Aldridge 23.05.2014, 13:15
Betreff: X-Men - Die Filme

Hallo zusammen,

wir sollten den unterschiedlichen Superhelden-Franchises mal eigene Threads spendieren. Das Angebot ist inzwischen so reichhaltig, dass es "Batman und andere Superhelden" irgendwie nicht mehr trifft.

Seit gestern läuft die inzwischen fünfte Fortsetzung des Films in den deutschen Kinos, der vor 14 Jahren den anhaltenden Superhelden-Hype überhaupt begründet hat: X-Men: Zukunft ist Vergangenheit. Steigen wir doch mal mit einer ganz hübschen Kritik aus der gestrigen Welt ein:

Zitat:
Mutanten aller Zeiten, vereinigt euch

Bryan Singer dreht in seiner Comic-Superhelden-Saga am Rad der Zeit: "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" Von Elmar Krekeler

Zeitschleifen könnten eigentlich ziemlich nützlich sein. Es ließe sich so viel späteres Ungemach verhindern, so einiges an Eselei ausbügeln. Wahrscheinlich würde es allerdings zu einem kompletten Desaster führen, wenn jeder in seiner Vergangenheit herumbasteln könnte, um sie für die Zukunft zu optimieren. Überlassen wir das dem Film. Die haben damit Erfahrung, die leben gut davon. Mal reisen die Guten zurück, um die Zukunft in der Vergangenheit zu retten, mal die Bösen, um sich die Macht in ihrer Gegenwart durch Untaten in der Geschichte zu sichern. Und immer ist das zwar physikalischer Humbug, dramaturgisch jedoch geht das hingegen meistens gut. Finanziell sowieso. Womit wir beim diesjährigen Beitrag der "X-Men" zum Sommer der Blockbuster wären.

Was ein Sequel ist, dürfte jedem Kinoserienseher inzwischen ebenso hinlänglich bekannt sein wie die Definition eines Prequels. "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" nun ist sozusagen ein Halbwesen. Ein Franchise-Mutant. Die Verquickung zweier Filmwelten zur Optimierung der Absatzchancen. Ein Superheldenfilm für alle Generationen. Eine Mega-Marketing-Mutation. Er funktioniert nach dem Motto: Mutanten aller Zeiten vereinigt euch.

Wir befinden uns am Anfang nicht nur in einer elendlangen Exposition, sondern auch in einer finsteren Zukunft. Alles ist Nacht. Über New York, Peking und Moskau (das am kaputtesten aussieht, warum auch immer) liegt das übliche Dunkel der Dystopie. Die Menschheit herrscht mithilfe von Maschinenwesen. Die Mutanten sind versklavt. Ein paar Freischärler gibt es noch. Sie werden von Sentinels gejagt: Flugrobotern, die deswegen so gefährlich sind, weil sie auf die Gestalt und die Kräfte ihres jeweiligen Superheldengegners perfekt reagieren können.

Die Freischärler kennen wir aus den ersten X-Men-Filmen. Und Patrick Stewart und Ian McKellen sieht man immer wieder gern. Jetzt sind ihre vergreisten Superhelden, Professor X und Magneto, allerdings in die hinterste Ecke, in ihre letzte Fluchtburg verdrängt. Was bleibt, ist nur die Zeitschleife. Sie müssen die Vergangenheit verändern, die Macht der Sentinels brechen, in dem sie ihre Geburt verhindern, wie so ziemlich jeder (abgesehen vielleicht von ein paar Zeitgeschichtlern und ein paar besonders Irren) beispielsweise die Geburt eines Kindes in Braunau am Inn verhindern würde.

Einer aus der inzwischen leicht versprengten, potenziell unendlich großen Legion von Superhelden aus dem Marvel-Universum also muss auf die Reise rückwärts gehen. Am besten einer, der sowieso nicht altert, der unverletzlicher ist als Siegfried, ihm an Intelligenz und psychischer Belastbarkeit möglichst aber überlegen. Wolverine (Hugh Jackman, der Unterarme wie nicht mehr ganz junge Mammutbaumstämme hat und tatsächlich immer mehr aussieht wie das Tier im Mann) muss es machen. Die psychoportierfähige Kitty Pride befördert sein älteres Selbst in seinen jüngeren Körper.

Als er aufwacht befinden wir uns im Jahr 1973, sehen, was die Ausstatter von "American Hustle" anscheinend noch übrig gelassen haben und wie Wolverine im Arm einer Mafioso-Braut liegt. Eine Lavalampe blubbert langsam in neongrün, das Radio spielt "The First Time I Ever Saw Your Face" und eines der ersten spektakulären Dinge, die Wolverine tut, ist, dass er mit seinen Krallen das Wasserbett zerstört.

Das ist schon sehr lustig. Es gibt noch mehr solcher herrlicher Scherze. Das Schöne an diesem Presequel allerdings ist, dass Bryan Singer – der nach mehr als zehn Jahren wieder die Regie in jenem Figuren-Universum übernommen hat, mit dem er den Superheldenfilm als Genre auf ganz neue Bahnen gelenkt hat – sein ohnehin leicht anrüchiges Unternehmen nicht dem billigen Zeitwitz opfert. Singer dosiert seine Scherze sehr genau. Hält mit superheldenhafter Energie die Balance zwischen Mutantentragödie und -comedy, zwischen Drama und Action.

Es wird ausnehmend viel geredet, wenn nicht gerade die Welt in Schutt und Asche gelegt wird oder ein Footballstadion durch die Luft fliegt. Dass man sich als Zeitreisender im Kino mit der – wie üblich – überflüssigen 3D-Brille auf der Nase (in 2D sähe das alles nicht weniger brillant aus) trotzdem zwischen den Zeiten verirrt, liegt in der Natur der Geschichte. Kann aber eigentlich nur passieren, wenn man mal wegnickt, was wiederum eher selten passieren dürfte. Weil Singer einen geradezu perfekten Rhythmus in den Film gebracht hat. Den meisten Figuren bleibt Zeit, wenigstens halbwegs Kontur anzunehmen (als Mensch und Mutant). Dann kracht es wieder. Immer im genau richtigen Moment.

Der geniale und vielleicht fürs Marketing zukunftsweisende Trick von "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" besteht nun darin, dass Wolverines Zeitschleife die alte X-Men-Welt, die mit Patrick Stewart und Ian McKellen, die uns ja verwirrenderweise in der Zeit voraus ist, mit der neuen X-Men-Welt verknotet, der von "X-Men: First Class", in der sehr zur Freude einer jüngeren Kundengeneration James McAvoy und Michael Fassbender, jene Jungspunde spielten, aus denen dann später (oder früher, es ist kompliziert) Stewarts Professor X und McKellens Magneto werden.

Und Wolverine muss nicht nur die beiden, sich in herzlicher Abneigung zugetanen ehemaligen Freunde versöhnen, sie gleichen in ihrem Kampf für die Gleichberechtigung der Mutanten mit den Menschen tatsächlich Martin Luther King und Malcolm X. Er muss sie erst mal befreien. Professor X aus Selbstmitleid und Drogensucht. Magneto aus einer Ultrahochsicherheitszelle hundert Stockwerke unter dem Pentagon. In der sitzt er ein, weil er irgendwie was mit der Ermordung von John F. Kennedy zu tun hatte.

Mystique (Jennifer Lawrence), die Gestaltwandlerin, die schönste Blauhäuterin der Filmgeschichte, muss er anschließend davon abhalten, Bolivar Trask über den Haufen zu schießen. Das hat in der ursprünglichen Vergangenheit das spätere Desaster erst ausgelöst. Der superhirnige Konstrukteur und Mutantenrassist Trask (ein weiterer herrlicher Einfall der Castingabteilung: "Game of Throne"-Star Peter Dinklage spielt ihn) will nämlich – wir befinden uns im Jahr von Watergate – dem bei Bryan Singer ausgesprochen tricky-dickyesken Richard Nixon seine Sentinels als Waffe für die zukünftigen Kriege verkaufen.

Die Zeiten verschränken sich hin und wieder. Die X-Men-Zentrifuge läuft. Zeitgeschichte, Kino- und Comicgeschichte, Mythos und Mutantenstadel wirbeln schön bunt im Nerd-Mixer. Das kann noch lange so weitergehen. Am Ende ist alles auf Anfang. Auf ewig in der Zeitschleife.

Die einzige Gefahr, die allerdings weniger für die Kinokassen als für den Verstand der Kinokunden besteht, die beschreibt Kitty Pride, bevor sie ihre psychoportierenden Hände an die Schläfen von Wolverine legt: "The mind can only stretch so far before it snaps." Man möchte sich eigentlich keine lange Nacht der X-Men vorstellen. Das würde das stärkste Hirn zerreißen.

Quelle: http://www.welt.de/...-euch.html

Also, ich bin schon sehr heiß auf den Film. Nachteil: Der läuft hierzulande in allen Kinos nur in 3D. Mal sehen, wann ich es da rein schaffe. Hat ihn schon jemand gesehen?

PS: "X-Men" ist der Forensoftware als Threadtitel zu kurz. Das ist hanebüchen, die Typen heißen nun mal so...

Indy2Go 23.05.2014, 15:00
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Ja, das sehe ich doch sehr ähnlich...

Auf "Days of Future Past" freue ich mich auch schon riesig, ich denke - vielleicht ist es auch nur gesunder Optimismus (?) - dass er "X-Men II" von meinem persönlichen ersten Platz ablösen könnte. Beide Generationen zusammen in einem Film von Bryan Singer - das klingt schon sehr sehr gut.

Aldridge 23.05.2014, 15:27
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Ich hatte vor knapp zwei Wochen erstmals Wolverine gesehen. Da fand ich den kleinen Midcredit-Teaser für den neuen X-Men schon sehr verheißungsvoll. Ist einfach toll, wenn man...

switch Spoiler:


...wieder zusammen auf der Leinwand sieht.

Wolverine fand ich übrigens sehr gelungen. Gerade wegen des etwas zurückgenommenen Tempos. Lediglich das Finale fand ich übertrieben, das zog den Film etwas runter. Und den Poison Ivy-Verschnitt hätten sie sich auch schenken können. Aber ansonsten tolle Geschichte, wobei der Handlungsort in Japan ein echter Gewinn war - was ich nicht erwartet hätte.

Indy2Go 23.05.2014, 15:34
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Vom "Wolverine" war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Die Prügelei auf dem Zug war richtig cool, der Grundplot von wegen Hiroshima und Wolverines Kraft zu übertragen war auch recht stark, aber das Ende hat den Film meiner Meinung nach sogar richtig extrem runter gezogen, das kam mir vor als hätte ich es in schon in zig Varianten gesehen. Aber gut, unterhaltsam war er allemal.

caramelman 23.05.2014, 19:04
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Ich war gestern drin. Für mich der bisher beste Teil! Ich bin total unvorbelastet reingegangen, habe mir keine Trailer oder sonst was reingezogen. First Class fand ich nett, nicht übermäßig berauschend, aber der neueste Streich verbindet die alte und neue Generation sehr clever, schließt den Kreis recht schön und war für mich und meine Frau einfach ein rundes Kinoerlebnis, so wie es halt sein muss. Nach diesem Teil brauche ich eigentlich keine weiteren Fortsetzung, aber diese ist ja schon in der Mache (typisch Hollywood...). Auf Zeitreise-Filme steh ich ja eh, wobei dieser hier jetzt nicht großartig die Hirnzellen beansprucht wie z.B. BTTF.
Also beide Daumen hoch.

Kukulcan 25.05.2014, 14:16
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Ich war auch total begeistert. Ein Film mit enormen Schauwerten, der aber auch richtig unterhaltsam und gut gespielt ist. Und das in richtig gutem 3D, da gewinne ich fast meinen Glauben ans Kino wieder.

Pascal 30.05.2014, 15:15
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Ich war gestern auch im neuen Film - habe aber irgendwie nicht alles wirklich verstanden.

erste Frage:
switch Spoiler:


zweite Frage:
switch Spoiler:

Tamanosuke 30.05.2014, 15:42
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Zitat von Pascal:
erste Frage:
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Wurde doch in X-Men 3 mehr oder weniger erklärt.
switch Spoiler:

Jens 30.05.2014, 22:44
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Nö, ist viel einfacher. Singer ignoriert schlicht X-Men 3, bei dem er ja nicht nur nicht Regie geführt hat, sondern der auch insgesamt alles andere als ein großer Wurf war. Und mit dem Zeitreise-Alternative-Zeitline-Plot kann er das sogar guten Gewissens tun ...

Pascal 02.06.2014, 15:22
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Zitat von Tamanosuke:
Wurde doch in X-Men 3 mehr oder weniger erklärt.

Na ja... also fuer mich geht das noch nichtmal als "oder weniger" durch (oder ich habe irgendwas nicht mitbekommen).

switch Spoiler:


Da macht die Erklaerung von Jens fuer mich schon etwas mehr Sinn. Andererseits zieht die Zeitreise ja noch nicht zum Zeitpunkt des Starts der Reise. Deshalb sollte Herr Singer also da auch kein reines Gewissen haben.

Aldridge 11.06.2014, 22:46
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Nur mal auf die Schnelle: Komme gerade zurück aus dem Kino und bin schwer begeistert: Der neue X-Men ist bis jetzt der beste Superhelden-Film des Jahres für mich, noch vor First Class der beste X-Men und dürfte sich langfristig auch in meiner persönlichen Comic-Film-Hitliste weit vorne festsetzen. Jawoll, so wird´s gemacht, das ist Superhelden-Kino mit Herz und mit dem richtigen Fingerspitzengefühl. Kleinere Unlogeleien, die bei Zeitreise-Storys im Grunde nicht zu vermeiden sind, verzeihe ich da nur allzu gerne. Bryan Singers Regie und Simon Kinbergs Drehbuch sind schon eine Bank. Vor allem so viele Superhelden auch noch in doppelter Besetzung unter einen Hut zu bekommen, ohne dass es überladen wirkt, ist schon toll gemacht. Und wenn es dann am Schluss eine Reihe Cameos setzt, sorgt das schon für Gänsehaut.

btw: Hugh Jackman IST inzwischen Wolverine. Bin gespannt, wie das Studio das Problem lösen will, wenn der mal zu alt wird für die Rolle. Der Mann hat bislang in allen sieben X-Men-Verfilmungen mitgespielt und wird auch in X-Men: Apocalypse zu sehen sein. Damit wird er Sean Connery mit dessen Anzahl an Bond-Filmen überholen. Zwinkernder Smiley Ich bin für eine Old Man Logan-Verfilmung. Grinsender Smiley

Ok, soweit der erste Eindruck. Ich denke aber, auch mit zeitlichem Abstand wird sich daran wenig ändern. Avengers 2 wird es kommendes Jahr ziemlich schwer haben, das qualitativ zu übertreffen (wobei auch dort Quicksilver und Scarlet Witch auftreten werden).

horner1980 11.06.2014, 23:19
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Hab da eine exklusive Nachricht für euch. Ihr wisst ja, ich mach ja Webradio und hab mit Anne, einer sehr guten Freundin auch eine Filmmusiksendung und vor 1-2 Wochen hatten wir ein Interview mit John Ottman und er hat ihr gegenüber bestätigt, dass Bryan Singer auch beim nächsten X-Men-Film die Regie übernehmen wird. Übrigens John ist der Mann, der für jeden Singer-Film die Musik geschrieben hat und auch den Schnitt gemacht hat (einzige Ausnahme war der erste "X-Men"-Teil, da Ottman zu dem Zeitpunkt selber Regie bei einem anderen Film hatte. Sobald wir das Interview online gestellt haben, werde ich es hier reinposten.

Aldridge 12.06.2014, 08:28
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Hey Olli, super Nachrichten. Mein Neid ist euch gewiss. Ich bin auch schon gespannt, was der Gute so zu erzählen hat.

Hat er auch was zu den "Störmanövern" rund um die Person Bryan Singer sowie über die Aussichten auf X-Men: Apocalypse erzählt?

horner1980 12.06.2014, 09:19
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Nee, davon war nicht die Rede. Fand ich auch gut, man muss ja nicht alles kommentieren. Anne hat in der Richtung auch nicht nachgefragt. Dazu da der neue erst in der Planungsphase ist, kann er dazu noch nichts erzählen, jedoch wenn Singer dabei ist, dann ist Ottman auch wieder dabei
Aber hier ein weiterer Spoiler für die, die gestern nicht zugehört haben. Ottman war nicht begeistert, dass sich Singer mit Nolan wegen der Musik im Film unterhalten hat. Danach kam ja Singers Anweisung an Ottman.. der Score muss modern, modern, modern und modern werden. Diesmal hatte er wohl mehr Spaß am Editieren und braucht nun erstmal Urlaub, viel Urlaub.
Hier ein Teil der deutschen Übersetzung:
Zitat:
...dass der Druck jetzt weg ist, ist Urlaub genug. Einfach nur in die Drogerie oder die Mall gehen zu können ist für mich wie Disneyland...

Aldridge 12.06.2014, 09:35
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Ich fand das Hauptthema gestern ganz nett variiert. Der Rest ist mir allerdings nicht sonderlich im Gedächtnis geblieben, da war vieles eben "nur" Bilduntermalung. Das Album ist auf dem Weg zu mir, dann werde ich ja sehen bzw. hören, wie das für sich alleine steht. Komisch aber, dass sich Singer, der ja eigentlich für die Superhelden-Renaissance im Kino verantwortlich und das Thema recht früh ernsthaft angegangen ist, von Nolan Tipps geben lässt. Ich wage mal die These, dass es ohne Singers X-Men 1 und 2 die Dark Knight-Trilogie so nicht gegeben hätte.

Mich würde auch interessieren, was Hans Zimmer dazu sagt, wie denn nun eine zeitgemäße Superhelden-Musik zu klingen hat. Seine Batman-Musik unterschied sich schon deutlich von dem, was er zu Man of Steel und Amazing Spider-Man 2 beigesteuert hat...

horner1980 12.06.2014, 09:45
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Naja Singer lies sich halt von Nolan beeinflussen, wie denn heutzutage eine Musik für einen Superheldenfilm zu klingen hat. Für Ottman war es diesmal halt mehr eine Auftragsarbeit, denn er konnte nur sehr wenig seinen Stil durchbringen. Besonders wenn es laut wird, könnte man denken, der Score würde von RCP kommen. Aber wenigstens durfte er sein Arrangement vom X-Thema von Kamen wieder einsetzen, was für mich immer noch eins der besten und auch markantesten Superheldenthemen ist. Jedoch den Stil von X-Men 2 durfte er halt nicht fortsetzen. Jedoch so ist es halt. Jeder Komponist ist in erster Linie Dienstleister und erst in zweiter Reihe Künstler.
Man muss wohl schon Hans Zimmer oder John Williams heißen, damit man seine Ideen durchbringt.

Aber dafür hatte er umso mehr Freude am Schnitt.

Ist der Film eigentlich ein typischer Singer-Film oder lies sich Singer da auch von Nolan beeinflussen?

Aldridge 12.06.2014, 09:54
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Nein, der Film ist (zum Glück) ein Singer-Film. Das ist es, was ich oben mit "mit Herz und Fingerspitzengefühl" meinte. Diese gewisse Kälte und überzogene Ernsthaftigkeit, die den Dark Knight-Filmen innewohnten, hatte der Film nicht. Der Film nimmt sich ausreichend Zeit für längere Dialog- und Story-Passagen und findet dabei immer die richtige Balance zwischen Drama und Humor. Fühlt sich trotz des größeren Rahmens und der anderen Zeit schon an wie X-Men 2 (und übernimmt auch die Stärken von First Class).

X-Men im Nolan-Stil oder sogar mit der Anmutung von Man of Steel - *brrrrrr*, hoffentlich werden wir davor noch ein Weilchen verschont. Wenn ich das richtig sehe, kommt jetzt zunächst ein dritter Wolverine-Film, für den wieder James Mangold auf dem Regiestuhl Platz nehmen soll. Fände ich gut. Wenn nun Matthew Vaughn zum Franchise zurückkehrte, wäre das ein Fest - und angesichts der Pläne für eine X-Force-Film, der eine Story seines Kumpels Mark Millar berücksichtigen könnte, auch naheliegend.

horner1980 12.06.2014, 10:20
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Gut, dass er die Stärken von "First Class" übernimmt.. das war ja klar, denn bei "First Class" hatte ja Singer auch enorm seine Finger mit dabei, was man dem Film auch sehr anmerkt. Er sollte da ja auch zuerst Regie führen, jedoch wegen "Jack and the Giants" konnte er das nicht. Also Regie war nicht drin, aber als Produzent seine Ideen durchbringen dann schon. Erinnert mich fast ein wenig an die Poltergeist-Geschichte mit Spielberg und Holland.

Ja, dass James Mangold wohl für den nächsten "Wolverine" zurückkommt, finde ich auch gut, denn sein "Wolverine"-Film war schon eine andere Klasse als der, meiner Meinung nach enttäuschende, aber doch unterhaltsame erste "Wolverine"-Film.

Bin echt gespannt, was da nun passiert. Fox hat da nun die Chance genützt, das Franchise wieder richtig zu beleben, nachdem man es fast mit "X-Men III" und dem ersten "Wolverine"-Film versaut hätte, dessen Filme zwar auch unterhaltsam waren, jedoch mit denen von Singer und auch von Mangold nicht mithalten können.

Da sie nun auch noch Singer als sogenannter "Joss Whedon von X-Men" am Bord haben, ist ein echter Glücksfall, denn Singer ist als Regisseur eine starke Nummer.

Aldridge 12.06.2014, 10:36
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Poltergeist: Spielberg und Hooper. Zwinkernder Smiley Wobei Spielberg da wohl so sehr eingriff, weil der gute Tobe das nicht so richtig auf die Reihe bekam. Vaughn traue ich da schon deutlich mehr zu, außerdem dürfte er auch das richtige Selbstvertrauen mitbringen. Ich fand´s auch eine großartige Leistung von ihm, da er nach Kick-Ass so kurzfristig bei First Class an Bord kam.

Singer ist wohl nicht allein ausschlaggebend für ein X-Men-Franchise nach MCU-Vorbild. Wenn ich das richtig gesehen habe, ist vor allem Simon Kinberg als Autor damit betraut worden, die X-Men MCU-mäßig für Fox auszubauen. Welche Regisseure dann zum Zuge kommen und wie Kinberg selbst das mit seinem Star Wars-Engagement unter einen Hut bekommt - mal abwarten.

Was alle gegen den Wolverine-Origins-Film haben, kann ich nur schwer nachvollziehen. Habe den letztens noch direkt vor Wolverine gesehen und fand den wieder mal richtig gut. Redundant zu X-Men 2 - ok. Auch Deadpool wird verballert. Aber als Film für sich funktioniert das Ding doch sehr gut.

horner1980 12.06.2014, 10:46
Betreff: Re: X-Men - Die Filme

Ich weiß nicht, für mich ist der zu sehr auf Hochglanz gemacht.. hatte gute Momente.. Taylor Kitsch als Gambit fand ich sehr gelungen, genau wie Liev Schreiber als Sabretooth und natürlich Jackman, der Wolverine nicht spielt... nein, er ist Wolverine und mit seiner Darstellung als Logan wertet er jeden Film auf, jedoch der Rest war irgendwie zu glatt.. zu sehr auf ein cooles Bild getrimmt. Musikalisch hat er auch nicht bei mir funktioniert. Naja es hat einfach nicht gefunkt, aber unterhaltsam war er. Also er war keine Vollkatastrophe wie der seelenlose Man of Steal Zwinkernder Smiley
Man hatte einfach noch das Bild vom genialen zweiten X-Men-Film im Kopf.

Ach ja hier das Interview mit John Ottman.. ihr sollt es heute mal zuerst bekommen.
Ab etwa 4:30 spricht er über X-Men

https://vimeo.com/98015996

Es ist nur Audio.. jedoch das Interview selber war via Skype-Video.. und Anne hat mir erzählt, wie er die Augen gerollt hat, als er über das Konzept der Musik sprach. Also seine Mimik sprach da echt Bänder und teilweise kann man das auch raushören.