Komplettes Thema anzeigen 22.06.2009, 17:29
Jens Abwesend
Administrator
Dabei seit: 04.11.2002
Wohnort: Berlin


Betreff: Re: Bundeslade gefunden
Na ja, "gefunden" ist reichlich euphorisch.
Es ist bereits seit einigen Jahren (Jahrhunderten, um genau zu sein) bekannt, dass eine Gruppe äthiopischer Juden in der Gegend um Axum behauptet, die Bundeslade zu hüten. Um die Geschichte abzukürzen: Als die Königin von Saba König Salomon einen Besuch abstattete, zeugten beide einen Sohn - Menelik. Der hat später wohl seinen Vater in Jerusalem besucht und - wir sprechen hier immer noch von Legenden - die Bundeslade mitgenommen (ob gestohlen oder mit Wissend es Vaters, darüber gehen die Erzählungen auseinander). Seither wird nun also diese vermeintliche Lade in einer der Felsenkirchen Axums von einem Mönch gehütet - sagt man. Kann man nicht nachprüfen, denn außer diesem Wächtermöch bekommt niemand die Lade zu Gesicht. Es gibt allerdings jährlich ein Fest - das sog. "Timkat-Fest", bei welchem "Kopien" der Lade, sog. "Tabots" herumgetragen werden. Ich habe selbst eines dieser Tabots in Augenschein nehmen können und kann behaupten, dass die reichlich klein ausfallen, v.a. in Anbetracht der Beschreibung des Kastens im Alten Testament.
Nachlesen kann man das alles übrigens - ich gebe zu, das war ein recht grob zusammengefasster Parforceritt in Graham Hacocks "Die Wächter des Heiligen Siegels" (1994).

Was Deine Freundin vielleicht zu Ihrem aufgeregten Telefonat gebracht hat, waren jüngste Meldungen (recht zweifelhafter Kredibilität übrigens), der zufolge die (äthiopische) Lade am vergangenen Freitag der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte (vgl. : Ark of the Covenant to be Revealed June 19th (millennialfreemason.com, 17.06.2009)) - was natürlich nicht der Fall war.

Und dann gab es ja im vergangenen Jahr noch die doch recht ... suggestiven Meldungen über die Hamburger Kollegen, die in Äthiopien nicht nur den Palast der Königin von Saba entdeckt haben wollen, sondern auch gleich noch einen "Altarraum", der der Unterbringung der Lade gedient haben solll (vgl.: Harald Eggebrecht, Neues von der Königin von Saba (sueddeutsche.de, 08.05.2008) und Hamburger Forscher entdecken Palast der Königin von Saba (archaeologie-online.de, 07.05.2008)).

Schlussendlich sollten auch Tudor Parfitts Forschungen in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Er machte den südafrikanischen Stamm der Lemba ausfindig, deren genetischer Code einige interessante Übereinstimmungen mit dem der jüdischen Priesterkaster der Cohens aufweist und Parfitt zu der Annahme bringt, hier den legendären "verlorenen Stamm" Israels ausfindig gemacht zu haben. Interessanter Weise hüten die Lemba einen geheimnisvollen religiösen Gegenstand, der "Ngoma Lundgundu" genannt wird und ein "göttliches Feuer" emittiert und nicht berührt werden dürfe (die Parallelen zur Beschreibung der alttestamentarischen Bundeslade sind treffend). Oder man sollte besser sagen "hüteten", denn obwohl Parfitt dieses an eine Trommel erinnernde Objekt vor Jahren noch selbst gesehen haben will, ist es nun mehr aus dem Museumsdepot, in dem es aufbewahrt worden sein soll verschwunden (vgl.: David Van Biema, A Lead on the Ark of the Covenant (TIME.com, 21.02.2008).

Wieder einmal viel Lärm um nichts also, scheint es ...