Betreff: Re: Der letzte Film
„The Founder“ (2016) ist ein verdammt bitteres, packendes Lehrstück über Raubtierkapitalismus. Der gescheiterte Vertreter Ray Kroc (Michael Keaton) entdeckt 1954 das geniale Schnellrestaurant der Brüder Mac und Dick McDonald (John Carroll Lynch und Nick Offerman). Er bläst das Franchise auf, bootet die gutgläubigen Gründer über Immobiliengeschäfte skrupellos aus und stiehlt ihnen am Ende sogar den eigenen Namen. Als besonderes Detail bleibt mir die Tennisplatz-Szene im Kopf, in der die Brüder die Küchenabläufe wie ein Ballett mit Kreide choreografieren – das zeigt die wahre Innovation vor Krocs Übernahme. Michael Keaton spielt diesen egoistischen Mistkerl Ray Kroc ziemlich charismatisch, aber ausbeutend. Die 50er-Jahre-Kulisse ist zudem exakt getroffen. Das letzte Drittel allerdings hetzt mir zu schnell durch die Jahre, wodurch Krocs finaler moralischer Absturz dramaturgisch etwas oberflächlich bleibt. Der Film tut weh, weil er zeigt, dass nicht die Erfinder gewinnen, sondern das seelenlose Konzerngebilde mit Verschlimmbesserungswahn und nimmersatten Geldgebern und Anteilseignern mit Kapitalismuserblindung. Ein desillusionierendes Drama, das von mir 8 von 10 selbstgemachte 🍔 erhält. Streambar aktuell in der ZDF-Mediathek.