Kukulcan
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Betreff: Re: Die Lieblingsfilme der Indy-Fans
Zitat von Aldridge:Gibt es eigentlich einen eigenen A.I.-Thread? Könnte interessant werden, wenn wir demnächst alle unsere Retrospektive beendet haben. 
Zitat von Toth:Ach ja richtig, du hattest ja den LLL-Soundtrack bestellt, von dem ich bisher nur Gutes gehört habe. Was den Film angeht: müsste ich einen Lieblingsfilm von Spielberg nennen, "A.I." wäre bei mir auf Platz 1. Ein Film, der so kühn und philosophisch vielschichtig ist, wie "2001" und dabei doch so herzzerreißend und emotional ergreifend, wie "E.T." oder "Unheimliche Begegnung". Ein absoluter Glücksfall für das Kino, da hier zwei Filmgiganten einen Weg gefunden haben, ihre Talente auf die bestmögliche Weise zu verschmelzen. In keiner Sequenz wird dies, meiner Ansicht nach, so deutlich, wie in der 20-minütigen Schlusssequenz, in der die zuvor vorbereiteten Thematiken, ähnlich wie bei "2001", auf eine höhere philosophische Ebene gebracht werden.
Mir ist aber auch klar, das dies nicht einer dieser Filme ist, auf die sich eine große Masse von Kinogängern sofort einigen kann, wie etwa "Raiders" oder "Jaws". Das lässt schon seine inhaltliche Konzeption kaum zu, die wenig Satisfaktionselemente für das Publikum bietet und traditionelle narrative Muster zugunsten einer sprunghaften, für manche vielleicht irritierenden, Triptychonstruktur (eine bessere Analogie für die deutlich sichtbare Dreiteilung des Werkes will mir spontan jetzt nicht einfallen) verwirft.
Nun ja, mich hat der Film jedenfalls vom ersten Sehen an (zwei Tage nach 9/11, komplett mit WTC im Hintergrund) völlig begeistert und trotzdem gefällt mir der Film von Jahr zu Jahr besser! Glücklicher Smiley
Aus der Erinnerung geschrieben, VOR der Neusichtung: Ich hatte immer Probleme mit dem Setting und der Atmosphäre im Film. Das ist zwar alles nachvollziehbar erzählt, aber A.I. hat für mich keine reale Verankerung. Spielberg entwickelt da eine Atmosphäre, die so wirkt, als sei die gesamte Geschichte der Wirklichkeit entrückt. Das mag zwar auch seinen Sinn haben, immerhin ist das einerseits ein SF-Film und andererseits eine Variation eines Märchenthemas (Pinocchio). Dafür "schweben" der Film und sein Thema dann aber auch abstrakt über allem. Zum Thema Mensch-Maschine sind da greifbarere Geschichten vorhanden. Das Ganze wirkt tatsächlich sprunghaft und kaum "aus einem Guss".
Vieles im Film geht auch sicherlich darauf zurück, dass Kubrick gerne mit einer gewissen Symbolik in seinen Filmen gearbeitet hat. Das mag auf der rein filmischen Seite (nahezu) genial (oder verkopft - je nach Perspektive) sein, macht für mich aber - wie ich auch schon bei 2001 geschrieben habe - nicht automatisch einen guten Film mit einer gut erzählten Geschichte aus. Ist allerdings ein grundsätzliches Problem, das ich mit Kubrick habe. Spielberg hat danach mit Minority Report und Krieg der Welten zwei weitere SF-Themen behandelt, die in ihrer Umsetzung für das breite Publikum auch nicht ganz leicht zugänglich waren. Aber sie wirkten jeweils als Werk deutlich geschlossener.
Soweit, bis zur Neusichtung.
So ähnlich seh ich das auch. Das ist alles zu "akademisch", zu weit entfernt, um einen wirklich zu bewegen. Das ist mit 2001 dassselbe, ich liebe den Film, weil er einfach genial inszeniert ist (wenn man sich auf die Langsamkeit einlassen kann), aber das verkopfte Ende macht den Film nicht besser, es ist nicht emotional und ist halt das typische offenen Ende, das einem aus Mangel an besseren Möglichkeiten nur übrig bleibt. In dem Sinne "mutig", weil das eigentlich niemand sehen will. Spielberg ist da eher nicht mutig, weil er will irgendwie dann immer noch ne Klappe draufmachen, ein Ende draupfropfen, das aber eben nur zeigt, wie egal alles ist, was man vorher gesehen hat).
Ich kann übrigens weder aus diesm noch aus dem Ende von A.I. irgendwelche philosophischen Fragen ableiten, die die Filme nicht schon vorher gestellt haben.
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mal editiert, das letzte Mal am 29.07.2015, 09:39 von Kukulcan.
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