Betreff: Re: Griaß Gott aus Wien
Zitat von Norman:Ich finde deinen Vergleich von Daniel Craig und NS-Spitzen geschmacklos und nicht angebracht
Schön... aber ich bleibe dennoch bei der Meinung dass Craig durchaus ein "deutsches" Gesicht hat. Wäre ich Regisseur und würde ich einen Film über den Nationalsozialismus drehen und würde ich einen Bösewicht brauchen, dann wäre Craig sicher einer der ersten an die ich denken würde. Und übrigens: wo hab ich ihn mit der NS-Spitze verglichen?
Es gibt gewisse Schauspielertypen die für gewissene Rollen prädestiniert sind. Craig kann meiner Meinung nach sicher viel besser den Bösewicht spielen und wäre gut für solche Nazi-Rollen geignet (also rein optisch jetzt). Die Rolle von Vogel aus Last Crusade wurde ja auch nicht mit John Candy besetzt.
Zitat von Norman:Sandmann, du warst noch nie in Deutschland?
Da fällt mir urplötzlich ein gewisser Satz ein: "Mein Sohn, wir sind Pilger in einem gottlosen Land"! Muss sich in mein Unterbewußtsein eingegraben haben.
@Nationalsozialismus: wir wurden auch mit dem Zeug vollgepumpt. Aber ich finde das ist nichts schlechtes. Man sollte gerade über diese dunkle Epoche gut informiert sein und wissen was passiert ist. Irgendwo hab ich mal gelesen dass bei einer Befragung von englischen Schulkindern über 60% nicht wussten wer Hitler war. Hab auch mit ungefähr gleichaltrigen bzw. jüngeren Menschen gesprochen und fand zu meinem Entsetzen heraus dass manche nicht mal wissen von wann bis wann der 2.WK war.
Zudem ist unsere (=meine) Lehrergeneration die gewesen die damals während ihres Studiums nichts von dieser Zeit vermittelt bekommen hat weil ihre Professoren "vorbelastet" waren und alles "totgeschwiegen" wurde. Erst durch intensivstes Selbststudium bekamen sie das Wissen, denn von Seiten der Lehrer endete die Zeitgeschichte bei 1930. Jedenfalls hat unsere Geschichtslehrerin uns das so erzählt. Es ist daher verständlich dass man uns das näherbringen wollte, und speziell die 68-er Generation Aufarbeitung leisten wollte. Wie kann man das besser als indem man Kinder und Jugendliche unterrichtet. Gut dass wir in der Schule die Wahrheit gehört (und gesehen) haben und unser Wissen über diese Epoche sich nicht auf die Binsenweisheiten der ewig Gestrigen oder der niemals Entnazifizierten beschränkt hat. Gibt sicher viele die ehemalige Nazis in ihrer Familie hatten. Ich konnte mit meinen Großvätern nicht über diese Zeit sprechen, da sie vor meiner Geburt gestorben sind. Aber ich will nicht wissen welches Bild sie mir aus dieser Zeit vermittelt hätten. Als Jugendlicher ist man leicht beeinflussbar.
Hab auch die Zeitzeugen ganz gut gefunden, denn wenn man mal die Tränen in den Augen eines Menschen sieht, dann beginnt man vieles erst wirklich zu verstehen. Bücher sind eine Sache, aber das war gelebte Geschichte. Irgendwo steht geschrieben: "Niemals vergessen!"... das sollte uns alle zum nachdenken geben. Der 2.WK war der blutrünstigste Krieg aller Zeiten und jeder sollte wissen was da passiert ist um es in der Zukunft nicht noch einmal passieren zu lassen. Leute wie Hitler lehren uns den Demagogen der heutigen Zeit zu misstrauen und politische Prozesse kritisch zu hinterfragen. Sie vermitteln uns das nötige Maß an Skepsis um nicht irgendwem blindlings zu folgen. Mein TV-Tipp/Buch-Tipp: Die Welle. Kann ziemlich schnell gehen, wenn man die Prozesse nicht hinterfragt.
Abschließend möchte ich meinen kurzen Exkurs mit einem berühmten österreichischen Zitat enden lassen: "Lernen sie Geschichte!"... also nicht: "vergessen sie Geschichte!"
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mal editiert, das letzte Mal am 02.08.2008, 23:06 von Sandmann.