Komplettes Thema anzeigen 20.11.2009, 10:48
Jens Abwesend
Administrator
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Wohnort: Berlin


Betreff: Re: Gesellschaftsentwicklung, (Wirtschafts-)Ethik, ;Moralverfall oder -Wandel? etc.
Zitat von Daniel:
ARD Repotragen z.B. würde ich fast (wenns um die wesentlichen Aussagen geht) blind vertrauen. Das ist für mich keine Beeinflussung, das ist (in den allermeisten Fällen) ein Stück weit Wachrüttelung, Information, Statusbericht. Ich finde das geht wieder am Thema vorbei, wenn man nun versucht an dem anzusetzten, der es "ausspricht". Die von mir genannten Dinge sind doch einfach (im Grunde, von der Tendenz her) FAKT. LEIDER! Das ist meine Meinung.

P.S. Muss man selbst all diese Dinge am eigenen Leib erfahren, um sie als existent wahrzunehmen? Zum Glück nicht. Zungestreckender Smiley

Blindes Vetrauen ist in den seltensten Fällen von Vorteil. Selbst einer ARD-Reportage gegenüber. Ich hatte Dir bereits an anderer Stelle ans Herz gelegt, die Dinge zu hinterfragen und hier und da selbst einmal auch andere Quellen heranzuziehen. Hast Du Dir für all die Themen die Du oben aufführst einmal eine Statistik angeschaut? Wie sehr haben sich denn Gewalt, Armut, Terrorismus etc. vervielfacht? Und wievieles davon haben erst die - in der Tat im Vergleich zu "früher" wachsenden und vielfältigeren Medien zu echten "Brennpunktthemen" gemacht?
Nein, die Welt steht nicht am Rande des Abgrunds - jedenfalls nicht mehr oder weniger als zuvor. Zumindest, wenn man es allein auf die gesellschaftlichen Aspekte bezöge, die Du oben bringst (in Bezug auf Umweltzerstörungen, die drohende Überbevölkerung oder Rohstoffverknappung und dergleichen mag es anders aussehen - allerdings hat hier ein (wenn auch sehr langsamer) Wandel eingesetzt, der allein weil das entsprechende Bewußtsein nun eher vorhanden ist, als zu Zeiten der Industriellen Revolution, die Entwicklungstendenz (die ja in diesem Falle negativ ist) umkehrt.

Aber zurück zu Deinen Beispielen: Finanzkrise? Alles andere als angenehm, für die ernsthaft Betroffenen sogar u.U. vernichtend unangenehm. Aber das waren die anderen vergleichbaren Krisen zuvor auch ... und es mag sich zynisch anhören, aber es ist keineswegs so schlimm wie 1929 - das war in der Tat eine Weltwirtschaftskrise.
Terrorismus und Krieg? Kein Phänomen der letzten Jahre. Auch vor 9/11 gab es internationalen und lokalen Terrorismus, Kriegsherde und Konfliktsituationen. Unzählige.
Kinderarmut? Du bist darauf aufmerksam geworden, weil es zunehmend auch in unseren Medien thematisiert wird, nehme ich an? Für die Schere zwischen "arm und reich" mag das selbe gelten. Wirf nur einen Blick auf das Berlin der 20er Jahre oder Chicago in der selben Zeit.

Ich verstehe Deine Empörung und schätze den Einsatz, mit dem Du Dich offenen Auges mit den gegenwärtigen Krisen auseinandersetzt - aber der "Blick zurück" kann helfen, die Verhältnisse zurecht zu rücken. Versteh' mich nicht falsch - ich will hier nichts schön reden oder alles durch die rosa Brille betrachten. Ja, wir haben gegenwärtig Probleme. Ja, es sind harte Zeiten. Ja, wir sollten an einer Lösung arbeiten. Aber: nein, es geht nun nicht alles den Bach runter. Das sind gesellschaftliche Zyklen (die selbstverständlich von vielen Faktoren
beeinflusst werden), die in der Vergangenheit nicht zum Ende allen Seins geführt haben und es auch jetzt nicht tun werden.

Dir sind meine Zitate oben bitter aufgestoßen, deshalb hoffe ich, Du vergibst mir, dass ich mit noch einem schließe (ich liebe Zitate einfach, aber das dürfte inzwischen schon aufgefallen sein Zwinkernder Smiley ):

"Der Optimist glaubt, dass wir in der besten aller Welten leben. Der Pessimist fürchtet, dass dies wahr ist." (James Branch Cabell)

Das trifft diese Diskussion meines Erachtens ganz gut ... es kommt eben auf den Blickwinkel an und die Richtung, in die man schaut.