Betreff: Re: Artefakte und ihre realen Hintergründe
Im Film
Auf der Kommode in Venedig, steht eine Statue als Dokoration.
Im Spiel
Im Marshall College steht ebenfalls die geflügelte Statue und im Irak die Nabustatue
Realität
Vom neunten bis zum siebten Jahrhundert v. Chr. regierten die Könige von Assyrien über ein riesiges Reich, das sich im Nordirak konzentrierte. Der große assyrische König Ashurnasirpal II (r. 883–859 V. Chr.), unternahm ein umfangreiches Bauprogramm in Nimrud, dem alten Kalhu. Bis es unter Ashurnasirpal Hauptstadt wurde, war Nimrud nicht mehr als eine Provinzstadt.
Die neue Hauptstadt nahm eine Fläche von etwa neunhundert Hektar ein, um die Ashurnasirpal eine Schlammziegelmauer baute, die 120 Fuß dick, 42 Fuß hoch und fünf Meilen lang war. In der südwestlichen Ecke dieses Gebiets befand sich die Akropolis, in der sich die Tempel, Paläste und Verwaltungsbüros des Reiches befanden. Im Jahr 879 V. Chr. Ashurnasirpal veranstaltete ein Fest für 69.574 Menschen, um den Bau der neuen Hauptstadt zu feiern, und das Ereignis wurde durch eine Inschrift dokumentiert, die lautete: "die glücklichen Menschen aller Länder zusammen mit den Menschen von Kalhu - zehn Tage lang habe ich sie geschlemmt, getrunken, gebadet und geehrt und sie in Frieden und Freude in ihre Heimat zurückgeschickt."
Die sogenannte Standardinschrift, die über die Oberfläche der meisten Reliefs lief, beschrieb Ashurnasirpals Palast: "Ich habe darauf [einen Palast mit] Hallen aus Zeder, Zypresse, Wacholder, Buchsbaum, Teakholz, Terebinth und Tamarisk gebaut [?] als meine königliche Wohnung und für das dauerhafte Freizeitleben meiner Lordschaft." Die Inschrift fährt fort: "Tieren der Berge und der Meere, die ich aus weißem Kalkstein und Alabaster geformt hatte, hatte ich in ihren Toren aufgestellt. Ich habe es [den Palast] angemessen imposant gemacht." Unter diesen Steintieren ist der hier abgebildete geflügelte Löwe mit menschlichem Kopf. Die gehörnte Kappe zeugt von seiner Göttlichkeit, und der Gürtel signalisiert seine Kraft. Der Bildhauer gab diesen Wächterfiguren fünf Beine.
Nimrud
Nimrud ist der moderne Name der altorientalischen Stadt Kalchu. Deren Ruinen liegen 30 km südsüdöstlich von Mossul (heutiger Irak) am mittleren Tigris im Gouvernement Ninawa. Im 13. Jahrhundert v. Chr. gegründet, wurde Nimrud im 9. Jahrhundert unter König Assurnasirpal II. Hauptstadt des Assyrischen Reiches. 612 v. Chr. wurde es von Medern und Chaldäern zerstört.
Der Name Nimrud wird von dem biblischen König Nimrod abgeleitet. Wann die Ruine diesen Namen erhielt, ist nicht bekannt. Die erste schriftliche Erwähnung Nimruds geht auf Carsten Niebuhr zurück, der die Stadt 1766 besuchte.
Ausgrabungsgeschichte:
Bereits 1846 machte Sir Austen Henry Layard erste Ausgrabungen vor allem auf der Akropolis. Es kamen Reste großer Palast- und Festungsbauten zum Vorschein. Man fand ebenso zahlreiche Alabasterreliefs und Elfenbeinschnitzereien sowie Obelisken und monumentale Figuren. 1955 wurden bei Grabungen von Max Mallowan im Nabû-Tempel von Nimrud Keilschrifttafeln mit Eiden für Vasallen und assyrische Machtträger aus dem Jahr 672 v. Chr. gefunden, die für die assyrische Vertragsrhetorik aufschlussreich sind und damit auch für die israelitische Bundestheologie, die sie nachahmt.
Zerstörungen durch den Islamischen Staat:
Anfang März 2015 wurde bekannt, dass Terroristen des Islamischen Staats begonnen hätten, die archäologischen Stätten Nimruds mit Baggern zu zerstören. In der Ideologie der Terrororganisation gelten die Statuen und Abbildungen als Abgötterei, die nicht mit dem Islam vereinbar sei. Archäologen und Altertumswissenschaftler reagierten weltweit mit Empörung und Entsetzen.
Am 12. April 2015 wurde ein Video verbreitet, das die Sprengung und wohl vollständige Zerstörung der antiken Stadt zeigt.
Im Zuge der Schlacht um Mossul eroberte die irakische Armee im Herbst 2016 Nimrud zurück. Am 13. November wurde die Befreiung Nimruds offiziell bestätigt. Die Antikenstadt gilt als fast völlig zerstört.
Tempel und Ziqqgurat
Der
Nabû-Tempel, einer oder der Ezide, befindet sich im Südosten der Akropolis von Nimrud. Es handelt sich dabei um einen großen, trapezförmigen Komplex von etwa 70 m Seitenlänge, der sowohl Kulträume als auch einen Thronsaal und Räume mit vielen anderen Funktionen enthält.
Der Ninurta-Tempel und die vermutlich zugehörige
Ziqqurrat befinden sich auf der Zitadelle nördlich des Nordwestpalastes. Der Tempel bestand aus einer breiträumigen Vorcella, mit den Maßen 6 × 13,60 m und einer langräumigen Cella von 7 × 20 m Größe, sowie aus mehreren Wirtschaftsräumen. Mallowan nimmt außerdem an, dass ein Nebenheiligtum in dem an die Vorcella nördlich angrenzenden Raum existierte. In diesem wurde von Layard eine Stele Assurnasirpals II. und ein runder Opfertisch mit drei Löwenfüßen gefunden.
Die Tür der Vorcella säumten zwei menschenköpfige,
geflügelte Torlöwen, die circa 4,5 m lang und 5 m hoch waren. Die Vorcella selbst war mit Wandbemalungen und der Innenraum der Cella mit glasierten Ziegeln geschmückt.
Angeschlossen an die Tempel erhob sich die
Ziqqurrat mit einer quadratischen Grundfläche von 60 m Seitenlänge. Die ursprüngliche Höhe des Tempelturms wurde von Layard auf 60 m geschätzt. Archäologisch ist er allerdings nur schlecht erschlossen worden, weshalb über seine genaue Verbindung mit dem Tempelgebäude nur wenig bekannt ist. Der Aufgang auf die Ziqqurrat konnte bis heute ebenfalls nicht sicher rekonstruiert werden. Sie stand auf einer Terrasse aus Lehmziegeln, das Fundament bestand aus Steinquadern.
Es wird angenommen, dass der gesamte Tempelkomplex zusammen mit anderen Gebäuden auf der Akropolis gegen Ende der neuassyrischen Zeit (entweder 614 oder 612 v. Chr.) zerstört wurde.
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| Rekonstruktion des alten Nimrud | geographische Lage |
Quellen: metmuseum.org/Wikipedia
Fabian
Nichts schockiert mich, ich bin Wissenschaftler
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mal editiert, das letzte Mal am 11.02.2026, 13:34 von Fabilousfab.