Aldridge 24.09.2017, 20:21
Betreff: Re: Der letzte Film

Alien: Covenant - Ein Zwitter, der die undankbare Aufgabe hat, die Monster-Action eines Alien mit der Philosophie eines Prometheus zusammenbringen zu müssen. Das führt dazu, dass der Film zur Hälfte die Tonart wechselt und unentschlossen wirkt. Aber: Alles großartig inszeniert mit tollen Dialog- und genauso Terrorszenen. Ganz nebenbei installiert Ridley Scott mit Michael Fassbender einen beeindruckenden neuen Kino-Bösewicht. - 7 / 10

Kingsman: The Golden Circle - Abgefahrene Ideen im Familienpack, dazu einfallsreiche gefilmte Actionszenen, also eigentlich alles bestens. Leider tappt der Film in die Höher-Weiter-Schneller-Fortsetzungsfalle und ist etwa 20 Minuten zu lang. Das führt zu gehetztem Stillstand. Abzüge in der B-Note für die übertriebene und wenig elegante Gewalt. Pluspunkte für einige Gesangseinlagen und Elton. Macht in Summe... - 7 / 10

Europa Report - Erforschungs- und Erstbegegnungs-Science Fiction im Found Footage-Stil. Trotz geringen Budgets offensichtlich mit Herzblut umgesetzt und sorgfältig inszeniert. Dazu ein paar ordentliche Schauspieler. Hilft aber alles nichts, wenn die Story nicht stimmt. Und die ist so spannend wie ein Stück Brot inklusive schwachem Ende - 6 / 10

American Ultra - Erfrischend neue Idee, eine Agenten-Story mit einem Kiffer-Film zu paaren. Gab´s noch nicht, gibt Extra-Punkte. Jesse Eisenberg hatte auch sichtlich Bock drauf. Zudem gibt´s eine nette Kristen Stewart und - die veredeln jeden Film - John Leguizamo, Bill Pullman und Walton Goggins. Allerdings sind die Action recht generisch und die Story selbst überraschungsarm. Filmisches Zwischendurch-Häppchen. - 6 / 10

Aldridge 26.09.2017, 08:54
Betreff: Re: Der letzte Film

Terminator: Genisys - Angefixt durch die gestrige Diskussion in die Zweitsichtung genommen, und da hat er nochmals verloren. Die erste halbe Stunde macht Lust auf mehr, aber danach gibt´s nur noch übertriebene und generische Action und statt einer neuen Story lediglich Variationen des Bekannten. Emilia Clarke leidet am Kleine-Mädchen-Syndrom und ist zu keiner Zeit glaubhaft als Sarah Connor. - 5 / 10

American Psycho - Mit der Verfilmung des Kultbuchs eine Wissenslücke geschlossen. Großartige Umsetzung der Satire aufs 80er-Jahre-Yuppietum, welche eine herrlich entmenschlichte Atmosphäre schafft, die eine explizite visuelle Darstellung von Grausamkeiten gar nicht mehr nötig hat. Christian Bale IST Patrick Bateman und schafft einen erstaunlichen Spagat zwischen den wahnsinnigen und den humorigen Seiten seiner Figur. - 9 / 10

Pascal 26.09.2017, 09:22
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Aldridge:
Terminator: Genisys - Angefixt durch die gestrige Diskussion in die Zweitsichtung genommen

Dein schriftlich formulierter Eindruck deckt sich zu 100% mit meiner eigenen Meinung nach der Erstsichtung. Aus desem Grund habe ich bislang auch noch kein 2tes Mal reingeschaut. Thumbs down

Aber warum bekommt de Film bei Dir trotzdem noch 50%? Bei mir würde dies bedeuten, dass die guten und schlechten Eindrücke ausgewogen vertreten sind.

Aldridge 26.09.2017, 09:41
Betreff: Re: Der letzte Film

Ja, genau das beachte ich immer: Das Gute im Schlechten und das Schlechte im Guten sehen. Kein Film (ok, nur wenige Filme) ist total schlecht.

In diesem Fall: Genisys bringt einen schon ganz ok über die Zeit. Den Anfang fand ich gut, wenn auch nicht gut inszeniert, der Start im Jahr 1984 liefert genau das, was er sollte (Nostalgie für die ollen Fans), und später gibt es auch noch ein paar ordentliche Szenen, etwa das Wett-Waffenladen zwischen Jay Courtney und Arnold zu der Musik. 4 / 10 oder 3 / 10 passt dann schon eher auf einen Film, der wirklich versagt.

2015 kamen ja noch andere Franchise-Filme ins Kino, welche die Story ihrer großen Vorgänger lediglich variiert oder sogar kopiert haben, z.B. Jurassic World oder vorneweg The Force Awakens. Verglichen damit bemüht sich Genisys ja sogar noch um etwas Eigenständigkeit. Irgendwie... Zwinkernder Smiley

Leusel 26.09.2017, 10:41
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Aldridge:
2015 kamen ja noch andere Franchise-Filme ins Kino, welche die Story ihrer großen Vorgänger lediglich variiert oder sogar kopiert haben, z.B. Jurassic World oder vorneweg The Force Awakens. Verglichen damit bemüht sich Genisys ja sogar noch um etwas Eigenständigkeit. Irgendwie... Zwinkernder Smiley

Wunder mich nur, was sie dann bei Teil 6 groß anders machen wollen. Arnie und Hamilton sind ja auch wieder dabei. The Terminator Awakens? Zwinkernder Smiley

Pascal 26.09.2017, 10:57
Betreff: Re: Der letzte Film

@Aldridge: lieben Dank für die zusätzliche Erklärung, wie man die Benotung zu verstehen hat.

Das macht ja jeder ein wenig anders. Bei mir bekommen wirklich versagende Filme 0/10 oder maximal 1/10 Punkte. 5/10 bekommt hingegen ein Film, der keine nennenswerten "Fehler", aber auch nur wenige Glanzlichter zu bieten hat - ein durchschnittlicher Film also, bei dem ich nicht umschalte, wenn er im Fernsehabendprogramm zu sehen ist. "Genisys", den ich textlich absolut genauso wie Du beschreiben würde, bekäme dementsprechend bei mir 3/10 Punkte, was für mich enen deutlichen Abstand zu den 0/10 und 1/10-Filmen bedeutet.

Aldridge 26.09.2017, 12:15
Betreff: Re: Der letzte Film

Ja, deshalb habe ich es bislang immer für totalen Kappes gehalten, Filme auf einer Punkteskala zu bewerten. Ein Bild bewertet man ja auch nicht mit Punkten so nach dem Motto: Mona Lisa: 7 / 10, Der Schrei 8 / 10, Sitzende Frau 3 / 10, Der Sohn des Menschen 10 / 10 etc. Da ich aber meine Rezensionen stark verkürzt habe mangels genereller Resonanz, bin ich dann doch zum Punktesystem übergegangen.

Keine Fehler, keine Glanzlichter, ein Film, bei dem ich nicht umschalte - das trifft für mich ganz gut auf Genisys zu. Er hätte in vielerlei Hinsicht besser sein können. Das Drehbuch ist unnötig verschwurbelt, die Besetzung teilweise unglücklich (wobei ich Jai Courtney definitiv nicht fehlbesetzt finde), die Inszenierung schwerfällig etc. etc. Aber andererseits haben sich die Macher schon irgendwie Gedanken darüber gemacht, was sie servieren. Und Schauwerte hat es zweifellos auch einige.

Was in Teil 6 nun wirklich anders sein soll, weiß ich auch nicht mehr. Vielleicht finden Cameron und Miller ja noch einen Dreh, wenn sie direkt an T2 andocken. Vielleicht einfach John Connors Geschichte linear weitererzählen zu Beginn der Apokalypse oder so...

Aldridge 30.09.2017, 17:24
Betreff: Re: Der letzte Film

Welt am Draht - Fassbinders Adaptation des SciFi-Romans Simulacron-3, der für Matrix Pate stand und diverse andere "Was ist Realität?"-Storys beeinflusste. Fassbinder inszeniert gewphnt langsam und führt seine Figuren wie Puppen durch die Szenerie, was mit Blick aufs Thema sehr passend ist. Die Besetzungsliste ist der Hammer und die Kamera-Arbeit von Michael Ballhaus einfach ein Traum. Erinnert auch daran, dass es in Deutschland mal eine Zeit gab, in der sich Filmemacher an anspruchsvollen SciFi-Projekten versuchten (und versuchen durften). - 9 / 10

Pascal 01.10.2017, 15:05
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Aldridge:
Erinnert auch daran, dass es in Deutschland mal eine Zeit gab, in der sich Filmemacher an anspruchsvollen SciFi-Projekten versuchten (und versuchen durften).

Was ist denn dann mit Cloud Atlas? Zu anspruchslos, nicht deutsch genug und/oder bereits zu lange her?

Aldridge 01.10.2017, 17:53
Betreff: Re: Der letzte Film

Ein vereinzeltes (gutes) Projekt, das 40 Jahre hinterher dröppelte und sich vor allem durch deutsches Geld auszeichnete (s. auch Pandorum von Christian Alvart). Wenn ich dann Wolfgang Menges Millionenspiel, Wolfgang Henschels Alpha Alpha sowie diverse Projekte von Rainer Erler dagegen halte... Was kam danach? Die im Feuilleton ungeliebten Mainstream-Versuche von Roland Emmerich und Peter Fleischmanns Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein. Dann hört es aber auch sehr schnell auf.

The Huntsman & The Ice Queen - Unverdient verrissene Fortsetzung des Snow White-Films mit Kristen Stewart. Der Streifen ist immer dann am besten, wenn er einen Blick in seine Märchenwelt gewährt, die stellenweise an ähnlich gelagerte Filme aus den 80ern erinnert. Die Story verdient keinen Oscar, ist aber deutlich strammer inszeniert als beim Vorgänger und haut einem die Unlogeleien auch nicht so offen um die Ohren. Oben drauf gibt´s dann wieder tolle Musik von James Newton Howard. Ja, ganz ordentlicher Eskapismus für zwei Stunden. - 7 / 10

High-Rise - Dystopische Gesellschaftssatire nach J.G. Ballard, die zwar im Grey Britain der Thatcher-Ära verortet ist, aber durchaus noch Aktualität besitzt. Von Ben Wheatley toll gefilmt, montiert, vertont und mit allerlei Verfremdungseffekten gespickt. Nach der Hälfte geht der Story aber leider die Puste aus. Der Übergang von den latenten Spannungen zwischen den Akteuren zur offenen Anarchie geht viel zu schnell. Und danach fällt den Machern leider nichts mehr ein, als eine 70er-Jahre-Orgie und Gewaltszene an die andere zu reihen. Trotzdem wuchtig. - 7 / 10

Pascal 01.10.2017, 20:48
Betreff: Re: Der letzte Film

"es ist nicht leicht ein Gott zu sein" ist noch immer einer meiner absoluten Lieblingsfilme (schwärm).

Zitat:
Was kam danach?

Ich würde es eher so sehen, dass irgendwann die meissten SF-Filme entweder von den ganz großen US-Filmkonzernen oder in unternatonaler Zusammenarbeit entstanden sind, da sie ja doch eher relativ teuer sind.

Bedeutende SF-Filme "danach" mit deutscher Beteiligung gibt es doch wirklich einige, nicht nur die bereits von Dir genannten Highlights oder die Resident Evil-Reihe:

http://www.moviepilot.de/...eutschland

Eine ungewöhnlich große Lücke sehe ich da in den letzten Jahreszahlen eigentlich nicht.

Dabei auch ganz neu: "Jugend ohne Gott"

Aldridge 01.10.2017, 21:26
Betreff: Re: Der letzte Film

Dann haben wir da - völlig überraschend - mal wieder eine andere Wahrnehmung. Zwinkernder Smiley

Ich habe ja von anspruchsvoller SciFi gesprochen. Die 70er waren anscheinend einfach eine gute Zeit für Dystopien, die brauchten auch nicht viel Geld für Spezialeffekte und dergleichen. Die Filme, die dann von Lucas und Spielberg Ende der 70er kamen, hatten das Fantasy-Kino halt ziemlich beeinflusst. Emmerich legte mit seinem Studentenfilm (Arche Noah-Prinzip) noch einen ganz hintersinnigen Streifen vor, aber was von ihm danach kam, war weder anspruchsvoll (Moon 44) noch SciFi (Joey, Hollywood Monster).

Boy 7, Blueprint und Die kommenden Tage würde ich genremäßig noch Ambitionen zusprechen. Aber die sind irgendwie auch in der Nische untergegangen. Nichts von dem hat zu seiner Zeit Beachtung gefunden wie Welt am Draht, Operation Ganymed, Das Blaue Palais oder - wenn man das dazu zählen will - Smog.

Inwiefern ist Jugend ohne Gott SciFi? Da könnte man eher Thomas Lehrs 42 verfilmen...

Pascal 01.10.2017, 21:46
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Aldridge:
Dann haben wir da - völlig überraschend - mal wieder eine andere Wahrnehmung. Zwinkernder Smiley

ist ja nicht das erste Mal, finde ich gut

Zitat von Aldridge:
Ich habe ja von anspruchsvoller SciFi gesprochen.

Anspruch ist natürlich ziemlich relativ. Im Zweifelsfall ist das jeder Spielfilm oder auch keiner irgendwie.

Zitat von Aldridge:
Inwiefern ist Jugend ohne Gott SciFi?

Da sind sich zumindest ich, Wikipedia und IMDB einig.

[url=https://de.wikipedia.org/wiki/Jugend_ohne_Gott_(2017)]https://de.wikipedia.org/wiki/Jugend_ohne_Gott_(2017)[/url]

http://www.imdb.com/...fn_al_tt_1

Pascal 01.10.2017, 21:52
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Aldridge:
Nichts von dem hat zu seiner Zeit Beachtung gefunden

Das ist ja auch nicht das Thema: siehe deine Aussage, die mich iritiert hat:
Zitat von Aldridge:
Erinnert auch daran, dass es in Deutschland mal eine Zeit gab, in der sich Filmemacher an anspruchsvollen SciFi-Projekten versuchten (und versuchen durften).

Aldridge 01.10.2017, 21:59
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Pascal:
Anspruch ist natürlich ziemlich relativ. Im Zweifelsfall ist das jeder Spielfilm oder auch keiner irgendwie.

Sehr theoretischer Einwand. Dann wäre zum Beispiel Albert Pyuns Cyborg auf einem Level mit Andrew Niccols Gattaca.

Zitat von Pascal:
Da sind sich zumindest ich, Wikipedia und IMDB einig.

[url=https://de.wikipedia.org/wiki/Jugend_ohne_Gott_(2017)]https://de.wikipedia.org/wiki/Jugend_ohne_Gott_(2017)[/url]

Ok, wenn die das sagen... Zwinkernder Smiley

Wann kamen denn nach den 70ern so viele deutsche SciFi(!)-Filme in der Häufung ins Kino und ins Fernsehen wie im genannten Zeitraum, die auch für Nachhall gesorgt haben? Und damit meine ich nicht nur deutsches Geld aus irgendwelchen Filmfonds.

Zitat von Pascal:
Das ist ja auch nicht das Thema: siehe deine Aussage, die mich iritiert hat:
Zitat von Aldridge:
Erinnert auch daran, dass es in Deutschland mal eine Zeit gab, in der sich Filmemacher an anspruchsvollen SciFi-Projekten versuchten (und versuchen durften).

Ich meinte deutsche Filmemacher. Wenn man so Erbsen zählen will, wäre Cloud Atlas schon mal zu zwei Dritteln hinfällig, denn da waren die Wachowskis am Werk. Zwinkernder Smiley

Pascal 01.10.2017, 22:59
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Aldridge:
Sehr theoretischer Einwand.

Was bleibt uns bei einem Qualitätsmerkmal, dass sich nicht messen lässt anderes übrig? Für mich ist alles anspruchsvoll, was mich persönlich auf neue Gedanken bringt und nach em Konsum ein wenig mit stiller Philosophiererei über den Kern des Pudels beschäftigt.

Zitat von Aldridge:
Ok, wenn die das sagen... Zwinkernder Smiley

Siehst Du das etwa anders? Was ist denn dann deine persönliche Definition von SF?

Zitat von Aldridge:
Ich meinte deutsche Filmemacher. Wenn man so Erbsen zählen will, wäre Cloud Atlas schon mal zu zwei Dritteln hinfällig, denn da waren die Wachowskis am Werk. Zwinkernder Smiley

Also ein bis zwei Tykwers pro Film reichen mir völlig. Da bin ich anspruchslos. Zwinkernder Smiley Und wenn dazu noch irgendwo ein Arndt im Team mitmischt, sind mir auch Hülsenfruchtmengen nicht mehr wichtig. Egoistischer Smiley

Toth 02.10.2017, 06:53
Betreff: Re: Der letzte Film

Alien Covenant

Schick inszeniert - keine Frage. Natürlich, bei Ridley Scott. Aber vielleicht ist es ja nur ein privates Problem von mir, dass ich nie wissen wollte, wo das Xenomorph überhaupt herkommt. Je mehr Erklärungen die Prequels darüber liefern, desto weniger unheimlich und myteriös erscheint die Mission der Crew der Nostromo im Rückblick. Naja, der Film endet ja mit einem Cliffhanger. Weitere Fortsetzungen werden wohl noch mehr "Lücken" schließen.

Leusel 02.10.2017, 06:55
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Toth:
Alien Covenant

Schick inszeniert - keine Frage. Natürlich, bei Ridley Scott. Aber vielleicht ist es ja nur ein privates Problem von mir, dass ich nie wissen wollte, wo das Xenomorph überhaupt herkommt. Je mehr Erklärungen die Prequels darüber liefern, desto weniger unheimlich und myteriös erscheint die Mission der Crew der Nostromo im Rückblick. Naja, der Film endet ja mit einem Cliffhanger. Weitere Fortsetzungen werden wohl noch mehr "Lücken" schließen.

Geplant ist es auf alle Fälle, aber sonderlich erfolgreich war ja Alien Covenant nicht gerade...

Aldridge 02.10.2017, 09:46
Betreff: Re: Der letzte Film

Zitat von Pascal:
Was bleibt uns bei einem Qualitätsmerkmal, dass sich nicht messen lässt anderes übrig? Für mich ist alles anspruchsvoll, was mich persönlich auf neue Gedanken bringt und nach em Konsum ein wenig mit stiller Philosophiererei über den Kern des Pudels beschäftigt.

Allerdings gibt es auch ganz objektive Maßstäbe, und da existieren natürlich anspruchsvollere und weniger anspruchsvolle Werke. Wenn dich dann aber ein Cyborg genauso zum Philosophieren bringt wie ein Gattaca oder ein Predator genauso wie Uhrwerk Orange, ist das doch gut. Zwinkernder Smiley

Zitat von Aldridge:
Siehst Du das etwa anders? Was ist denn dann deine persönliche Definition von SF?

Es gibt nicht DIE Definition von SciFi. Das Genre ist in alle Richtungen offen und daher schwer zu fassen.

Bei Jugend ohne Gott sage ich ja: Wenn DIE das sagen, dann muss es wohl SciFi sein. Ich kenne die Vorlage nicht und habe beim Überfliegen lediglich was von "Drittes Reich" und "Religion" gelesen. Deshalb habe ich oben ja die Frage gestellt: Inwiefern ist Jugend ohne Gott SciFi?

Zitat von Aldridge:
Also ein bis zwei Tykwers pro Film reichen mir völlig. Da bin ich anspruchslos. Zwinkernder Smiley Und wenn dazu noch irgendwo ein Arndt im Team mitmischt, sind mir auch Hülsenfruchtmengen nicht mehr wichtig. Egoistischer Smiley

Ändert nichts an meiner Aussage: Ich fand, dass die 70er anscheinend ne gute Zeit gewesen sind, in der sich einige Filmschaffende mit SciFi beschäftigt und einige bemerkenswerte Werke geschaffen haben. Diese haben damals dann auch für erstaunliche Reaktionen beim Zuschauer gesorgt und Diskussionen ausgelöst - siehe Das Millionenspiel. Eine ähnliche Tendenz sehe ich heute weder bei deutschen Filmemachern noch beim deutschen Publikum.

Muss man aber vielleicht auch in den zeitlichen Kontext einordnen. Die ganzen Vertreter des Neuen Deutschen Films wandten sich etwa zu der Zeit vermehrt von Gegenwartsthemen ab und suchten bewusst Stoffe, die - zumindest auf dem Papier - nicht ganz so "publikumsfeindlich" waren. Fassbinder mit Welt am Draht, Syberberg mit Karl May, Schaaf mit Traumstadt, Lommel mit Zärtlichkeit der Wölfe, Wenders mit Der scharlachrote Buchstabe, Herzog mit Aguirre etc. etc.

Pascal 02.10.2017, 12:45
Betreff: Re: Der letzte Film

alles gute Argumente von Dir; die lasse ich mal so stehen

Zitat:
Ich kenne die Vorlage nicht und habe beim Überfliegen lediglich was von "Drittes Reich" und "Religion" gelesen. Deshalb habe ich oben ja die Frage gestellt: Inwiefern ist Jugend ohne Gott SciFi?

ach so, dachte die Vorlage und der die aktuelle Verfilmung seien beide bekannt, hier dazu einfach ein Zitat von Wikipedia:

Zitat:
Um den Stoff für Jugendliche interessant zu machen, wird er für den Film in die nahe Zukunft versetzt [...] : „Statt des Faschismus herrscht in unserem Film eine starke Gewinner-Verlierer-Gesellschaft. Die, die in der Gesellschaft oben sind, stehen in einem harten Konkurrenzkampf“, sagte Gsponer. Weiter erklärte der Regisseur in einem Interview mit der Aargauer Zeitung, warum sein filmische Adaption des Romans in der Zukunft spielt: „Wir haben lange recherchiert, bevor wir zu diesem Entschluss gekommen sind. Wichtig in diesem Prozess war, von Jugendlichen direktes Feedback zur Geschichte zu erhalten. Ich habe dazu eine Schulklasse befragt, die den Roman im Unterricht lesen musste. [...] Es galt herauszufinden, von welchen Aspekten der Geschichte sie sich angesprochen fühlen. [...] Im Gegensatz zum faschistischen System bei Horvath sind es heute die sozialen Medien und der durch sie entstandene Konkurrenzkampf, der die Jugendlichen beeinflusst.“ Zur Erklärung, warum sich Yardim in der Rolle des Lehrers in seinem Film nicht so sehr mit Gott auseinandersetzt, wie in der literarischen Vorlage, sagte Gsponer: „Gott steht bei Horvath für Wahrheit, Werte und Liebe. Man könnte es also auch Jugend ohne Werte nennen. Die heutige Jugend kennt keine Werte mehr. Das war einer der Gründe, weshalb wir es anders interpretiert haben. Es geht nicht primär um das Gottlose, sondern um die Kritik an den fehlenden humanistischen Werten.“

mit anderen Worten: das Buch war keine SF, aber der Film von 2017 schon