Dark Hunter
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Dabei seit: 05.08.2007
Wohnort: Im Wilden Osten.
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Betreff: Re: Club der Milliardäre
Zitat von Aldridge:Meine Güte, da spendet ein Haufen Milliardäre die Hälfte ihres Vermögens, sammelt die immense Summe von 150 Mrd. Dollar, und dann findet immer noch jemand ein Haar in der Suppe. DAS ist typisch deutsch. Genauso wie die Spekulationen in der "Welt", dass die Herren damit nur die Erbschafts- oder Vermögenssteuern umgehen wollten. Lächerlich!
Fakt ist doch, dass eine ganze Reihe an vermögenden Menschen nicht bei der Aktion mitmachen wollte. Diese werden zwar nicht namentlich genannt, ich finde es dennoch gut, dass die Initiatoren der Aktion davon erzählen. Wo sollen sie das sonst tun als in der Öffentlichkeit? Wenn dadurch noch ein paar Geldsäcke unter Druck gesetzt werden, umso besser. Beispiel Hollywood-Prominenz: Ein Spielberg oder Cameron oder Bruckheimer oder Eisner muss sich dann nämlich tatsächlich fragen lassen, warum er da nicht mitmacht.
Fakt ist auch, dass man nicht einfach die Hälfte seines im ganzen Leben geschaffenen Vermögens "wegschmeißt", um kurzzeitig Publicity zu bekommen. Die Berichterstattung über diese Sache wird nun eine punktuelle Sache sein, dann vergessen die Medien den Club der Milliardäre wieder, bis mit dem Geld vielleicht wirklich die ersten Projekte umgesetzt werden. Wenn es den Beteiligten nur auf Publicity ankäme, dann hätten sie sich einen Medienberater ins Haus geholt, der weitaus billiger gewesen wäre, oder hätten die Medien direkt zum Interview gebeten. Die kommen bei bekannten Namen wie Bill Gates oder George Lucas nämlich auch und räumen eine Zeitungsseite oder fünf Minuten Sendezeit frei, ohne dass solch eine Aktion dahinter steht.
Börsenlegende George Soros unterstützt seit Jahren - wohlgemerkt öffentlich - rund zwei Dutzend gemeinnützige Stiftungen und gilt seitdem als Wohltäter. Das wirft ihm auch keiner vor. Die Aktionen der Bertelsmann-Stiftung sind Liz Mohn auch nie vorgeworfen worden. Warum auch?
Um das mal konsequent weiterzudenken: Viele von uns verdienen mehr, als sie zum Leben brauchen. Wir raffen Uhrensammlungen zusammen, kaufen uns die x-te Lederjacke, stecken die Kohle ins Hobby Auto oder verprassen sie im Urlaub. Aber wären wir bereit, einen großen Teil unserer Vermögen (es muss ja nicht die Hälfte sein) für einen guten Zweck zu spenden (ohne Spendenquittung fürs Finanzamt)? 
Wäre übrigens schön, wenn mal jemand den Threadtitel anpassen könnte...
Und dennoch stellt sich mir dennoch die schlichte Frage, warum das Theater? Herr Gates hat seit mehr als 2 Jahrzehnten auch ohne einen namensträchtigen Club Abermilliarden in einer gemeinnützigen Stiftung extra unter Hoheit seiner Frau am Laufen, zusammen mit Mr. Buffet, was anscheinend weitaus weniger in der medialen Aufmerksamkeit stand. Die Aktion jetzt ist ein Publicitygag, nicht mehr. Er hat bereits vor 2 Jahren (muss wohl eine Menge hier nicht bemerkt haben, was?) im Kleinen angekündigt sein Vermögen weitgehend in diese Projekte zu stecken. Da Herr Gates Ruf in letzter Zeit allerdings auch stark litt und sein Unternehmen zunehmend auch gerade in den Staaten und Europa dank diverser Prozesse in Verruf geriet, ebenso wie Börsianer im Stile Buffets und Co. aus naheliegenden Gründen, fällt es nun einmal auf, dass sie jetzt für etwas Öffentlichkeit suchen, was noch vor nicht allzu ferner Zeit von ihnen schlicht ohne das ganze Drumherum getan wurde.
Das soll nicht heißen, dass es schlecht ist, sondern ist nur eine simple Feststellung und Beobachtung, wie leicht Beeinflussung funktioniert. Für mich von Beobachterseite schlicht interessant zu sehen, wie der Plebs da funktioniert. Wenn du meinst, dass reine Beobachtung und Situationsanalyse eine deutsche Unart ist, sei dir das belassen. Für mich ist es nur belustigend Aktion und Reaktion bei menschlichem Gruppenverhalten zu betrachten und dieses Schauspiel ist da eine Glanzleistung, wie es sie in der Menschheitsgeschichte immer wieder gab.
Und wie auch gesagt, bezweifel ich, dass sich jemand, der bislang keine Ambition für öffentliche Aktionen hatte, wirklich unter Druck setzen lässt. So etwas funktioniert nur, wenn jemand es nötig hätte sich in irgendeiner Form oder vor einem bestimmten Publikum zu profilieren. Cameron, Spielberg und Co. betreiben vielleicht schon länger Projekte und helfen mit ihrem Vermögen, nur taten sie es bislang ebenso wenig medial, wie es bisher auch Herr Gates und Buffet taten.
Was unsere Bereitschaft angeht, kommt es wohl darauf an. Schlicht nämlich darauf, wie viele Möglichkeiten man hat. Selbst wenn Herr Gates und Buffet die Hälfte ihres Vermögens abgeben (und ob sie wirklich auf die steuerlichen Vorteile verzichten, bleibt zu beweisen, da Spenden in den Staaten steuerlich absetzbar ist), haben sie mehr, als sie in 10 Leben verbrauchen könnten. Wenn ich die Hälfte meines derzeitigen Vermögens spende, bleibt mir weniger, um damit auch nur ein Jahr zu überleben. Der Vergleich hinkt also. Dennoch spenden viele Deutsche eine ganze Menge jedes Jahr und sicher auch einige von uns, eben nach ihren finanziellen Möglichkeiten, für diverseste Gute Dinge. Verdienst du wirklich mehr, bzw. hast derzeit ein höheres Vermögen, als du für dein gesamtes restliches Leben brauchst? Dann Glückwunsch. Ich wette 99 % der hiesigen Forenmitglieder nicht.

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mal editiert, das letzte Mal am 09.08.2010, 17:38 von Dark Hunter.
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