Betreff: Re: Der letzte Film
Als leidenschaftlicher Freund von historischen Kinofilmen hat mich das Drama The Choral (2025) von Regisseur Nicholas Hytner wirklich bewegt. Man wird mitten ins Jahr 1916 in das nordenglische Dorf Ramsden versetzt, wo der Erste Weltkrieg eine schmerzhafte Lücke hinterlassen hat: Fast alle Männer des lokalen Chors kämpfen an der Westfront. Um die Tradition zu retten, begleitet der Film den strengen, gerade aus Deutschland zurückgekehrten Dr. Henry Guthrie – absolut brillant und vielschichtig gespielt von Ralph Fiennes –, der mangels Alternativen eine Gruppe junger, kurz vor der Einberufung stehender Männer rekrutiert. Neben Fiennes sind auch die pointierten Auftritte der britischen Schauspielgrößen wie Roger Allam, Mark Addy, Alun Armstrong und Simon Russell Beale hervorzuheben. Gemeinsam erarbeiten sie ein mächtiges Oratorium, das den Jugendlichen Halt in einer düsteren Zeit gibt. Besonders fasziniert haben mich die kraftvollen, emotionalen Chorszenen und die detailgetreue visuelle Umsetzung des historischen Yorkshire. Ein kleiner Wermutstropfen war für mich jedoch, dass die Story einige spannende gesellschaftliche Nebenschauplätze nur oberflächlich anreißt und das Erzähltempo stellenweise sehr behäbig ausfällt, wodurch der Spannungsbogen etwas flach bleibt. Für mich ist der Film ein leises, aber ungemein berührendes Werk über die tröstende Kraft der Musik und den Wert von Gemeinschaft in Krisenzeiten. Ich vergebe für dieses Schauspiel 7 von 10 kraftvolle Stimmen. Streambar auf Netflix.