Komplettes Thema anzeigen 16.06.2008, 08:47
Phaidon Abwesend
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Betreff: Re: Der ultimative "So finde ich Indy 4!" Thread
So, nachdem ich mir den Film jetzt zum zweiten Mal angesehen habe, und sich meine Eindrücke vom ersten Mal kaum verändert haben, wage ich jetzt auch mal den Versuch einer Betrachtung. Allgemein ist es ja so, dass man Filme (und andere "Kunst") ja erst nach Jahren so richtig einschätzen kann. In Bezug auf Indy 4 vermute ich allerdings, dass sich die jetzigen Auffassungen nur wenig an die spätere Lage anpassen werden. Und leider muss ich sagen, dass ich zu den vielen harten Indy-Fans hier im Forum gehöre, die den neuen Indy schlicht nicht gut finden, um es mal brav auszudrücken.

Schon die Vorgeschichte des Films ließ ja einiges erahnen, wobei ich hier im Nachhinein nicht als der große Besserwisser à la "Ich hab's euch ja gesagt!" erscheinen will. Aber es ist nun mal Tatsache, dass George Lucas Anfang der Neunziger diese Idee mit den Kristallschädeln hatte, und nichts anderes mehr als MacGuffin für einen etwaigen Indy-Film in Frage kam. Ford und Spielberg wiesen das zurück, wohl wissend, dass dieser Stoff für einen Streifen, der mit dem Letzten Kreuzzug auf Augenhöhe ist, nicht reichte. Und alle bis auf Lucas erstmal wenig Lust auf einen weiteren Indy hatten und sich dieser nun der neuen Star-Wars-Trilogie widmete, versank das Projekt. Irgendwann packte ihn aber wieder das Indy-Fieber und leider hielt er an seiner Grundidee fest und wurschtelte so lange mit Skripts rum, bis Ford(der nun auch wieder die Lederjacke anziehen wollte) und Spielberg(der nun Lust auf ein bissche Spaß hatte) schließlich Ja sagten. Zentrale Aspekte des Drehbuchs vom Kristall-Indy hatte Lucas schon seit Anfang der Neunziger im Kopf und gab diese als feste Szenen vor, so zum Beispiel der Atombombentest, das Ende mit der Fliegenden Untertasse und viele weiteren Inhalte des neuen Films. Alle Autoren von Jeb Stuart über Frank Darabont bis schließlich David Koepp versuchten, aus diesen Grundkonzepten ein Drehbuch zu stricken. Warum nun aber gerade das wohl schlechteste von David Koepp angenommen wurde, ist angesichts der Qualitäten eines Spielberg völlig schleierhaft. Wahrscheinlich hatte er von all dem Drehbuch-Hickhack die Nase voll. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie ein so erfahrener Kinomagier wie er ein solch fast schon dilettantisches Skript verfilmen konnte. Wobei sich ja nun kürzlich zeigte, dass auch das Darabont-Skript, insofern es denn echt ist, was da im Internet kursiert, nicht viel besser war.

Letztendlich sehe ich also das Drehbuch als zentralen Grund für das Scheitern des neuen Indy an. Wie dargelegt, waren die Voraussetzungen(Story-Gerüst von Lucas) nicht die besten, wie auch schon lange vor Kinostart bekannt war - viele Fans zeigten sich ja schon sehr skeptisch angesichts solcher Filmorte wie Area 51 oder Akator. Alle hatten aber irgendwie die Hoffnung, dass trotzdem ein guter Indy-Film dabei herauskommen würde. Ich ging eigentlich fest davon aus, dass sich der Kristallschädel qualitativ zwischen dem Tempel des Todes und den beiden Geniestreichen Teil 1 und 3 einreihen würde - aber weit gefehlt. Der neue Indy ist der schlechteste von allen.

So viel erstmal dazu, woran es meiner Meinung nach liegt, dass "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" nicht funktioniert.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 16.06.2008, 08:48 von Phaidon.