| Fabilousfab | 28.04.2024, 18:40 | ||||
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründeChinesische Statue im Club Obi WanIm Film
Realität Water-Moon Guanyin Bodhisattva
Die sitzenden Guanyin-Bodhisattvas aus der Tang-Dynastie, auch bekannt als Wasser-Mond-Guanyin-Bodhisattvas. Die Bodhisattva erscheint feierlich und rein. Sie trägt eine Krone, einen fließenden Schal und einen langen Rock. Ihr rechter Fuß steht auf natürliche Weise auf dem Boden, ihr linkes Knie ist gebeugt, ihr linker Arm liegt auf ihrem linken Knie und ihre rechte Hand ruht auf ihrem Sitz. Die Bodhisattva sieht aus, als würde sie sich nur für einen Moment hinsetzen und bereit sein, aufzustehen, um Lebewesen beim ersten Anzeichen ihrer Not zu retten. Im Mahayana-Buddhismus werden Bodhisattvas als nach höchster Erkenntnis strebende Wesen bezeichnet, die auf dem Wege der „Tugendvollkommenheit“ (Sanskrit paramita) die „Buddhaschaft“ anstreben bzw. in sich selbst realisieren, um sie zum Heil aller lebenden Wesen einzusetzen. (Kuan-yin) ist im ostasiatischen Mahayana-Buddhismus ein weiblicher Bodhisattva des Mitgefühls, wird aber im Volksglauben auch als Göttin verehrt, wobei sie ursprünglich der männliche Bodhisattva Avalokiteshvara war. Guānyīn ist die chinesische Variante des Bodhisattva Avalokiteshvara. In Japan ist sie unter dem Namen Kannon, in Vietnam als Quan Âm oder Quan Thế Âm Bồ Tát bekannt; in Korea als Kwan Seum Bosal. Ein weiterer, älterer Name für sie ist Guānzìzài (jap.). Als eine der am meisten verehrten Figuren des ostasiatischen Buddhismus findet sie sich zahlreich in Ikonographie, Texten und praktizierter Religion. Sie wurde auch für ihre Fähigkeit verehrt, Katastrophen und Krankheiten vorzubeugen und Reisende zu schützen. Quellen:Wikipedia, priceton.edu, |
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| Fabilousfab | 08.05.2024, 17:07 | ||||
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründeDie Nazca LinienIm Film Im Film zeigt Indy die Linien in einem Buch (rechtes Bild: Screenused Prop in der Ausstellung Indiana Jones and the Adventure of Archaeology)
Realität
Die Nazca-Linien, oft auch Nasca-Linien geschrieben, sind über 1500 riesige, nur aus der Luft und von umliegenden Hügeln aus sicht- und erkennbare Scharrbilder (Geoglyphen) in der Wüste bei Nazca und Palpa in Peru. Benannt sind die Linien, die Wüste und die Kultur nach der unweit der Ebene liegenden Stadt Nazca. Als Urheber der Linien gelten die Paracas-Kultur und die Nazca-Kultur. Die Nazca-Ebene zeigt auf einer Fläche von 500 km² schnurgerade, bis zu 20 km lange Linien, Dreiecke und trapezförmige Flächen sowie Figuren mit einer Größe von etwa zehn bis mehreren hundert Metern, z. B. Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Walen. Oft sind die figurbildenden Linien nur wenige Zentimeter tief. Durch die enorme Größe sind sie nur aus großer Entfernung zu erkennen, von den Hügeln in der Umgebung oder aus Flugzeugen. Herkunft der Nazca-Linien: Kalender, Unheilabwendung oder UFOs? Die 70 Nazca-Zeichnungen sind vermutlich vom präkolumbianischen Völkern zur Götterverehrung geschaffen worden. In ihrer Komplexität reichen die Scharrbilder von einfachen Linien bis hin zu stilisierten Figuren wie einem Kolibri (66 Meter), einer Spinne oder einem Affen (135 Meter). Das größte Bild zeigt einen Pelikan mit einer Länge von circa 285 m. Beim Kilometerstein 420 sind von einer Aussichtsplattform her ein Baum sowie zwei menschliche Hände mit nur vier Fingern zu sehen. Vor mehr als 2.000 Jahren, ab 400 v. Ch., sollen die kilometerlangen geometrischen Formen und mythischen Gebilde in die Erde gescharrt worden sein. 1927 entdeckten Piloten bei einem Flug über die Wüste, was ihnen wie verschlüsselte Botschaften vorkam. Innerhalb kürzester Zeit wurden sie durch die Medien auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Eine systematische Erkundung und Vermessung zusammen mit archäologischen Grabungen zwischen 2004 und 2009 im Umfeld und zum Teil in den Linien konnte ihre Entstehung und ihren Zweck mit hoher Wahrscheinlichkeit klären: Es handelt sich demnach um Gestaltungen im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualen, die zwischen 800 v. Chr. und 600 n. Chr. angelegt und durch periodische Klimaschwankungen veranlasst wurden. Zur Herkunft und Funktion der Nazca- oder Nasca-Linien gibt es bis heute aber die verschiedensten Theorien. Die ursprünglich aus Dresden stammende deutsche Mathematikerin Maria Reiche sprach in ihren Abhandlungen von einem gigantischen astronomischen Kalender. In den Erzählungen der Peruaner handelt es sich jedoch eher um Zeichnungen zeremoniellen Ursprungs, damit Durst und Dürre vom Volk der Nazca ferngehalten wurden. Des Weiteren hält sich die Hypothese des Schweizers Erich von Däniken, dass die Scharrbilder in Verbindung mit Außerirdischen und UFOs stehen sollen. Deutungen und Theorien Die ‘Nazca Geoglyphen These’ von Maria Reiche Die ersten Hinweise auf die Zeichnungen kamen im Jahr 1547 vom spanischen Historiker Cieza de Leon der erzählte das er in der Wüste Zeichen gesehen hätte. Knapp 400 Jahre später, im Jahr 1929, kam der Archäologe Julio Cesar Tello und beschrieb die Zeichen als „heilige Straßen“. Im gleichen Jahr kam der Amerikaner Paul Kosok und interpretierte die Abbildungen als ein „astronomisches Buch“. Zehn Jahre nach der ersten Sichtung entdeckt die aus heutiger Sicht Pionierin der Nazca-Wissenschaft, Maria Reiche, die Nazca Linien als Forschungsgebiet. Reiche glaubt daran, dass der Schlüssel zum Verständnis der Nazca Linien im Himmel liegt. Sie macht sich selbstständig daran, das Geheimnis der sogenannten „Geoglyphen“ ausfindig machen – in der Überzeugung „…wenn es gelingt, alle Maße in Zeitangaben zu übersetzen, können wir in der Pampa lesen wie in einem riesigen Geschichtsbuch.“ Über 40 Jahre lang legt Reiche die geometrischen Darstellungen frei, fotografiert und vermisst sie Meter für Meter – zunächst ohne ein Team, allein mit Maßband und Sextanten (heute werden die Nazca Linien mit hochauflösenden Luftaufnahmen, GPS und Laserscans erfasst). Um nicht täglich aus Lima anreisen zu müssen, zieht sie sogar in eine Hütte ohne Wasser- oder Stromversorgung direkt am Wüstenrand. Die Erforschung des Nazca-Plateau wird zu ihrer Lebensaufgabe. Mit 52 Jahren lässt Reiche sich auf Hubschrauberkufen festbinden, um mit einer Plattenkamera endlich direkte Großaufnahmen von den Geoglyphen machen zu können. Die Bilder machen Reiche berühmt. Noch später wird sie von der Luftbildstelle der peruanischen Luftwaffe (SAN) mit Überflügen unterstützt. In ihrer Theorie der Nazca Linien, nach vielen Jahren des Forschens, kommt sie zu dem Schluss, dass die Linien der abstrakten Zeichen frühe Peilinstrumente der Nazca waren, während die gegenständlichen Darstellungen eher rituellen Charakter gehabt haben könnten. Daher auch der Begriff „Geoglyphen„: Erdzeichen zur Bestimmung der Sonnenposition, um so den günstigsten Zeitpunkt für Aussaat und Ernte festzulegen. Mit dieser Erklärung betritt die Wissenschaftlerin ein für sie eigentlich fremdes Terrain, die Astronomie – bleibt dabei aber auf rein wissenschaftlichem Boden. Nach 20 Jahren des Ringens um akademische Anerkennung wird ihr diese zum Ende ihres Lebens zuteil: Auf ihre kontinuierliche Anregung hin werden die Nazca-Linien im Jahr 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Sie gelten heute als achtes Weltwunder. In Peru ist Maria Reiche bis heute eine Heldin; ihr Geburtstag ist offizieller Nationalfeiertag. Die Nazca-Linien aus Sicht von Erich von Däniken Im Jahr 1968 erscheint ein neuer Erforscher des Phänomens der Nazca Linien auf der Bildfläche. Erich von Däniken behauptet, dass das Nazca-Plateau eine riesige Landebahn für außerirdische Raumschiffe sei. Er schuf mit dieser These einen der Bausteine der von ihm vertretenen ‚Prä-Astronautik‘, der zufolge außerirdische Lebewesen durch die Jahrhunderte immer wieder die Erde besucht und die menschliche Evolution essenziell beeinflusst hätten. In den Mythen der Urvölker wären diese Besucher aus dem All zu Göttern stilisiert worden. Däniken deutet in den Jahrzehnten nach seiner Theorie zu den Nazca Linien auch noch andere Bauwerke und Relikte alter Kulturen wie Stonehenge oder die Pyramiden von Gizeh in diesem Zusammenhang um. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies natürlich purer Unsinn – warum sollte eine derart weit entwickelte Technologie mit Hilfe von Erdzeichen mitten in der Nazca Wüste landen müssen? Belegen konnte Däniken seine These bis heute nicht, wobei ihm selbst allerdings klassische akademische Beweisführungen auch nicht sonderlich interessieren. Neuste Erkenntnisse über die Nazca-Linien Seit 1997 nehmen Wissenschaftler des deutschen archäologischen Instituts die Nazca Linien unter Leitung des Archäologen Dr. Markus Reindel gezielt unter die Lupe. Dr. Reindel und sein Team sind davon überzeugt, vor allem in den Siedlungsgebieten rund um die Nazca-Linien Schlüssel zu deren Geschichte zu finden. Reindel ist sich sicher, dass die damaligen Akteure der Nazca-Zeit helfen können, das Geheimnis zu lüften. Lässt sich herausfinden, wie die Bevölkerung lebte und welche Traditionen sie pflegte, könnte dies auch den Zweck der Nazca Geoglyphen aufdecken. Reindel begann, die früheren Lebensbedingungen zu erforschen und die Nazca Kultur näher zu beleuchten. Glücklicherweise existieren recht intakte Mumien der damaligen Siedler, welche rund um die Nazca – Linien lebten. Reindel konnte etwa anhand von Lebensmittelspuren in den Verdauungstrakten erkennen, dass es eine soziale Hierarchie unter den Bewohnern herrschte. So aßen etwa manche Bewohner mehr Fleisch, andere mehr Meeresfrüchte. Es handelte sich also nicht um eine egalitäre, gleichgestellte Gemeinschaft, sondern eine scheinbar nach sozialen Klassen strukturierte. Diese Existenz von Hierarchien, die auch eine Oberschicht beinhalten mussten, spricht für eine schon lange diskutierte Theorie. Ihr zu Folge erteilten Stammesführer einzelner Clans ‚Arbeiterklassen‘ den Auftrag, Linien und Figuren in den Boden zu scharren. Je größer und imposanter die Linien einer Darstellung waren, um so mächtiger und reicher erschienen die dazugehörigen Clans. Jeder Clan scharrte ließ zudem ein für ihn typisches Motiv im Wüstensand verewigen, ähnlich einem Familienwappen. Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass die Geburtsstunde der Nazca weitere Antworten liefern wird. Auf der Suche nach Informationen über die damaligen Einwohner untersuchten sie Haarproben aus gut erhaltenen Mumien, die im Museum der Stadt Ica erhalten werden. Im Haar sind chemische Substanzen von frühester Jugend bis zum Zeitpunkt des Todes gespeichert. Mittels der Haaranalyse kann etwa herausgefunden werden, welche Nahrung der Tote zu sich genommen hat – selbst nach 2500 Jahren. Mithilfe von geoelektrischer Tomographie suchen Spezialisten außerdem nach Siedlungsresten aus der damaligen Zeit. Diese Technologie macht einen direkten Blick in die Erde möglich. Auf diese Weise können ganze Siedlungen unterhalb der Bodenoberfläche entdeckt werden. Bei den nachfolgenden Untersuchungen stießen Wissenschaftler auf Grubenhäuser und Skelette, vergraben im Boden des Gebäudes. Die weitere Analyse des Fundes ergab, das die Nazca Kultur bereits 4000 vor Christus ihren Ursprung hatte. Zu dieser Zeit hatten die Nazca noch keine Zeichnungen in der Pampa angelegt. Die Tier- und Menschenmotive der späteren Nazca Linien gab es aber durchaus schon – Archäologen fanden sie in Felsen eingeritzt. Sie datieren diese Felsenfresken auf den Beginn der Nazca-Zeit zurück. Wissenschaftler glauben inzwischen, dass diese Abbildungen persönliche Nachrichten an die Götter darstellten. Später wurden die Bilder dann in den Ebenen der Wüstenregion in den Wüstenlack übertragen Der Klimawandel als Schlüssel der Nazca Linien? Aber auch noch ganze andere, viel praktischere Interpretationen der Nazca Linien sind anhand der spezifischen Ausprägung der Nazca Kultur möglich. Unter anderem geben zahllose gefundene Schädel von Lamas, einem indigenen Volk der Pre-Inka-Zeit und unterschiedlichste Gegenstände wie seltene Muscheln Aufschluss darüber, dass zur Blütezeit der Nazca-Kultur der Handel zwischen Küstenregion und Hochland boomte. Vor allem durch ihre Kenntnis künstlicher Bewässerungssysteme bauten die Nazca ein richtig gehendes Handelsnetz auf. Aufgrund dessen rätselten einige Wissenschaftler auch darüber, ob die Nazca-Linien nicht eine Karte unterirdischer Bewässerungsanlagen darstellten. Apropos Schädel: Einige der gefundenen Knochenköpfe wurden eindeutig künstlich in die Länge gezogen. Allen Vermutungen nach wurden schon beinah Neugeborenen Schienen am Kopf befestigt. Dadurch bildete sich der Kopf dann im Laufe des Lebens immer weiter nach oben; das Gehirn passte sich der neuen Form an. Durch diese Maßnahmen wollten die Indios ihren Göttern näher sein. Deshalb galt die Deformation des Schädels auch als Schönheitsideal. Diese Bereitschaft, die Nähe zu ihren Gottheiten durch enorme, körperliche Belastung zu demonstrieren, könnte sich auch in den Nazca Linien widerspiegeln. Vielleicht wollten die Nazca mit den Wüstenbildern und der mit ihrer Herstellung verbundenen, schweren Arbeit das Himmelsvolk gnädig stimmen, den ewigen Kreislauf der Natur zu bewahren. Die im Wüstenlack verewigten Kreaturen reflektieren Zeichnungen auf Gebrauchsgegenständen und Stoffen, welche wohl Wettergottheiten darstellen, auch wenn dies noch nicht genau belegbar ist. Waren die Nazca Linien Zeuge einer Katastrophe? 2008 kamen Geographen auf die Idee, dass die Wüste rund um die Nazca Linien unter Umständen nicht immer so unwirtlich war, wie sie heute erscheint. Sie untersuchen die Region bis zu den Anden genauer und finden Unglaubliches – eine Muschel. Dieser Fund und hernach entnommene Bodenproben lassen keinen Zweifel mehr daran, dass die heutige Wüste etwa um 11.000 und 2.000 vor Christus fruchtbarer Boden war. Der um 2.000 vor Christus eintretende, plötzliche Klimawandel führte zu einer kontinuierlichen Ausdehnung der Wüste. Die nun immer knapper werdenden Ressourcen resultierten nicht selten in Streitigkeiten zwischen den Wüstenbewohnern. Die Indios baten die Götter deshalb mit zunehmender Dringlichkeit um Nachsicht und natürlich um Regen. Als die Götter nicht mehr antworteten, weil der Regen als ihr Zeichen der Gunst immer länger ausblieb, wurden die Inka gezwungen, ihrer Heimat den Rücken zu kehren und hinterließen nur gigantische Bildnisse. Quellen: Wikipedia.de/Peru.de/peru-spezialisten.com |
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| Copilot | 08.05.2024, 17:48 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Wieder ein sehr informativer Artikel - vielen Dank dafür! |
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| FloW | 08.05.2024, 19:09 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Fab ist unser Proplexikon auf 2 Beinen! 🤠💪🏼 |
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| Fabilousfab | 09.05.2024, 13:35 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründeDie normannischen EroberungenIm Film ![]() Ein Poster im Klassenzimmer von Dr. Jones zeigt die Route der Eorberungen der Normannen. Realität ![]() Normannische Gebiete im 12. Jahrhundert Normannische Eroberung Englands Die Normandie ist eine Landschaft in Nordwestfrankreich, die in den 155 Jahren vor 1066 in großem Umfang durch Wikinger besiedelt worden war. Im Jahr 911 hatte der westfränkische König Karl der Einfältige einer Gruppe unter ihrem Anführer Jarl Rollo erlaubt, sich in Nordfrankreich in der Absicht niederzulassen, die Verwüstungen des Landesinneren zu beenden und die Küste vor weiteren Überfällen zu schützen. Der Gedanke erwies sich als richtig, aus den Wikingern der Region wurden die Normannen (Nordmänner), aus dem Landstrich die Normandie. Die Normannen übernahmen die Kultur der einheimischen Bevölkerung und ließen sich taufen; sie heirateten in die Bevölkerung ein und übernahmen die Langues d’oïl des Landes, die sie mit altnordischen Elementen mischten, wodurch die normannische Sprache entstand. Das ihnen überlassene Gebiet erweiterten sie nach Westen durch Annexion des Bessin, des Cotentin und der Kanalinseln. In England hingegen nahmen die Wikingerüberfälle in dieser Zeit zu. Im Jahr 991 willigte der angelsächsische König Aethelred II. in die Ehe mit Emma ein, der Tochter des Herzogs Richard I., um mittels dynastischer Verbindungen Unterstützung im Kampf gegen die Eindringlinge zu erhalten. Die Angriffe der Wikinger wurden jedoch so stark, dass Aethelred 1013 in die Normandie fliehen musste, wo die angelsächsischen Könige dann die nächsten 30 Jahre verbrachten. Als Aethelreds und Emmas Sohn, der angelsächsische König Eduard der Bekenner, am 5. Januar 1066 kinderlos starb und somit kein direkter Thronerbe vorhanden war, entstand ein Machtvakuum. Wie der Normanne Wilhelm der Eroberer zum König von England wird Der schwierige Start als Herzog der Normandie Wilhelm entsteht aus einer unehelichen Beziehung zwischen dem Herzog Robert I. und der jungen Bauerstochter Arlette. Man sagt, dass Robert I. Arlette auf dem Rückweg von einem Jagdausflug am Fuße der Burg von Falaise Wäsche waschen sieht und sich in sie verliebt. Sie wird seine Geliebte und bringt kurz danach Wilhelm zur Welt. 1035 stirbt Robert I. Obwohl Wilhelm minderjährig ist, erhält er den Titel des Herzogs der Normandie – zum Leidwesen einiger normannischer Barone. Als Wilhelm 1046 volljährig ist, wird er beinahe Opfer eines Mordanschlages, der von ebendiesen Baronen ausgeht. Er muss mitten in der Nacht aus Valognes fliehen, über die Veys-Bucht und bis nach Falaise, wo er Schutz findet. Der Reitwanderweg „La Chevauchée de Guillaume“ ist heute nach diesem Ereignis benannt. 1047 besiegt der junge Wilhelm in der Schlacht von Val-ès-Dune die aufständischen Barone und stärkt so seine Autorität gegenüber dem normannischen Adel. Die Schlacht von Hastings 1066 In Caen lässt Wilhelm ein mächtiges Schloss und zwei Abteien errichten, die Abtei der Männer und die Abtei der Frauen. Caen wird zu seiner Hauptstadt, von hier aus kann er die Barone des Westens der Normandie im Auge behalten. Die beiden Abteien errichtet er übrigens, um den Papst milde zu stimmen. Dieser hatte seiner Heirat mit seiner Cousine Mathilde von Flandern nicht zugestimmt. 1066 ist das wichtigste Jahr für Wilhelms Karriere. Laut normannischen Chroniken hat der sterbende König Eduard von England Wilhelm seine Krone versprochen. Der angelsächsische Adelige Harald II. jedoch beansprucht die Krone ebenfalls und krönt sich zum König von England. Das lässt sich Wilhelm nicht bieten: mit ca. 7.000 Soldaten und Pferden setzt er auf Schiffen nach England über und besiegt Harald in der Schlacht von Hastings am 14. Oktober 1066. Am 25. Dezember 1066 lässt er sich in der Abtei von Westminster zum König von England krönen. Diese außergewöhnliche Geschichte wird bereits kurz nach der Schlacht von Bayeux aus dem 11. Jahrhundert festgehalten. Die normannische Eroberung Englands im Jahr 1066 begann mit der Invasion des Königreichs England durch Herzog Wilhelm II. der Normandie, die nach der Schlacht bei Hastings zur normannischen Herrschaft über England führte. Herzog Wilhelm II. wurde dadurch mit dem Königstitel Wilhelm I. zum Herrscher des Königreichs England. Er bekam den Beinamen William the Conqueror (deutsch Wilhelm der Eroberer). ![]() Normannische Eroberung Süditaliens Die normannische Eroberung von Süditalien fand über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten im 11. Jahrhundert statt. Normannische Söldner dienten im Mezzogiorno verschiedenen langobardischen und byzantinischen Parteien. Mit der Zeit begannen die Normannen, eigene Besitztümer und Vorformen von Kleinstaaten zu errichten. Diese schlossen sich zusammen, was die Normannen mit der Zeit zu einem de facto unabhängigen Machtfaktor in der Region machte. Dies geschah bereits rund fünfzig Jahre nach ihrer Ankunft um 1017. Ihre ausgedehnten Eroberungen schlossen das Königreich Sizilien, den gesamten Süden der italienischen Halbinsel (mit Ausnahme von Benevento, das sie nur zweimal kurz besetzten) und Malta ein. Im Gegensatz zur normannischen Eroberung Englands, die nur einige Jahre in Anspruch nahm und mit einer Entscheidungsschlacht begann, war die Eroberung Süditaliens ein langer Prozess mit vielen kleinen Schlachten. Viele kleine normannische Parteien eroberten auf sich allein gestellt kleine Territorien, die sich mit der Zeit zu Staaten zusammenschlossen. Im Vergleich zur Eroberung Englands war der Ablauf ungeplant und unorganisiert, aber trotzdem andauernd. Ankunft der Normannen Erstmals in der Gegend erwähnt wurden normannische Ritter im Jahre 999. Es waren normannische Pilger, die von ihrer Pilgerfahrt aus Jerusalem zurückkehrten und einen Zwischenhalt in Salerno einlegten. Die Stadt und deren Umgebung wurde zu dieser Zeit von Überfällen der Sarazenen aus Nordafrika heimgesucht, die den jährlichen Tribut forderten. Die Normannen wurden von Fürst Waimar III. von Salerno freundlich empfangen, da sich dieser von ihnen Hilfe gegen die Sarazenen versprach. Während Waimar versuchte, den geforderten Tribut einzutreiben, waren die Normannen der Überlieferung zufolge über den Mangel an Mut der Langobarden erschrocken. Sie nahmen die Sache in die Hand, griffen die Sarazenen an und vertrieben diese aus der Gegend. Waimar bat die Normannen zu bleiben, was diese jedoch ablehnten. Sie versprachen dem Fürsten jedoch, in der Normandie für ihn Söldner anzuwerben. Einige Quellen sprechen auch davon, dass Waimar Werber in die Normandie sandte. Die nächste Erwähnung der Normannen betrifft das Jahr 1016. Normannische Pilger reisten zum Schrein des Erzengels Michael auf dem Gargano, trafen dort auf den langobardischen Adligen Melus von Bari und wurden von ihm überzeugt, einen Angriff auf die Byzantiner in Apulien zu führen, wenn man dem Bericht des Wilhelm von Apulien trauen darf. Die erste nachgewiesene normannische militärische Aktion in Süditalien war der Kampf mit Melus gegen die Griechen im Mai 1017. Eroberung Siziliens 1061 bis 1091 ![]() Sizilien, das zum größten Teil von einer griechischsprachigen Bevölkerung bewohnt wurde, war unter arabischer Kontrolle. Zuerst wurde es von den Aghlabiden und später von den Fatimiden beherrscht. Zwischen 948 und 1053 waren die Kalbiten die Herrscher der Insel. In den 1010er und 1020er Jahren kam es zu mehreren Erbfolgekrisen, und die Ziriden aus Ifrīqiya wurden zur bestimmenden Macht. Es kam zu ständigen kleineren Auseinandersetzungen, und die Insel zerfiel in verschiedene sich bekämpfende Lehen. Genau zu dieser Zeit erschienen nun die Normannen Robert Guiscard und sein jüngerer Bruder Roger mit der Absicht, die Insel zu erobern. Der Papst hatte Robert dazu angehalten, Sizilien von den Sarazenen zu befreien und verlieh ihm den Titel eines Herzogs von Sizilien. 1072 wurde Palermo erobert und Sizilien wurde zur Grafschaft. 1085 unternahm Roger eine erneute Offensive gegen die beiden letzten Widerstand leistenden Städte Syrakus und Noto. Im März 1086 ergab sich Syrakus und im Februar 1091 Noto. Mit dem Fall der beiden Städte war die Eroberung Siziliens abgeschlossen. 1091 landeten die Normannen auf Malta und erschienen vor den Stadtmauern von Medina. 1127 enthob man den moslemischen Gouverneur seines Postens. 1130 wurde das Königreich Sizilien ausgerufen. Eroberung Neapels 1077 bis 1139 Das Herzogtum Neapel war einer der letzten Staaten, der unter Beschuss der Normannen geriet. Die Eingliederung Neapels, die 1077 begonnen hatte, in den Hauteville-Staat dauerte sechzig Jahre. Im Jahr 1137 fiel das Herzogtum nach zähem Widerstand in die Hand der Normannen. 1139 fügte Roger II. das Fürstentum seinen Besitzungen hinzu. Von diesem Zeitpunkt an war Neapel Bestandteil des normannischen Königreichs Sizilien und seiner Nachfolgestaaten. Kultur Im 11. Jahrhundert kam es in der Normandie zu wichtigen Entwicklungen der europäischen Musikgeschichte. Die Abteien Fécamp und Saint-Évroult waren Zentren von Musikproduktion und musikalischer Bildung. Bei Fécamp wurde unter den italienischen Äbten Wilhelm von Dijon und Johannes von Fécamp ein System der Notendarstellung durch Buchstaben entwickelt und gelehrt. Unter dem deutschen Abt Isembard wurde La Trinité-du-Mont zu einem Zentrum der Musikkomposition. Bei Saint-Évroult entwickelte sich die Tradition des Singens, und der Chor der Abtei wurde in der Normandie berühmt. Unter dem normannischen Abt Robert de Grantmesnil flohen mehrere Äbte von Saint-Évroult nach Süditalien. Dort wurden sie von Robert Guiscard unterstützt und gründeten ein lateinisches Kloster bei Sant’Eufemia. Dort setzten sie die Tradition des Singens fort. Die normannische Architektur etablierte sich in den von ihnen eroberten Gebieten. In England und Italien verbreiteten sie einen einzigartigen Stil mit ihren typischen nordfranzösischen Burgen. In Italien integrierten die Normannen Elemente aus der islamischen, der lombardischen und der byzantinischen Architektur. ![]() Normannen Dom in Palermo (Foto von Gerd Bruhnwald) Quellen: normandie-tourisme.fr/wissenschaft.de/wikipedia.de |
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| Gerd Brunwald | 09.05.2024, 16:13 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Wieder ein sehr interessanter Bericht. Vielen Dank. |
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| FloW | 09.05.2024, 18:10 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Super recherchiert! Immer wieder ein Genuss deine Artikel zu lesen! Danke Fabian! |
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| Fabilousfab | 09.05.2024, 19:16 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Danke euch. Bissl was für die grauen Zellen |
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| Gerd Brunwald | 10.05.2024, 09:22 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Das ist ja so dargestellt als wäre es von Indy als Lehrstoff durchgenommen worden. Wenn man das liest muss man sich also nur vorstellen man ist im Unterricht bei Dr.Jones und er hält den Vortrag. Das gibt dem ganzen für Indyfans nochmal einen besonderen Kick ![]() Positives Kopfkino schadet nie |
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| Fabilousfab | 10.05.2024, 10:09 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Wenns hilft 😂😂 |
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| Fabilousfab | 24.05.2024, 10:23 | ||||||||||||
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründePräkolumbianische Codes und ZeichenIm Film
Im Film zeigt Dr. Jones Mutt zwei Buchseiten mit Schriftzeichen und Bildern, um einen Brief von Ox zu dechiffrieren und damit das Grab Orelanas zu finden. Realität Präkolumbianische Codes und Schriftzeichen ![]() Die präkolumbische Zeit, die weit vor die Ankunft des Kolumbus und der europäischen Entdeckungsfahrer in 1492 bis in die graue Vorzeit Amerikas zurückreicht, ist eine der bedeutendsten, faszinierendsten und auch geheimnisvollsten Ären der Weltgeschichte. Die einheimischen Hochkulturen des heutigen Zentral-und Südamerikas, insbesondere die Mayas, hatten eine eigene Schriftkultur entwickelt, die sich von der europäischen ihrer Eroberer stark unterschied: Ihre Handschriften waren oft viele Meter lang, nach dem Leporelloprinzip gefaltet und mit rätselhaften Schriftzeichen versehen. Jedoch wurde der Großteil der Schriftzeugnisse der Azteken, Mayas, Inkas und anderer Völker von allzu beflissenen Geistlichen, die eine völlige Ausrottung des einheimischen Heidentums verfolgten, in die Flammen der Spanischen Inquisition geworfen. Die wenigen erhaltenen Exemplare dieser wertvollen Bilderhandschriften zählen heute zu den seltensten und begehrtesten historischen Kunstobjekten der Welt. Sie bewahren auf einmalige Weise das Wissen um die Geschichte, Religion, Kultur und das Brauchtum der präkolumbischen Hochkulturen Amerikas. Beinahe Vernichtung ![]() Der 12. Juli des Jahres 1561 war der Tag, an dem das kulturelle Gedächtnis eines Volkes verglühen sollte. Diego de Landa, der von den spanischen Eroberern eingesetzte Bischof und Inquisitor der Halbinsel Yukatan die heute zu Mexiko, Guatemala und Belize gehört), ließ auf dem Platz vor dem Konvent des Franziskaner-Mönchsordens in dem Dorf Maní einen riesigen Scheiterhaufen aufschichten, der von Kreuzen eingerahmt wurde. Dort wurden keine Menschen verbrannt – darauf war die Inquisition nicht annähernd so erpicht wie ihre schwarze Legende behauptet. Aber alle Götterbilder der Maya-Religion und sonstige religiöse Objekte wurden den Flammen übergeben. Zu den Zuschauern gehörten auch Maya-Adelige. Die die dem alten Glauben nicht abschwören wollten, bekamen als Strafe 200 Peitschenhiebe. Unter den von Landa verbrannten Kultgegenständen waren auch Bücher, denn die Maya hatten als einziges Volk des präkolumbischen Amerikas eine hoch entwickelte Schriftkultur. Ihre Manuskripte schrieben sie auf Papier, das aus den Rindenfasern des Feigenbaums Ficus cotinifolia gewonnen und mit einer feinen Kalkschicht geweißt wurde. Die viele Meter langen Handschriften wurden nach dem Ziehharmonikaprinzip gefaltet und hatten Einbände aus Holz oder Jaguarfell. Bedeutung geriet in Vergessenheit Der Plan des Inquisitors Landa ging auf. Durch die Bücherverbrennung und die anderen Zwangsmaßnahmen wurde die Kenntnis der Maya-Schrift weitgehend ausgelöscht. Zwar wurden Hieroglyphen noch vereinzelt in von Maya angefertigten Texten der spanischen Kolonialzeit gebraucht, etwa in den sogenannten „Büchern des Jaguarpriesters“, einer Sammlung handschriftlicher Untergrundliteratur in meist lateinischer Schrift und auf europäischem Papier. Doch dann geriet die Bedeutung der über 1000 Jahre lang gut dokumentierten Schriftzeichen komplett in Vergessenheit. Wiederentdeckung und Aufarbeitung Wenn die Maya heute wissen wollen, wie ihre Vorfahren einmal geschrieben und gesprochen haben, dann fragen sie in Bonn. Ausgerechnet die Universitätsstadt am Rhein, weit entfernt von den Yukatans, ist ein Zentrum der Altamerikanistik und speziell der Maya-Forschung. Bis Ende des 20. Jahrhunderts dachte man, dass die Maya-Schrift von den Olmeken oder von der Isthmus-Schrift abstamme, jedoch haben kürzliche Entdeckungen das Datum der Maya-Schrift um mehrere Jahrhunderte vordatiert. Seit spätestens 2006 ist es archäologisch wahrscheinlich, dass die Maya die Erfinder der Schrift in Mesoamerika waren. Die frühesten senkrecht angeordneten Schriftglyphen, die noch der präklassischen Periode der Maya zugeordnet werden, stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. von der archäologischen Maya-Stätte San Bartolo in Guatemala. Wenn von Maya-Sprache die Rede ist, ist meist Ch’ol gemeint. Ch’ol sprachen die Menschen, die die Hieroglyphenschrift spätestens 300 v. Chr. nach olmekischem Vorbild entwickelten – die Olmeken waren die Mutterkultur der Maya, ein bisschen so wie die Etrusker für die Römer. Obwohl die Schrift auch von Sprechern anderer Maya-Idiome übernommen wurde, blieb Ch’ol doch die vorherrschende Sprache der Inschriften, denn es war die Lingua Franca, die Verkehrssprache des Maya-Adels der klassischen Zeit. Das Verhältnis der heutigen 26 Maya-Sprachen zur Klassik entspricht ungefähr dem des Italienischen zum Latein. Lebende Sprecher verfügen im Grunde über den Wortschatz, um die Inschriften zu verstehen. Ihnen fehlt die Kenntnis der Grammatik und der Hieroglyphen. Maya-SchriftDie Maya-Schrift ist eine sogenannte logosyllabische Schrift, was bedeutet, dass sich die Schriftzeichen aus Logogrammen und Silbenzeichen zusammensetzen können. Die Zeichen können allerdings auch getrennt voneinander stehen. Insgesamt sind die Hälfte der etwa 700 Schriftzeichen Logogramme bzw. Silbenzeichen. Meistens entsprechen die Logogramme tatsächlich existierenden Gegenständen oder Lebewesen. Bei einigen ist jedoch kein Erkennen des eigentlichen Sinnes mehr möglich. Dagegen haben die Syllabogramme eine andere Bedeutung, und zwar die der Silbendarstellung. Die meisten Syllabogramme sind im Muster Konsonant-Vokal vorhanden (zum Beispiel „BA“). Wenige stellen nur Vokale dar. Von allen Logogrammen und Syllabogrammen gab es mehrere Varianten, sodass sich der Schreiber die seinem ästhetischen Verständnis am besten angepasste aussuchen konnte. Teilweise geschah dies sogar durch große Wandgemälde, die nur ein Zeichen darstellen sollten. Entzifferung Im 16. Jahrhundert beschäftigte sich Diego de Landa, Bischof von Yukatan, mit den Schriftzeichen der Maya. Von einem adligen Maya, vermutlich Gaspar Antonio Chi, ließ er sich das spanische Alphabet in Maya-Schrift aufschreiben. Dieses sogenannte Landa-Alphabet diente trotz Fehldeutungen als Grundlage für die spätere Forschung. Eine Erforschung der Maya-Schrift gab es jedoch bis zum 19. Jahrhundert nicht. Die Komplexität der Schrift, aber auch Fehler beim Kopieren der Glyphen erschwerten eine wissenschaftliche Betrachtung. Entzifferung der Zahlen ![]() Um 1830 gelang es Constantine S. Rafinesque-Schmaltz, das Zahlensystem der Maya-Schrift zu verstehen. Er zeigte, dass es auf Punkten und Strichen basiert (ein Punkt steht für eine Eins, ein Strich für eine Fünf); außerdem deutete er einige Zeichen für verschiedene Götter, Tiere und Pflanzen. Entzifferung des Kalendars ![]() Diskus von Chinkultic Die Grundlage für die Entzifferung der Maya-Schrift legte dann 1880 der deutsche Sprachwissenschaftler Ernst Förstemann (1822–1906), der den Dresdner Mayacodex analysierte und das Kalendersystem der Maya mitsamt seinen Jahreszyklen erklären konnte. Er zeigte, dass die Maya auch die Null kannten und auf Basis eines 20er-Systems sehr große Zahlen ausdrücken konnten. Die nutzten sie, um äußerst exakte Tabellen mit Sonnenfinsternissen und Venusphasen zu erstellen, aus denen günstige und ungünstige Zeiten für Jagd, Aussaat oder Kriegführung hervorgingen. Förstemann erkannte mit der sogenannten Kalenderrunde das Zeitsystem der Maya, die aus drei ineinander verzahnten Kreisen (außen 365 „Sonnentage“, in der Mitte 20 Namen und im inneren Kreis 13 Zahlen) besteht und sich nach 52 Jahren in ihrer Konstellation wiederholt. Ihm fiel auf, dass ein bestimmtes Datum, das in die Vergangenheit datiert ist, immer wieder auftauchte, und deutete es als Beginn der Maya-Zeitrechnung. 1905 verglich der US-amerikanische Verleger Joseph Goodman das Kalendersystem der Maya mit dem heutigen Kalender und datierte den Beginn der Maya-Zeitrechnung auf den 21. Februar 739 v. Chr. Das brachte einen Durchbruch bei der Datierung unzähliger Stellen. Entzifferung der Silben- und Bildzeichen ![]() Dem sowjetischen Wissenschaftler Juri W. Knorosow gelang im Jahr 1952 ein entscheidender Schritt mit der Einbeziehung der bis dahin missverstandenen Angaben im sogenannten Landa-Alphabet, das er richtig als Silbenzeichen für die spanischen Buchstabennamen interpretierte. Er erkannte als Erster die Mischung von Silben- und Bildzeichen in der Maya-Schrift. In der Staatsbibliothek fand er in einer Bücherkiste, die die Deutschen auf der Flucht zurückgelassen hatten, eine Ausgabe des Berichts von Diego de Landa, dem Inquisitor und Bücherverbrenner, über die Maya in Yukatan sowie eine Reproduktion der drei erhaltenen Maya-Handschriften. Die Manuskripte hatten übrigens nur überlebt, weil sie als Kuriosa in europäische Bibliotheken gelangt waren. Ab ungefähr 1980 machte die Entzifferung der Maya-Schrift schnelle und völlig unerwartete Fortschritte, die sich in einer von schneller Kommunikation getragenen internationalen Kooperation einer kleinen Gruppe von Fachwissenschaftlern vollzog. Wichtiger Impulsgeber war der amerikanische Sprachwissenschaftler Floyd Glenn Lounsbury. Ihnen gelang mit der Entzifferung vieler bis dahin unbekannter Silben der Durchbruch. Eine wesentliche Erkenntnis war dabei, dass viele verschiedene Zeichen für eine Silbe stehen konnten. Über 90 % der heute bekannten Maya-Schrift gelten bisher als deutbar. Die Schriftzeichen der Maya findet man vor allem auf alten Gebäuden und Monumenten, in Form von Wandmalereien oder Epigraphiken, aber auch auf Keramik. Nur vier mit Sicherheit authentische Handschriften, sogenannte Codices, haben die Vernichtung fast aller brennbaren Schriftträger durch Diego de Landa, während der Conquista im 16. Jahrhundert überstanden. Ihre nahezu vollständige Entzifferung ist erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgt. Die Schrift gilt inzwischen als lesbar bzw. deutbar. Erhaltene Maya-Bücher
Heute existieren nur noch vier authentische Maya-Handschriften: Der Pariser Codex (22 Seiten) befindet sich in der Nationalbibliothek in Paris. Der Dresdner Codex (auch Codex Dresdensis, 74 Seiten) ist in der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden einsehbar. Der Madrider Codex (112 Seiten) befindet sich im Museo de América in Madrid. Der Mexiko Maya Codex (11 Seiten); dessen Beschriftung wurde zunächst als Fälschung eingestuft,doch bestätigen neuere Forschungen seine Echtheit. Quellen: national-geographic.de/ Welt.de/ Wikipedia.de |
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| azrael | 24.05.2024, 11:19 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Boah, ist das Interessant |
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| Fabilousfab | 30.06.2024, 11:30 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründePoseidon vom Kap ArtemisionIm Film ![]() Im Film ist die Statue kurz im Hintergrund zu sehen, als Dr. Jones mit Helenea im Archiv des Hunter Colleges spricht. Realität Poseidon vom Kap Artemision ![]() Die als Poseidon vom Kap Artemision oder auch als Zeus vom Kap Artemision bezeichnete Statue ist eine der wenigen griechischen Bronzefiguren des 5. Jahrhunderts v. Chr., die erhalten ist. Sie befindet sich heute im Archäologischen Nationalmuseum in Athen. Aufgrund des Figurenstils, der deutliche realistische mit strengeren Zügen (Bart) vereint, wird die Bronzestatue um das Jahr 460 v. Chr. datiert. Während die Entstehungszeit als weitgehend gesichert gilt, ist der Schöpfer der Figur unbekannt – genannt wurden Kalamis (tätig um 470–440 v. Chr.), Onatas von Ägina oder Myron. Insgesamt wirkt der Körper der Statue wie der eines Athleten oder Kriegers, doch die Forschung interpretiert die Figur schon seit längerer Zeit entweder als Meeresgott Poseidon oder aber als seinen Bruder Zeus selbst. Die Deutung ist abhängig von dem verlorenen Wurfgerät: Ein Speer würde eindeutig einem Athleten oder Krieger zugeordnet sein; ein Dreizack würde die Figur als Poseidon charakterisieren; ein Blitzbündel würde zweifelsfrei auf Zeus hinweisen. Sie wurde 1926 in der Nähe eines antiken Schiffswracks vor dem Kap Artemision im Norden der Insel Euböa entdeckt. Untersuchungen der Fundstelle, bei denen der rechte Arm der Statue gefunden worden ist, fanden auch noch im Jahr 1928 statt. Hierbei starb ein Taucher, weshalb die Forschungsarbeiten eingestellt und seitdem nicht wieder aufgenommen worden sind. Quelle: Wikipedia |
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| Fabilousfab | 12.04.2026, 11:33 | ||||||||||||||||||||
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründeLöwenstatuen, WächterstatuenIm Spiel: Spoiler:
Realität: WächterlöwenAssyrische Wächterlöwen waren monumentale Steinskulpturen, die im antiken Mesopotamien, insbesondere im 1. Jahrtausend v. Chr. (neuassyrische Zeit), als Beschützer von Palästen und Tempeln dienten.
Der Ursprung Die Idee, dem König der Tiere, dem Löwen, die Bewachung des Schreins anzuvertrauen, kam in der Antike auf, als eine Löwenskulptur zum Schutz von Ishtar, der assyrischen Göttin der Liebe und Kriegsangelegenheiten diente. Im Britischen Museum und stehen sechs Löwenstatuen, die zur Bewachung der Überreste von Apollo auf der Löwenterrasse auf der Insel Delos in der Ägäis gefunden wurden. Die Verwendung der Löwenstatue in buddhistischen Tempeln hat angeblich ihren Ursprung in Gandhara. ![]() Löwenstatuen in Butkara Stupa, Swat, Gandhara. Die Stupa wurde vermutlich in der Zeit von König Asoka (ca. 268-232 v. Chr.) Löwenstatuen als Torwächter von Tempeln breiteten sich in ganz Indien aus, insbesondere in Sri Lanka, in Abhayagiri Dagoba und Anuradhapura. Sie war Hauptstadt bis zur Invasion von Chola im 11. Jahrhundert bis Kiri Vihara in Polonnaruwa, als neue Hauptstadt der Singhalischen Dynastie im späten 12. Jahrhundert wiederbelebt wurde. Sri Lanka ist stark mit dem Löwen verbunden, da die Singhalesen, die die Mehrheit der Bevölkerung des Landes teilen, etymologisch "Löwenvolk" bedeutet und ein Löwe in der Flagge der heutigen Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka dargestellt ist.
Löwenstatuen in Java Obwohl eine Reihe buddhistischer Tempel auf Java erhalten sind, gibt es nur Löwenstatuen in Candi Borobudur. Dort werden Löwenstatuen nicht nur am Fuße der Treppen vom Boden entfernt aufgestellt, sondern auch in den oberen, quadratischen und kreisförmigen Schichten. Die Löwenstatuen, die auf dem Boden auf der Ostseite an der Verlängerung des Hauptanflugs platziert waren, hatten eher ein freundliches Aussehen, als dass Sie einschüchternd wirken. Ihre Augen sind rund, wie die von "Dschungelkaiser Leo" im Zeichentrickbuch von Osamu Tezuka, ihre Wangen sind prall und ihre Mähnen stehen aufrecht wie die von Eseln. ![]() Löwenstatuen in Japan und China: Löwenstatuen stehen ebenfalls in Yapahuwa, wie die Shishi-komainu-Statuen in Japan. Die ältesten Löwenstatuen in Japan sind die beiden Stücke im Großen Südtor des Todaiji-Tempels, die auf der Westseite und die andere auf der Ostseite, die 1,8 bzw. 1,6 Meter hoch sind und beide auf den 1,4 Meter hohen Sockeln stehen. Der Geschichte zufolge wurden diese Steinstatuen von vier Künstlern geformt, die aus South Sung besucht wurden, wobei der Stein aus Ningbo importiert wurde. Die Figur der Löwen zeigte die einfallsreichen chinesischen Löwen mit einem kleinen Lächeln, die auf dem Sockel mit exotischen Inschriften stehen, im Gegensatz zu vielen Schutzhunden, die später bis in die Neuzeit produziert wurden. Zu dieser Zeit reisten Mönche und Kaufleute zwischen Japan und China, wie Beweise in Nara erhalten blieben, obwohl es keine offizielle Beziehung und damit keinen Austausch von Botschaftern gab.
Die so genannten Shishi-komainu (wörtlich Löwe und Hund), bestehend aus einem Löwen mit offenem Mund und einem Hund mit geschlossenem Mund, entstand in der Heian-Zeit (794-1185/1192 n. Chr.) und wurde in späteren Jahren populärer, da sie nicht nur in Tempeln, sondern auch in Schreinen angenommen wurden. Steingemachte Löwen-Torwächter waren in den frühen Tagen eher selten, da Holz als Material beliebter war. Im Daiyu-in-Tempel, das Mausoleum des 3. Shogun Iyemitsu Tokugawa, in Nikko, sind die Schnitzereien chinesischer Löwen zu sehen, die mit verschränkten Vorderbeinen am Nioumon-Tor und am Yashamon-Tor saßen. Sie waren goldfarbenund grün, wie die Tore selbst. Wächterlöwen in Kambodscha
Schutzlöwen flankierten die Hauptanflüge zum Heiligtum der meisten Khmer-Tempel und wurden auch entlang der Treppen und auf Terrassen platziert. Der Löwe, der für Königtum, Stärke und Mut steht, war das persönliche Symbol der Khmer-Könige, von denen man auch als Götter galt. Daher schlug der Löwe als Hüter des heiligen Geländes die Fähigkeit vor, das Böse durch göttlichen und königlichen Schutz abzuwehren. Löwenstatuen über die Epochen der Zeit:![]() Und hier gehts zum Thema The Great Circle - Löwenstatue Bei den Assyrern wurden die Wächter auch Lamassu genannt und hatten nicht nur die Form von Löwen. Löwenstatuen in der Neuzeit: Löwen-Wächterstatuen sind auch in der Neuzeit präsente Symbole für Macht, Schutz und Repräsentation. Während sie in Asien (z.B. Okinawas Shīsā) oft traditionell Häuser bewachen, dienen sie in Europa meist als monumentale Denkmäler oder Herrschaftssymbole. Klassizistische Beispiele wie der Idstedt-Löwe (1862) oder der Löwe von Piräus zeigen, dass sie bis in das 19. Jahrhundert politisch funktionalisierten. ![]() Idstedt-Löwe (1862) Der Löwe von Piräus ist eine antike Marmorstatue, die ursprünglich für Athens Hafenstadt Piräus in Griechenland (ca. 360 v.Chr.) geschaffen wurde. Sie stellt einen Löwen dar und gelangte 1687 als Kriegsbeute in den Besitz der Republik Venedig. In Venedig wurde sie neben anderen Löwenstatuen vor dem Arsenal aufgestellt. Auffällig an der Statue ist eine Reihe von eingeritzten Runen an verschiedenen Körperstellen des Löwen ![]() Löwe von Piräus Quellen: maiguch.sakura.ne.jp/metmuseum.org/wikipedia |
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| Fabilousfab | 11.04.2026, 11:40 | ||||||
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründeKhajuraho und Indische SchnitzereienIm Spiel: Spoiler:
Realität: Indische Holzschnitzereien
Tempelbezirk von KhajurahoDer Tempelbezirk von Khajuraho umfasst eine Gruppe von etwa 20 Tempeln im Zentrum und in der näheren Umgebung der Stadt Khajuraho im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Sie zählen zum UNESCO-Welterbe.
Nahezu alle Tempel Khajurahos wurde von den Herrschern der Chandella-Dynastie zwischen 950 und 1120 erbaut. Die Chandellas waren ein zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert regierender Rajputen-Klan, welcher sich um 950 in Gwalior festsetzte. Im 10. und 11. Jahrhundert waren die Chandellas die führende Macht in Nordindien, obwohl sie formell noch bis 1018 Vasallen der Pratihara waren.
Es findet sich die 64 pada Felder Anordnung. Der kleinere Khajuraho Tempel nutzt die Felder 9, 16, 36 or 49 des Mandala Plans. Nach dem Niedergang der Dynastie im 12. Jahrhundert wurden die Tempel von Khajuraho kaum noch oder gar nicht mehr benutzt und blieben dem Vordringen des umliegenden Buschlandes überlassen. Der politisch, militärisch und wirtschaftlich bedeutungslos gewordene Ort lag abseits aller Wege und blieb somit auch in der Zeit des islamischen Eindringens in Nordindien von Zerstörungen verschont. Im 18. und 19. Jahrhundert zählte die einstmals bedeutsame Stadt nur noch etwa 300 Einwohner. Im 19. Jahrhundert wurden die Tempel von den Briten „wiederentdeckt“. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen systematische Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten, die schließlich zur Wiederherstellung dieses einzigartigen Architektur-Ensembles führten. Architektur und Verzierung des Tempels: Alle Tempel von Khajuraho wurden den hinduistischen und nicht den buddhistischen Hauptgöttern gewidmet und bieten die besondere Möglichkeit, die Entwicklung der Architektur in Indien genau zu verfolgen. Denn es lässt sich recht gut erkennen, welche Entwicklung in den rund 200 Jahren der gesamten Erbauung durchgemacht wurde. Die Tempel stehen auf Sockeln, welche bis zu 3 Metern hoch sind und die vor dem sehr heftigen Monsunregen schützen sollen. Alle Tempel sind kunstvoll gestaltet und wurden mit zahlreichen Figuren versehen, welche noch heute sehr gut betrachtet werden können. Berühmt sind die Himmelstänzerinnen, die Apsaras in Khajuraho, welche in erotischen Darstellungen an jedem Tempel zu sehen sind. Mal sind es nur die Tänzerinnen, welche auf den Tempeln verewigt sind, mal sind Paare in verschiedenen Positionen zu sehen. Doch immer sind die Figuren detailliert gestaltet und zeugen von Künstlern, welche diese Tempel und alle Verzierungen erschaffen haben. Rätselhafter Tempel von Khajuraho und heutige Berümtheit: Die etwa 1000 Jahre alten Tempel von Khajuraho geben den Experten aber immer wieder Rätsel auf, denn auch damals lag Khajuraho schon abseits aller Hauptverkehrswege, weshalb die Tempel auch so lange in Vergessenheit gerieten. Außerdem stellt sich die Frage, woher die Herrscher der Chandella-Dynastie in dem abgelegenen Ort so viele Arbeiter hatten, damit die zahlreichen und aufwendig gestalteten Tempel gebaut werden konnten. Es ist auch deutlich sichtbar, dass die damaligen Künstler bei der Darstellung der Figuren viel Fantasie mit einbrachten oder ihrer Fantasie vielmehr bei der Gestaltung freien Lauf ließen. Khajuraho ist heute jedenfalls für die freizügigen Darstellungen auf den Tempeln genauso berühmt wie für die Architektur der gesamten Anlage an sich. So wurde nämlich nur in Khajuraho gebaut. Damit sind die Tempel von Khajuraho eine besondere Sehenswürdigkeit und stellen die wohl interessanteste Tempelanlage von ganz Nordindien dar – genau wie das Taj Mahal ist Khajuraho zum international berühmten Wahrzeichen von Indien geworden. ![]() Quellen: Skr.de/Wikipedia |
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| Fabilousfab | 08.04.2026, 09:21 | ||||
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründePersepolis Spoiler:
Realität Susa und PersepolisSusa und Persepolis waren zentrale Hauptstädte des Achämenidenreiches. Susa fungierte als Verwaltungszentrum und Winterresidenz im Tiefland, während Persepolis im Hochland von Schiras als zeremonieller Mittelpunkt diente. Beide Orte wurden von Dareios I. maßgeblich ausgebaut, von Alexander dem Großen erobert und spiegeln die achämenidische Pracht wider. Die altpersische Residenzstadt Persepolis war eine der Residenzstädte des antiken Perserreichs unter den Achämeniden und wurde 520 v. Chr. von Dareios I. im Süden Irans in der Region Persis gegründet. Der Name „Persepolis“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Stadt der Perser“. Der persische Name bezieht sich auf Dschamschid, einen persischen König aus mythologischer Vorzeit, von dessen fliegendem Thron abgestürzte Überreste den Ort gebildet haben sollen. Ein weiterer Name aus dem Mittelalter war Čehel-menār, mit der Bedeutung Vierzig Minarette. Als man die frühere Residenz von Pasargadae um 50 km hierher verlegte, wurde am Fuße des Berges Kuh-e Mehr eine 15 ha große Terrasse angelegt. Über 14 Gebäude sind auf der Plattform unter Dareios I. und seinen Nachfolgern, u. a. Xerxes I., Artaxerxes I. und Artaxerxes II. errichtet worden. Weitere Paläste wurden unmittelbar am Fuß der Terrasse ausgegraben. Die Palaststadt wurde 330 v. Chr. durch Alexander den Großen zerstört, aber ihre (teils wiederaufgebauten) Reste können auch heute noch besichtigt werden. Da bei der Zerstörung die Bewässerungsanlagen ebenfalls vernichtet worden waren, wurden die Gebäude weitgehend vom Wüstensand bedeckt und dadurch konserviert. Sie zählen zum UNESCO-Welterbe und sind rund 60 km nordöstlich der Großstadt Schiras in der Flussebene des Kur in der Provinz Fars (900 km südlich von Teheran) zu besichtigen.
Geschichte: Das Achämenidenreich wurde von Kyros II. dem Großen gegründet und reichte unter Dareios I. um 520 v. Chr. von Kleinasien und Ägypten bis zum Indus. Persepolis ist ein Glanzlicht der altpersischen Kultur und Politik der Achämeniden. Die Palaststadt ist noch heute ein Identifikationsort für viele Iraner, obwohl oder gerade weil sie weit in die vor-islamische Zeit zurückreicht. Die letzte Bauphase erfolgte etwa zwischen 450 und 330 v. Chr. Nach 200-jährigem Bestand wurde Persepolis 330 v. Chr. von den Truppen Alexanders des Großen geplündert und in Brand gesteckt. Bereits in der Antike wurde gerätselt, ob Alexander den Brand und die Plünderung initiierte. Es gibt Quellen, die berichten, dass sich der Schatzmeister von Persepolis kurz vor Alexanders Ankunft in Persepolis ihm unterwarf und alle Schätze anbot, in der Hoffnung, die Stadt retten zu können. Alexander schlug das Angebot jedoch aus. Nachträglich wurde die Zerstörung Persepolis’ als Rache für die Zerstörung der athenischen Akropolis während der Perserkriege 480/79 v. Chr. gedeutet. Der letzte Schah von Iran, Mohammad Reza Pahlavi, ließ 1971 Teile von Persepolis zur 2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie restaurieren und mit touristischer Infrastruktur, Parkplätzen und Geschäften ausstatten. Die acht Jahre später einsetzende islamische Revolution ließ allerdings die Besucherzahlen auf etwa ein Zehntel (einige Hundert pro Tag) der ursprünglichen Größe sinken. Die kunstvollen Gebäude und Paläste entstanden auf einer künstlichen Terrasse von 300 × 500 Metern, meisterhaft aus Stein gehauen und nur mit einer hohen Backsteinmauer umgeben. Militärische Verteidigung war hier wegen der Weite des Landes und seiner guten Postverbindungen entbehrlich. Trotzdem besaß die Terrasse eine lange Befestigungsmauer im Osten, die über den gesamten Berg verlief und die Stadt vor Angriffen aus dem Osten schützen sollte. Im Süden und Osten war aufgrund der Höhe der Terrasse keine Mauer nötig. Im Südwesten sind jedoch noch einige Zinnen erhalten. Gebaut wurde nicht durch Sklaven, sondern gegen Entlohnung. Sehr beeindruckend war – neben drei Palästen mehrerer Könige – der Hundert-Säulen-Saal, vor allem aber der Audienzsaal Apadana mit 36 Säulen von knapp 20 Metern Höhe. Die Kapitelle der Säulen sind mit Stier- und Löwenmotiven verziert, den Symbolen der Könige; auch Vogelkapitelle und Keilschrifttexte in elamischer Sprache finden sich. Entdeckungsgeschichte: Erste europäische Reisende besuchten die Ruinen der Palastanlagen schon im Mittelalter (beispielsweise Giosafat Barbaro). Zahlreiche Reliefs wurden im Zug der Erforschungen in europäische Museen gebracht. Die ersten systematischen Ausgrabungen erfolgten von 1931 bis 1939 im Auftrag des Oriental Institute der University of Chicago durch aus Deutschland stammende Archäologen, vor allem Ernst Herzfeld, Friedrich Krefter und Erich F. Schmidt. Seit 1939 wird Persepolis von iranischen Archäologen erforscht. Ein bedeutender Teil der Grabungsdokumentationen und Fundumstände, Abklatsche von Inschriften und ein umfangreiches Fotoarchiv der Ausgrabungen von Persepolis befindet sich heute im Ernst Herzfeld Nachlass in der Freer Gallery of Art in Washington, DC. Das Tor aller Länder Das „Tor aller Länder“, genannt auch Tor des Xerxes, mit kolossalen menschenköpfigen Stierfiguren war ein kleiner quadratischer Palast mit einer Seitenlänge von 24,75 Metern. Er wurde größtenteils während der Herrschaftszeit von Xerxes I. gebaut und fertig gestellt. Er befindet sich etwa 22 Meter entfernt vom Rand der Terrasse und hatte eine Höhe von 18 Metern. ![]() Apadana Palast von Dareios I. (522–486 v. Chr.), Teilansicht von Süden, 2016 Nördlicher Treppenaufgang zur Apadana (Reliefdetail) Der größte Palast in Persepolis ist der Apadana-Palast, der von Dareios I. um 515 v. Chr. erbaut und von den Nachfolgern erweitert wurde. Besonders Xerxes I. ließ zahlreiche Änderungen am Apadana, der großen Audienzhalle, vornehmen. Er verlegte aufgrund des neuen Hauptzugangs von Persepolis vom „Tor aller Länder“ auch den Haupteingang des Palastes vom Osten in den Norden. ![]() Der „Dareios-Palast“ ist der besterhaltene Palast in Persepolis. Hier sind die riesigen Tür- und Fensterrahmen noch deutlich zu erkennen. Grund für den guten Zustand dieses Palastes ist höchstwahrscheinlich, dass die Grundstruktur überwiegend aus massiven Steinblöcken errichtet worden ist. Sie sind mehrere Tonnen schwer, die Reliefs auf den Innenseiten der Türrahmen noch relativ gut erhalten. Hundert-Säulen-Palast Der Hundert-Säulen-Palast war der zweitgrößte Palast in Persepolis. Sein Zentralsaal („Hundertsäulensaal“, quasi das Büro der Hofbeamten) hatte Abmessungen von 68,5 Metern Breite und 68,5 Metern Länge, was ihn zum größten Saal der alten Welt machte; auch der Zentralsaal der Apadana war kleiner. Die Decke des Hundert-Säulen-Palastes wurde von 100 Säulen getragen, die in zehn Reihen zu je zehn Säulen angeordnet waren. Eine Steintafel, die Ernst Herzfeld in der Südostecke des Palastes gefunden hat, berichtet, dass der Bau des Palastes im Jahre 470 v. Chr. unter Xerxes I. begann und um 450 v. Chr. unter Artaxerxes I. abgeschlossen wurde. Der Brand, den Alexander der Große nach der Eroberung Persiens legen ließ, war so heftig, dass vom Palast nur noch die Basen der Säulen und die Torportale erhalten sind; sie wurden unter einer drei Meter dicken Schicht von Zedernholz-Asche und Erde freigelegt. ![]() SusaSusa, genannt auch Seleukeia am Eulaios war eine antike Stadt. Ihre Reste liegen im Südwesten des heutigen Iran nahe der irakischen Grenze in der Provinz Chuzestan am Rande der heutigen Stadt Schusch. Susa ist eine der ältesten durchgehend besiedelten Städte der Welt. Die Etymologie des Stadtnamens ist unsicher. Vom 3. bis zum 1. Jahrtausend v. Chr. war Susa mit kurzen Unterbrechungen Hauptstadt des Reiches von Elam und blieb auch nach dem Untergang dieses Reiches ein bedeutendes urbanes Zentrum. Verschiedene archäologische Ausgrabungen erbrachten reiche Funde. Aufmerksamkeit erregte vor allem der Codex Hammurapi (eine babylonische Sammlung von Rechtssprüchen aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. Sie gilt zugleich als eines der wichtigsten und bekanntesten literarischen Werke des antiken Mesopotamiens und als bedeutende Quelle keilschriftlich überlieferter Rechtsordnungen), der schon im Altertum als Beutegut nach Susa verschleppt worden war.
Ausgrabungen Der Brite William Kennett Loftus konnte 1851 den Ort als das aus schriftlichen Quellen bekannte Susa identifizieren. 1850 bis 1853 führte er dort auch Grabungen durch. Großflächige Ausgrabungen fanden dann unter Roman Ghirshman statt, der nun auch systematisch Lehmziegelbauten dokumentierte und zahlreiche Pläne vorlegen konnte. Von 1946 bis 1967 grub er in der Ville Royale ein etwa 1 Hektar großes Gebiet aus. Die Ergebnisse erbrachten ab 1965 wertvolle Hinweise zur Stadtplanung. 1966 erreichte er in diesem Grabungsgebiet 15 m tief. Bedingt durch die Größe der Schuttablagerungen, die teils zu früh erfolgten Ausgrabungen und die damit einhergehenden schlechten Dokumentationen ist es nur schwer möglich, die einzelnen Bauwerke und die Stadtentwicklung zu rekonstruieren. Der Bereich des In¨u¨inak-Heiligtums auf der Akropolis wurde zwar ausgegraben und dort wurden auch die reichsten Funde gemacht, die sicherlich dem Tempel zuzuordnen sind, die architektonischen Reste wurden jedoch bei den frühen Ausgrabungen von de Morgan oftmals vollkommen übergangen. Vor allem die ältesten Schichten liegen teilweise bis zu 20 Meter unter dem heutigen Boden und wurden nur an einigen Stellen freigelegt. Es konnten stellenweise über 25 archäologische Schichten unterschieden werden. Auch die jüngeren, oberen Schichten aus der seleukidischen, parthischen, sassanidischen und islamischen Zeit wurden oftmals einfach ohne gewissenhafte Dokumentation abgeräumt, weil sie für die frühere und auch spätere Forschung von geringem Interesse waren. Susa als Hauptstadt von Elam Die Geschichten von Susa reicht zurück bis ca 3000 v. Chr. Periode Susa IV B (2400–2100 v. Chr.): Die akkadische Stadt Die Stadt wurde in dieser Zeit Teil des akkadischen Reiches. Susa war weiterhin von großer Bedeutung, doch sind archäologisch nur wenige Reste erhalten. In der Apadana wurden nur Keramikreste und Bronzeobjekte in Gräbern, die in diese Zeit zu datieren sind, gefunden. Auf der Akropolis befand sich ein Gebäude mit überwölbten Räumen, bei dem es sich vielleicht um einen Speicher handelte. In der Königsstadt wurden Reste von Wohnbauten und Gräbern ausgegraben. Die Stadt nahm zu dieser Zeit eine Fläche von circa 46 Hektar ein. Das Fundgut, beispielsweise die Keramik, aber auch die Darstellungen auf den Zylindersiegeln belegen akkadischen und mesopotamischen Einfluss. Aus dieser Periode stammen circa 60 weibliche Tonfiguren, die mesopotamischen Einfluss zeigen, aber auch elamitisch im Stil sind. Handel mit der Induskultur ist durch ein Indussiegel und ein Indusgewicht belegbar. ![]() Beterfigur Im 5. Jahrhundert ließ König Dareios I. die Persische Königsstraße errichten, die von Susa durch Mesopotamien und Anatolien bis ins lydische Sardes nahe der ägäischen Küste führte. Eine Verlängerung nach Osten führte nach Persepolis. Susa ist seit 2015 UNESCO-Welterbe, u. a. kann man den Apadana (Palast von Dareios I.) und die um 1890 von den französischen Archäologen erbaute Burg Schusch besichtigen. Das Susa-Museum zeigt archäologische Funde aus der langen Geschichte der Stadt. In der Nähe liegt außerdem die Ausgrabungsstätte der 3300 Jahre alten Stadt Tschogha Zanbil mit der größten Zikkurat Irans, die ebenfalls eine UNESCO-Welterbestätte ist. |
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| Fabilousfab | 06.04.2026, 18:40 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründeMoai Kava Kava Spoiler:
Realität ![]() Südamerika, Chile, Osterinsel, ca. Mitte des 20. Jahrhunderts n. Chr. Moai Kavakava Fein aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt, eine Vorfahrenfigur (Moai Kavakava) aus der Rapa Nui-Kultur der Osterinsel, charakteristisch dargestellt als abgemagerter, leicht gebeugter Mann mit hervorstehenden Rippen, einer gekerbten Wirbelsäule und dünnen Armen an seinen Seiten. Sein übergroßer Kopf zeigt ein ausdrucksstarkes Gesicht unter einem gewölbten Schädel, mit dicken gerippten Brauen, die hohle Augenorbitale umrahmen, einer großen, gebogenen hervorstehenden Nase mit ausgestellten Nasenlöchern, einem offenen Mund, der eine zahnige Grimasse präsentiert, und einem hervorstehenden, spitzen Kinn. Seine länglichen Ohren scheinen mit runden Ornamenten geschmückt zu sein. Der Begriff mo'ai kavakava stammt von dem Wort mo'ai, das sich auf die monumentalen monolithischen anthropomorphen Figuren auf der Osterinsel bezieht. ![]() Das Werk kavakava bedeutet wörtlich Rippen. Wissenschaftler wissen sehr wenig über diese Figuren; es wird jedoch allgemein angenommen, dass sie dazu gedacht sind, hungernde Vorfahren oder möglicherweise Dämonen darzustellen. Einige haben vorgeschlagen, dass solche Figuren traditionell um den Hals von Männern getragen werden, die sich an zeremoniellen Tänzen beteiligten. Diese Figuren inspirierten die Werke des berühmten deutschen expressionistischen Künstlers Max Ernst, und Maoi Kavakava-Figuren wurden in der Sammlung des französischen Surrealisten Andre Breton gefunden. Die Osterinsel (Rapa Nui oder Isla de Pascua) ist eine chilenische Insel im südöstlichen Pazifischen Ozean - am südöstlichsten Punkt des polynesischen Dreiecks Ozeanien. Berühmt für ihre Moai - kolossale Statuen, die von den Rapa Nui-Leuten geschaffen wurden, wurde die Osterinsel 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wissenschaftler glauben, dass sich die polynesischen Völker zwischen 700 und 1100 n. Chr. auf der Osterinsel niederließen. Sie bauten eine robuste Kultur auf, wie der beeindruckende Steinmoai und andere Artefakte der Insel vermuten. ![]() Quelle: Archäologie Online/Wikipedia/Invaluable.com |
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| Fabilousfab | 10.08.2024, 22:26 | ||
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen HintergründeLuftfahrt: ZeppelineIm Film:
Im Film benutzen Dr. Jones und sein Vater den Zeppelin um aus Deutschland zu entkommen. Später dann das befestigte Flugzeug Realität:
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| Kukulcan | 26.08.2024, 17:46 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe Interessant, dann wurde die Figur von „Personaje de la Nobleza“ (aztekischer Adliger), zwischen 2015 und 2018 zur Göttin hochgestuft. |
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| Pascal | 26.08.2024, 18:57 |
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Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe wurde sie nicht beide Theorien sind schon längere Zeit im Rennen |
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