Das Brötchen 24.11.2010, 12:21
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Zitat von Aldridge:
Entindividualisierung ist ein bisschen hart. In einzelnen Bereichen wird halt eine gepflegte Kleidung vorausgesetzt. Das ist der Anzug. Gleichzeitig zeugt er von einem gewissen Respekt dem Kunden oder Geschäftspartner gegenüber. Da kann man aber immer noch genug persönliche Akzente setzen, ohne gleich "assimiliert" zu werden bzw. sich willfährig assimilieren zu lassen.

Der Anzug zeugt nur insofern von einem gewissen Respekt, als das man damit die Erwartungshaltung des Geschäftspartners befriedigt (Fremdbestimmtheit). Das gleiche ist es, wenn gepflegte Kleidung, also der Anzug "vorausgesetzt" wird.

Interessant ist hier in vielen Umfeldern, einmal einen Blick auf die Kleidungsgepflogenheiten der Frauen zu werfen - wo die Männer mit Anzug herumrennen, finden sich nicht selten Frauen die so ziemllich jeden modisch möglichen Fehlgriff machen... und keiner beklagt sich. Da tritt mir in der Bank eine Filialleiterin mit Strickpulli und Holzperlenkette gegenüber oder eine andere rennt mal einen Tag lang in ihren Reitstiefeln herum. Kein Vergleich zur Männerwelt.
Andersherum weiß ich von (ziemlich großen, in der Fortune 500 gelisteten) Unternehmen, in denen in bestimmten Bereichen sehr deutlich zu sehen ist, an welchen Tagen eine Führungskraft mal Kundenkontakt hat, an den anderen wird auch schonmal Birkenstock getragen.

Ebenso interessant finde ich die Beobachtung, daß die "Anzugspflicht" vielfach umso ausgeprägter wird, je weiter sich ein Unternehmen vom produzierenden Gewerbe weg entfernt.

Aber das mal nur am Rande, sonst werde ich noch wegen ot in einer pyramide verbuddelt. *g

Aldridge 24.11.2010, 12:28
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Off-Topic:
Ich sagte ja: Missverständnis. Ich meinte, dass Anzugträger oft mit angepassten und fremdbestimmten Personen gleichgesetzt werden. Viele lehnen es ab, sich mal in das edlere Tuch zu hüllen, weil sie sich dann gleich zu angepasst fühlen. Ist Blödsinn. Natürlich entspricht man damit gewissen Erwartungen, fremdbestimmt bis ins Denken hinein ist man aber noch lange nicht. Da gibt es einen feinen Unterschied. Hinzu kommt, dass gewisse Styleguides (ja, ich weiß, Anglizismus) ganz einfach erprobte Kleidungsregeln darstellen. Es gibt ein sehr schönes Buch von Jeremy Hackett dazu, der aufzählt, welche Stile ganz einfach seit 50 oder 100 Jahren gut funktionieren - und das noch in 50 oder 100 Jahren tun werden.

Ist genauso wie mit dem Blaumann des TÜV-Angestellten oder der weißen Jacke des Kochs. Da redet komischerweise auch niemand von Fremdbestimmung, obwohl eine weiße Jacke in der Küche genauso "praktisch" ist wie es ein Anzugsakko wäre. Nu aber back to topic.

Das Brötchen 24.11.2010, 19:32
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Off-Topic:
Zitat von Aldridge:

Ist genauso wie mit dem Blaumann des TÜV-Angestellten oder der weißen Jacke des Kochs. Da redet komischerweise auch niemand von Fremdbestimmung, obwohl eine weiße Jacke in der Küche genauso "praktisch" ist wie es ein Anzugsakko wäre. Nu aber back to topic.

die Kochjacke, ebenso wie ein Blaumann hat eine Schutzfunktion. Ich weiß von einem namenhaften Betrieb in der IT-Branche, daß dort bis in die 80er Jahre hinein die Techniker z.B. zum Kopierer und Drucker reparieren grundsätzlich mit Anzug, weißem Hemd und Krawatte zum Kunden mussten. Um den Anzug zu schützen zogen sie dann vor Ort einen weißen "Arztkittel" über. Da die Tonerrückstände sich nicht auswaschen lassen und somit das Aussehen nicht mehr angemessen war, wurden die Kittel dann alle paar Tage weggeworfen und durch neue ersetzt.
Ein Anzugsakko hingegen wirst Du genau einmal in der Küche mit Tomatensauce tränken...

Kochjacken werden in der Küche über der normalen Kleidung getragen um diese zu schützen und sauber zu halten. Ebenso hat das Halstuch der Köche primär eine Schutzfunktion. Kochjacken sind aus Materialien die besonders hitzebeständig sind. Ebenso sind Blaumänner aus besonders abriebfesten Materialien. Die weiße Farbe der Kochjacke hat übrigens auch einen ganz einfachen Grund: Kochkleidung verschmutzt sehr stark und wird dementsprechend häufig und intensiv gereinigt - weiße Stoffe halten hier länger. Es gibt inzwischen aber durchaus auch farbige Kochjacken.
Ein Anzugsakko ist heutzutage einfach nur noch unpraktisch. Den Damen zuliebe werden beispielsweise bei uns die Büros im Winter auf 23° gehalten... das Sakko, wie auch die Weste entstammt einer Zeit, als im Winter noch Bürotemperaturen von 18° keine Ausnahme waren. Dementsprechend schwitze ich heute schon, wenn ich nur Hemd und zugehörendes Unterhemd am Arbeitsplatz trage.

Es mag sein, daß man nicht durch das Tragen eines Anzugs bis ins Denken hinein fremdbestimmt ist - doch ginge es beim Anzug darum, "elegant" zu wirken, dann würden heutzutage nicht so viele Anzüge im Schnitt eines beärmelten Kleidersackes direkt von der Stange weg getragen. Zwinkernder Smiley Wer sich auch heute noch bei einer Bank um einen Ausbildungsplatz bewirbt hat (Aussage eines Ausbildungsleiters) keine Chance, wenn er Piercings oder als Mann Ohrringe hat. So etwas nenne ich dann durchaus fremdbestimmt (wobei sich das Denken durchaus im Laufe der Zeit einem Umfeld anpassen kann).

Aldridge 24.11.2010, 19:57
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Off-Topic:
Ich wusste, dass die Nummer mit der Schutzfunktion kommt. Zwinkernder Smiley

Klar, Schutzfunktion, warum aber eine weiße Kochjacke? Warum nicht einfach eine Schürze oder - Achtung - ein Blaumann oder eine andere Schutzjacke? Warum ausgerechnet Weiß, die anfälligste aller Farben? Mal im Ernst: Es geht darum, den Anzug als Arbeitskleidung genauso zu akzeptieren wie jede andere Arbeitskleidung auch. Natürlich wird ein Anzug in einem eleganteren Umfeld getragen, aber das lässt nicht automatisch auf die Denke der Träger schließen.

Zur Fremdbestimmung: Ich erwarte von jedem Berufsbild gewisse Eigenschaften. Dazu gehört, dass ein Koch oder ein Arzt auf Hygiene achten, dass ein Mechaniker handwerklich begabt ist und keine Angst vor Schmutz hat und dass jemand im Kundenkontakt oder in einer gewissen Stellung freundlich und anständig gekleidet ist, und zwar mit Anzug. Dazu gehört auch, dass ich im Bankenbereich niemandem mein Geld anvertraue, der schon rein äußerlich keinen entsprechenden Eindruck hinterlässt (er mag eine Koryphäe sein, das bringt ihm aber nicht viel, wenn er keinen seriösen Eindruck macht und kein Vertrauen erweckt). Insofern, ja, liegt eine Fremdbestimmung vor. Jedoch habe ich schon häufig die Erfahrung gemacht, dass diese Leute im Gespräch deutlich lockerer und oftmals anders rüberkommen, als die konservative Kleidung dies suggerieren mag. Jeder ist verschieden und hegt seine Spleens auch ein Stück weit am Arbeitsplatz. Insofern, nein, liegt keine Fremdbestimmung bis ins Denken vor.

Ein Anzugsakko oder auch ein Legersakko halte ich keineswegs für unpraktisch. Es ist eine elegante Oberbekleidung. Ich selbst bin z.B. Hemdenträger und hasse Pullover, weil ich mich darin einfach nur eingeengt fühle. Bevor ich mir im Winter aber nun im Büro einen Ast abfriere (nein, ich heize nicht auf tropische Temperaturen hoch, weil ich es nicht vertrage), werfe ich mir ein Sakko über. Das hat nichts mit einer verzogenen Attitüde (oder Fremdbestimmung) zu tun, es ist für mich ganz einfach das praktischere Kleidungsstück zum Wärmeschutz. Und es sieht auch noch besser aus als ein Pulli. Tja, wenn man schlankere und elegantere Anzüge von der Stange sucht, muss man z.B. einfach mal zu René Lezard oder Joop greifen, die haben recht hübsche, schlank geschnittene Stücke. Joop hat übrigens vor zwei Jahren auch den Zweireiher wiederbelebt.

Bitte lass uns diese unsinnige Diskussion beenden. Es geht hier um eine Nebenbemerkung, die ich auch noch in Klammern gesetzt hatte. Wir können natürlich noch weiter Haare spalten. Aber ich denke, es kommt zum Thema Dresscode schon ganz gut rüber, was ich eigentlich meinte, oder? Zwinkernder Smiley

"Indy" Hans 24.11.2010, 20:07
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Und unser herzlicher Dank, für das hijacken dieses Threads, obwohl ich nur wenige Posts früher um Zurückhaltung gebeten hatte, geht an:

*Trommelwirbel / Tusch*

Aldridge & das Brötchen

Vielen Dank an euch Beide!

Largo 24.11.2010, 20:35
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Na dann einfach mal die bitte an die Admins ob man das ganze nicht abtrennen könnte in nen eignen Thread.

Raider 24.11.2010, 21:03
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Posts aus Threads zu einem neuen Thread zusammenfügen geht nicht. Jedenfalls nicht soweit ich weiß.
Des Weiteren ging es in den vorigen Posts weitesrgehend um Anzüge. Spätere Posts wurden als OT gekennzeichnet. Von daher sehe ich von meiner Seite keinen Grund, hier in irgendeiner Art und Weise einzugreifen.

Lars Vader 24.11.2010, 21:54
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Wird leider zu selten getragen ...
Dateianhänge:
Unbenannt-3.jpg (Dateigröße: 299,81 KB)
Unbenannt-2 Kopie.jpg (Dateigröße: 311,42 KB)

Aldridge 24.11.2010, 21:57
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Die Spectators sehen cool aus. Die sieht man leider wirklich zu selten. Jedoch würde ein schwarzer oder grauer Hut besser passen.

Insgesamt aber cooles Outfit.

Lars Vader 24.11.2010, 22:28
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Danke
War nicht ganz einfach die Schuhe in meiner Größe zu bekommen. Der schwarze Hut steht ganz oben auf meiner Wunschliste (mit der grauen Option hast du mir jetzt einen Floh ins Ohr gesetzt)

"Indy" Hans 25.11.2010, 07:00
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

@Lars:

Sehr cooles Outfit. Direkt passend zu meinen Eingangsbildern Grinsender Smiley Da wäre die "Gang" (Anspielung auf die Bewaffnung) dann schon mal 3 Mann stark (Erik, Lars und Hans) Lachender Smiley

Lars Vader 26.11.2010, 16:37
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Eine Gang... ich bin dabei Lachender Smiley
Klasse Fotos von dir ... Hut ab

azrael 26.11.2010, 16:40
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

mensch vader, wie ein mafioso. sieht toll aus.

gorr 26.11.2010, 18:13
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

@Lars Vader: Darf man fragen, woher die Spectators stammen und was sie in etwa gekostet haben? Sind ja heutzutage nur schwer (und teuer) zu bekommen.
Die braune Hose gefällt mir auch sehr. Gibt'S dafür einen bestimmten Ausdruck, oder anders: wo finde ich solche Hosen? ^^
Wär fein, wenn du mir weiterhelfen könntest. Zwinkernder Smiley

Lars Vader 26.11.2010, 18:43
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

@Gorr: Hose und Schuhe hab ich aus dem Juke Jive Shop. Die Hose ist eine Arbeiterhose aus den zwanzigern ( Worker 30 im shop ).
Die Schuhe hab ich auch in einem Tanzschuh-Shop gesehen, waren aber nicht ganz so schick (Tangoschuhe Havanna glaub ich... )
Viel spass beim stöbern
http://www.juke-jive.de/

gorr 27.11.2010, 11:29
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Hey, danke.

Kahnert 28.11.2010, 11:27
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Danke für den Link.
Schaut echt super aus.

PepiloJones 28.11.2010, 13:57
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Sehr schöne Anzüge die Herren, Glückwunsch!

Kahnert 28.11.2010, 14:20
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Mal eine Frage:

ich mach nächstes Jahr bei nem Freund den Trauzeugen in der Kirche.
Er trägt sowas hier:

http://www.herrenausstatter.de/...42844.html

Dunkelbraun, mit Streifen.
Jetzt heißt es ja, der TZ sollte sich amBräutigam orientiern, ihn aber nicht "ausstechen".
Habt ihr Erfahrungen? Stresemann ist vermutlich overdressed.
Ich tendiere zu dunkelbraun ohne Streifen, Schwarz oder dunkegrau.

Hm... schwierig. Aber das wäre ne gute Begründung für nen grauen Henry... Zwinkernder Smiley

Aldridge 15.12.2010, 14:56
Betreff: Re: Der Anzug-Thread

Kleine Meldung zum Thema Dresscode: http://web.de/magazine/finanzen/geld/11811742-schweizer-bank-ubs-erlaesst-strikten-dres
scode.html#.A1000107

Das geht mir schon ein "bisschen" zu weit, auch wenn die Herren es hier leichter haben... Übrigens ist es vor dem Hintergrund solcher Dresscodes nach wie vor ein Hohn, dass der Anzug beim Finanzamt noch immer nicht als Arbeitskleidung abgesetzt werden kann.