterschiedliche Subplots ergeben. Eine unglückliche Liebe, zu einer fast noch Minderjährigen, um ein Beispiel zu nennen. Eckpunkte reichen völlig aus, um dem Zuschauer einen bis dato noch unbekannten Charakter näher zu bringen. Dadurch lässt man ihm genug Raum für die eigene Fantasie.
Bei einem Sequel funktioniert das nicht mehr. Der Charakter braucht mehr Tiefe, damit der Zuschauer neues Entdecken kann. Nichts davon habe ich in Tempel gesehen. Außer vielleicht, dass Indy sich, wenn es die Situation erfordert, auch in eleganteren Kreisen bewegen kann. Es war für mich, bis CS, der schwächste Teil der Serie, nur hervorgehoben durch die Wortgefechte zwischen Indy und Willie.
Erst LC zeigte weitere Facetten von Indys Charakter. Den Verlust der Mutter, der mit dem Verlust des Vaters einherging. Das Gefühl, nie richtig anerkannt worden zu sein. Kurzum, Indy wurde menschlich.
Jetzt mit dem vierten Teil, sind wir wieder bei Tempel angelangt. Und dabei hätte es so schön werden können. Ein Indiana Jones, der sich langsam für den Scheiß zu alt fühlt. Der was besseres zu tun hat, als irgendwelchen Artefakten nachzuhetzen. Aber da kommt sie und schlägt ihm seine Vergangenheit ins Gesicht (jawohl "Sie", nicht er). In meiner Version hätte Indy eine Tochter gehabt. Sie ist eine junge, hübsche Frau. Verletzlich wie Marion, schlagkräftig wie Indy. Er fühlt eine Verbundenheit gegenüber dieser Frau und kann damit nicht umgehen, weil er sich zu alt fühlt. Reagiert deshalb vielleicht ein wenig zu kalt. Denn wie gesagt, er glaubt, er gehört zum alten Eisen und nicht wie Lucas es vielleicht angedacht hat. Ich meine, Mutt nennt ihn dauernd Opa und Indy sagt nichts dazu, zieht dem Bengel nicht mal die Ohren lang.
Indy trifft schließlich auf Marion. Er erfährt, dass das Mädel seine Tochter ist. Jetzt kann er seiner Zuneigung freien Lauf lassen, die Vater-Tochter-Beziehung hat seine Gefühle geordnet. Er weiß jetzt, warum er für das blutjunge Mädel Gefühle zeigen kann. Jetzt blitzt er aber ab. Denn auf einmal ist er nur noch ein Kerl, der ihre Mutter hat sitzen lassen. Er muss sich ihren Respekt erst verdienen. Und über diesen Umstand kommen sich erneut Marion und Indy näher.
Mac hätte bei mir in der Lagerhallen-Szene den Opfertod erfahren. Kein dämliches "Bäumchen-Wechsel-Dich". Ein Grund eben, den Russen gehörig was in die Fresse zu hauen.
Oxley hätte den Part des Verräters übernommen. Aber erst zum Showdown des Films, wenn klar wird, dass ihm der Kristallschädel wichtiger ist, als das Leben eines Freundes. Das UFO wäre natürlich nie gestartet.
Das größte Problem des Films ist m. E., dass die bekannte Charaktere nur grob Umrissen wurde. Indys einzig neue Facette ist eine gewisse Schrulligkeit. Die Szene etwa in der College-Bibliothek. Ein Student stellt ihm eine fachspezifische Frage. Indy vergisst vollkommen seine Häscher und hält ihm einen Vortrag über praktische Archäologie. Oder die Szene im Treibsand. Ich mag diese Facette, zeigt sie doch, dass der Charakter eine Entwicklung getan hat. Leider ist es aber die einzige und bringt deshalb nicht genug Tiefgang.
Marion hingegen hat sich überhaupt nicht weiterentwickelt. Man setzt voraus, dass man sie bereits kennt und fertig. Worauf soll man noch eingehen? Sie hat in den letzten zwanzig Jahren nichts weiter gemacht, als zu heiraten und Indys Sohn zur Welt zu bringen.
Über Mac und Oxley brauchen wir uns gar nicht unterhalten. Einzig Mutt ist einigermaßen vernünftig in der Geschichte weggekommen.
Das größte Verbrechen jedoch ist, die Geschichte in den fünfziger Jahren spielen zu lassen. Eigentlich wäre das gegangen, hätte man sich nicht an den damals typischen B-Movie-Science-Fiction-Filmchen orientiert, das Äquivalent zum Raiders-Vorbild. Klar, dass da Aliens nicht fehlen durften. Auch klar, das die Charaktere dabei auf der Strecke bleibt. Guckt euch nur Metaluna IV antwortet nicht oder Invasion vom Mars an. Koepp muss sich wirklich an Lucas' Anweisung gehalten und diese Filmchen als Vorbild genommen haben. Und das ist so hirnrissig, weil kaum einer die Filme kennt, man also auch gar nicht weiß, wie sie damals funktionierten.
Deshalb nimmt CS von allen Indyfilmen den letzten Platz bei mir ein. In der heutigen Zeit aber, in der ich mit Superheldenfilmen zugeschüttet werde, in der normale Menschen dank CGI Dinge vollbringen können, die sogar die Kühlschrankszene um Längen toppt, ist er für einen normalen Abenteuerfilm noch relativ versöhnlich ausgefallen. Er wird bei mir sicherlich einen Platz im DVD-Regal bekommen. Dennoch harre ich der Dinge, die da kommen.
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