Faber
Gast
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Betreff: Re: Ich hab IHN gesehen
Danke für Euer aller Interesse! Ich wollte Euch nicht hinhalten, allein sollte der Bericht in angemessener Länge ausfallen, deswegen erst jetzt:
Also, Ende August, Anfang September 1997, Filmfestspiele Venedig, ich, 22 Jahre alt, war nach 1995 und 1996 das dritte Mal dort, endlich sollte Harrison Ford für „Air Force One“ kommen. Gewohnt habe ich stets im Foresteria Valdese, das ich an dieser Stelle wegen der äußerst guten Lage, der Sauberkeit und dem Palazzo selbst bei günstigem Preis empfehlen kann, sicher auch heute noch:
http://foresteriavenezia.it/
Man beachte die 33 Euro bzw. 28 Euro pro Nacht im Schlafsaal!
Die Filmfestspiele finden auf dem Lido statt, Filmvorführungen im Filmpalast, alle Interviews usw. im Hotel Excelsior die Hauptstraße runter. Natürlich stehen am Eingang auch des Excelsior Kontrolleure, die schauen, ob man eine accreditione hat (wenn man nicht im Hotel wohnt) vom Strand her kommt man allerdings mit hochgeschlagenem Polohemdkragen, Sonnenbrille und sicherem Auftreten (oder auch nur zweien davon) problemlos über die Terrassentreppe rein.
Die echten Stars wohnen selbstverständlich nicht im Festspielhotel Excelsior, sondern vorzüglich im ruhigen Hotel Cipriani auf Giudecca, das seine Gäste nur auf dem Bootsweg empfängt. Nachdem ich das dritte Jahr in Venedig war, wusste ich das, sowie, dass der Dienstboteneingang (ja, tatsächlich) über eine Gasse von der Venedig zugewandten Seite Giudeccas zum Hotel führt. Der Pförtner ließ mich rein, da ich ihm die Wahrheit sagte, dass ich Harrison Ford sehen wollte, und einigermaßen ordentlich angezogen war. Dann wartete ich am Vormittag der Festspielaufführungsabends von Air Force One in der Lobby, vielleicht eine Stunde lang, als auf einmal von der Terrassentür, die auch zur Anlegestelle führt, in einem kleinen Tross ER hereinkam: Harrison Ford! Ich bin gleich zu ihm hin, mit vor Aufregung pochendem Herzen und ausgestreckter Hand, meinen Spruch parat, der mich von den normalen Fans abheben sollte: „Mr Ford, I appreciate your work!“ Ford war wohl auch verduzt, erwiderte meinen Händedruck, ich sprach ihm meine Anerkennung seiner Arbeit aus, dann gaben schon zwei Männer aus dem Tross durch Handbewegungen zu erkennen, dass ich wieder Abstand nehmen solle. Da erblickte ich Wolfgang Petersen, drehte mich zu ihm hin, reichte auch ihm meine Hand, war noch im Englischen drin; „Mr Petersen, …“ – und Petersen entlarvte mich mit einem einzigen Satz als das, was ich war, ein Fan wie tausend andere: „I know, I know, you appreciate my work.“
Sie gingen kurz weg, setzten sich dann auf die Terrasse an einen Tisch und tranken, ich wartete in der Lobby und schaute ihnen verstohlen zu, später ging Ford hoch wohl in sein Zimmer, auf dem Rückweg erwischte ich ihn und fragte ihn: „May I take a picture of you?“, woraufhin er antwortete: „No. Thank you. I’m sorry.“ (oder „No. I’m sorry. Thank you.” - leider kann ich mich an die Reihenfolge nicht mehr genau erinnern, es waren aber genau die 3 Sätze.)
Abends vor der Filmpremiere hab ich aber an der Anlegestelle des Excelsior auf ihn gewartet, dort galt für mich das „No. Thank you.“ nicht mehr, und ich habe ihn mit meiner Kleinbildkamera regelrecht abgeschossen, wie ein schlechter Reporter einer noch schlechteren Lokalzeitung, als er, damals noch mit Melissa Matthison, aus dem Boot stieg. Da ist mir dann auch der Ohrring erstmals aufgefallen. Die Fotos sind - bei Dunkelheit und auf ein paar Meter Entfernung natürlich schlecht geworden, das beste hab ich ausschnittsvergößert aufgehängt, die anderen Abzüge mit den Negativen in einer Schachtel oder einem Umschlag aufbewahrt, gesondert, damit sie nicht unter all den anderen Fotos und Negativen verloren gehen, so dass ich vor ein paar Jahren hunderte Negative aus den Neunzigerjahren digitalisiert habe, der Venedigfilm aber nicht dabei war. Der Umschlag muss in einer Kiste im Keller meiner Eltern liegen, man stelle sich diesen ungefähr wie die Lagerhalle der Area 51 vor.
Vom Excelsior gingen Ford und seine Frau zur Air-Force-One-Vorstellung in den Filmpalast, er verließ den Palast noch vor Filmende wieder (was üblich ist), und ich konnte noch ein oder zwei schlechte Fotos durch eine Limousinentür hindurch schießen.
Das ist meine Harrison-Ford-Begegnung. Sie hätte noch zwei oder drei Fußnoten, die ich auch noch schreiben werde, diese haben aber nichts mit Harrison Ford zu tun. Die Abendfotos hab ich nicht mehr parat, im Cipriani habe ich Ford nicht fotografiert und wollte dort auch nicht unangenehm auffallen. Das einzige, was ich zur Zeit vorlegen kann ist ein altes Foto meines Wohnheimzimmers, in dem die Ausschnittsvergrößerung zu sehen ist: Ich hätte so ein schlechtes Bild von Ford sicher nicht aufgehängt, wenn ich es nicht selbst aufgenommen hätte. Auch sieht man, wessen Arbeit ich bis heute noch sehr hoch schätze (und die ich schließlich vor knapp drei Jahren an zwei Abenden in New York gesehen („All my sons“), wenn auch nicht berührt habe).
Miniaturansichten angehängter Bilder:
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mal editiert, das letzte Mal am 29.10.2011, 18:15 von Faber.
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