Betreff: RE: kaum was los hier
Okay, das ist 'ne längere Geschichte ...
Das "Ding" wurde Ende der 90er von zwei Raubgräbern (mit Metallsonde - böse, böse!) gefunden und verscherbelt. Irgendwann sind Archäologen drauf aufmerksam geworden, haben vorgegeben, das Ding kaufen zu wollen - und die Typen in Handschellen abführen lassen. Die ganze Story ist seeeehr amüsant, v.a. wenn der beteiligte Archäologe sie erzählt, witziger Typ der Mann ...
Wie dem auch sei, es handelt sich dabei um eine Bronzescheibe mit Goldeinlage, die den Sternenhimmel mit Voll- und Sichelförmigem Mond darstellt. Das gebogene ist eine Schiff, eine sog. "Sonnenbarke", weit verbreitetes religiöses Symbol in der Bronzezeit (vgl. dem Kreuz der Christen). Der Sternenhaufen (die 7 kreisförmig angeordneten Sterne) stellt übrigens die Plejaden dar.
Womit wir bei der Datierung wären: frühe Bronzezeit, also etwa 3600 Jahre alt! Damit ist dies die älteste (!) kosmologische Darstellung der Welt (!). Und es kommt noch besser: Der Berg, auf dem die Scheibe gefunden wurde beherbergte eine Art Observatorium. Mit Hilfe der Scheibe konnte man zwei weitere Berge anpeilen, die genauen Zyklen von Mond und Plejaden ermitteln und so die optimalen Jahreszeiten für Aussaat und Ernte bestimmen.
Scheibe und Observatorium datieren im übrigen in etwa die selbe Phase wie Stonehenge (und scheinen eine ähnliche Funktion zu haben). Man stelle sich dieses astronomische Wissen vor, dass wir unseren (steinzeitlichen !) Vorfahren nie zugetraut hätten.
Und in der nächsten Grabungskampagne werd' ich mal schuen, ob ich da nich' noch so'n Ding finde ...
Aber die ganze Geschichte ging doch durch die Medien ... ihr habt schon was davon mitbekommen. Das ist wirklich DER bedeutendste Fund der letzten Jahre, wahrscheinlich sogar seit der Entdeckung des Grabes von Tut-ench-Amun. Oder wie mein Prof. kürzlich meinte: "Der Fund des Jahrtausends; was nicht viel bedeuten muss angesichts dessen, dass das Jahrtausend erst ein paar Jahre alt ist."
@Balou: Wegen dem östlichen Mittelmeerraum. Die Technik und das Bildrepertoire stammt daher, die Scheibe ist einheimisch - das Kupfer stammt definitiv aus der Fundgegend!
[Editiert von IndyJens am Dienstag, 10.Februar 2004 um 18:45]