Komplettes Thema anzeigen 13.08.2008, 23:25
Marc Abwesend
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Wohnort: Reeßum


Betreff: Re: Ich schmeiss mich weg....(limitierter Dorfman Indy- Fedora)
Es liegt mir fern hier irgend jemanden Vorwürfe zu machen andere Hüte mit unseren zu vergleichen. Ich kann das nicht genug begrüßen Grinsender Smiley

Man sollte sich nur vor Augen halten, dass weder Steve noch ich davon leben könnten und die meisten anderen Hutmacher müssen von ihren Einnahmen schon etwas mehr kaufen können als sich hin und wieder mal 'ne neue Lederjacke Zwinkernder Smiley

Aber ich gebe gerne eine möglichst objektive Einschätzung des eigentlichen Marktwertes (ohne Lizenz) ab. Ich fine 350-450$ wäre ein angemessener Preis für den Hut. Da würde ich auch den Biberfilz von Borsalino einstufen (aber der Markenname anscheinen mehr wert als die Lizenz Zungestreckender Smiley ). Für den Preis sind die materialien und die Arbeit gut bezahlbar und selbst ein Wiederverkäufer findet hier noch einen solider Deckungsgrad (auch wenn das der eine oder andere Wiederverkäufer etwas anders sieht, wie ich selber gerade feststelle...). Aber mit Zwischenverkäufer wie i.v.F. wäre 450$ durchaus angebracht. Vorteil Hersteller: es können größere Mengen an Zwischenverkäufe verkauft werden und mit größeren Mengen erziehlt man natürlich bessere Einkaufspreise.

Das ist ein Vorteil den kleinere Hutmanufakturen wie z.B. Optimo ihn nicht haben. Die müssen Mindestabnahmemengen an Filz, Hutband, Schweißbändern und Futter kaufen (=hohe Kapitalbindung) einhalten und dann einfach hoffen, dass die Kunden das kaufen. Mit entsprechend höheren Roherträgen muss da dann schon gerechnet werden, um überhaupt im Geschäft zu bleiben.

Um wirklich RICHTIG gut davon leben zu können gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man macht tatsächlich sehr hochwertige Hüte und lässt dann auch keine Zweifel daran, dass man der einzige Hutmacher in der Welt ist, der noch traditionell Hüte macht (dann kann man auch schonmal 2500¤ verlangen, wie ein Hutmacher in Wien, der zu meiner Überraschung eine Nähmaschine benutzt und noch einige andere Statements abgibt die nachweislich einfach schwachsinnig sind), oder man hält die Preise halbwegs moderat und spart den verloren Gewinn dann anderweitig wieder ein (10% Kaninchen in den "100% Biberfilz" mischen, maschinelles schleifen, maschinelles blocken etc. etc. etc.). Das sind Dinge die selbt vom Fachmann an einem neuen Hut nur SEHR schwer zu überprüfen sind, aber meistens merkt es der Kunde nachdem der Hut mal "so richtig" getragen wurde selber recht schnell.

Ok, die Antwort ist jetzt doch etwas länger geworden...

Gruß,

Marc