Aldridge 17.08.2014, 10:06
Betreff: Re: Cloud Atlas

So, jetzt hatte ich dank einer ausgewachsenen Halsentzündung doch mal genug Muße, mir einige Dreistünder anzuschauen, die ich schon länger vor mir hergeschoben hatte, darunter eben auch Cloud Atlas.

Grundsätzlich hat mir der Film sehr gut gefallen. Insbesondere das Stilmittel der permanenten Zeitwechsel trägt dazu bei, dass der Film zu keinem Zeitpunkt langweilig wird, sondern im wahrsten Sinne abwechslungsreich. Ganz nebenbei unterstreicht dies eigentlich perfekt die Aussage, dass alles mit allem in Verbindung steht. Schauspielerisch und handwerklich gibt es wirklich nichts zu bemängeln und inhaltlich wird ein bunter Reigen der Emotionen von tiefster Melancholie bis hin zu absurd-komischen Passagen geboten. Insofern gibt es am Film an sich wenig zu bemängeln.

Die berechtigte Frage kann allerdings lauten, ob sowohl Autor als auch Filmemacher mit diesem epischen Großprojekt nicht hemmungslos über das Ziel hinausgeschossen sind. Einerseits bietet der Film wirklich einen ganzen Strauß an philosophischen Ansatzpunkten, die aber in der Masse ein bisschen "aufgeweicht" wirken und in einem kleinen, fokussierten Drama vielleicht gezielter hätten vermittelt werden können. Hinzu kommt, dass die einzelnen Geschichten durch ihre Verbindung zwar einen schönen Reiz entwickeln, jede für sich aber trotz der epischen Laufzeit nicht genug Raum besitzt, um mehr zu sein als nur eine Skizze, ein Fragment. Hinzu kommt, dass sie inhaltlich keine wirklich eigenen Ideen entwickeln. Teilweise sind sie in ihrer Ausprägung gerade marginal (die Schiffsreise), teilweise reine Kopien bereits existierender Ideen (der Atomskandal à la Silkwood oder die Dystopie à la Soylent Green - worauf der Film sogar selbst Bezug nimmt).

Kurz gesagt: Der Film ist ein gelungenes filmisches Experiment, das einerseits unterhaltsam ist, andererseits zum Interpretieren einlädt. Aber irgendwie bleibt die Frage, ob man da nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen hat. Weniger ist zuweilen halt mehr. Zwinkernder Smiley

Leusel 17.08.2014, 10:42
Betreff: Re: Cloud Atlas

Es war vor allem die anstrengende Überlänge und die daraus resultierende Frage nach der Aussage des Films, die nach 3 Stunden leider unweigerlich aufkommt, die mich doch etwas enttäuscht zurück ließ. Es fehlte nach meinem Geschmack der so genannte "Mind-Blow". Zwinkernder Smiley

Aldridge 17.08.2014, 14:20
Betreff: Re: Cloud Atlas

Ich fand die drei Stunden durchaus gut gefüllt und alles Gebotene sehr interessant (manches mehr, manches weniger Zwinkernder Smiley ). Aber bei den Inhalten hat das Drehbuch halt mit der großen Büchse geschossen und breit gestreut. Wie gesagt: etwas fokussierter, ein zwei Geschichten weniger, das hätte es auch getan. Zum Beispiel die Geschichte rund um den Verleger Cavendish war zwar hochvergnüglich (Tom Hanks sollte als Dermot Hoggins mal einen Film mit Tom Cruise als Les Grossman machen Grinsender Smiley ), aber irgendwie auch überhaupt nicht zielgerichtet und entsprechend entbehrlich.

Ich frage mich, ob das in alter Autorenfilmer-Manier besser funktioniert hätte: drei Filme à 30 Mio. Dollar Budget und 90 Minuten Laufzeit, die inhaltlich die gleichen Themen behandeln und lose zusammenhängen. So Krzysztof Kieślowski-mäßig... Grinsender Smiley