Betreff: Re: Indy im TV
Meine
Zusammenfassung aller 5 Indiana Jones Filme, nachdem ich in den letzten Tagen das Angebot von Joyn testete:
1935 startet das große Leidens- und Lederjackenepos von Dr. Henry „Indiana“ Jones Jr. mit Tempel des Todes, einer Art alptraumhaftem Betriebsausflug, bei dem Indy noch jünger, etwas zynischer und definitiv mies gelaunt ist: Nach einer chaotischen Nachtclub-Schießerei in Shanghai (mit Diamanten, Gift und einem Flugzeug ohne Treibstoff, „ganz normaler Arbeitstag“) landet er mit Sängerin Willie Scott und dem Sidekick Short Round in Indien, wo Kinder verschwinden, Herzen aus Brustkörben gezogen werden und ein finsterer Thuggee-Kult glaubt, schwarze Magie sei in Ordnung. Indy verliert zwischendurch seinen freien Willen, seine Peitsche und fast seine Geduld, findet aber alles rechtzeitig wieder, rettet Kinder, überlebt mit seinen Begleitern eine Loren-Achterbahnfahrt und zeigt, dass Archäologie für Indy vor allem aus Prügeleien, Schweiß und sehr schlechter Work-Life-Balance besteht.
Ein Jahr später,
1936, ist Indy in Jäger des verlorenen Schatzes etwas gesetzter und tritt gegen die Nazis an, die ebenfalls Altertumsforscher spielen, nur mit schlechterem Benehmen und deutlich mehr Uniformen. Die Suche nach der Bundeslade führt von Südamerika über Nepal nach Ägypten, begleitet von Ex-Freundin Marion Ravenwood, die trinkt wie eine Piratenbraut und kämpft clever für zwei. Indy prügelt sich mit Nazischergen, verliert fast gegen einen sehr großen und motivierten Mechaniker, verpasst die Chance, die Lade selbst zu öffnen, und lernt am Ende, dass göttliche Macht zwar beeindruckend, aber nichts für neugierige Gesichter ist – da die Nazis schmelzen. Indy und Marion schauen brav weg und die Lade verschwindet in einer geheimen Lagerhalle.
1938 folgt Der letzte Kreuzzug, das emotionalste Familienprojekt der Filmgeschichte, denn Indy sucht den Heiligen Gral – und noch wichtiger: seinen Vater Henry Jones Sr., gespielt von Sean Connery, der beweist, dass väterliche Enttäuschung tödlicher sein kann als jede Falle. Gemeinsam reisen sie durch Europa, diskutieren über Glauben, Möwen als Waffen und richtige Tagebuchführung, während Nazis erneut versuchen, Unsterblichkeit zu erlangen. Am Ende entscheidet sich Indy gegen ewiges Leben und für das Loslassen – sowohl des Grals als auch seiner Vaterkomplexe – und reitet mit Familie und Freunden in den Sonnenuntergang.
1957 stolpert Indy dann in Das Königreich des Kristallschädels in die Ära des Kalten Krieges, der Kühlschränke, Atombombentests und sehr ausdauernden Aliens: Die Gegner sind nun Sowjets unter Führung der eisigen Irina Spalko, die unbedingt interdimensionales Wissen will, während Indy sich mit nuklearen Explosionen im Haushalt, einem rebellischen Sohn namens Mutt und der Rückkehr von Marion herumschlägt. Der Kristallschädel entpuppt sich als außerirdisches Spektakel mit Hang zur Übertreibung, Ameisen sind plötzlich riesig und aggressiv, und Indy akzeptiert, dass die Welt sich weitergedreht hat – inklusive Hochzeit, was vermutlich die gefährlichste Szene des Films ist.
Schließlich,
1969, in Das Rad des Schicksals, ist Indy müde, grantig und pensioniert, aber natürlich nicht lange, denn die Vergangenheit ruft – konkret in Form von Helena Shaw, seiner diebischen Patentochter, und des alten Bekannten Jürgen Voller aus Nazi-Tagen, der nun als ehemaliger Raumfahrtwissenschaftler die Zeit selbst manipulieren will. Das titelgebende Antikythera-Mechanismus-Relikt verspricht Zeitreisen, und der Film liefert sie auch, inklusive existenzieller Midlife-Crisis, Trauer, Selbstzweifel und einer Reise in die Vergangenheit, die zeigt, dass man der Geschichte nicht entkommt, egal wie sehr man sie studiert. Am Ende entscheidet sich Indy – leicht gegen seinen Willen – fürs Weiterleben im Jetzt statt fürs Verbleiben in der Vergangenheit, was poetisch, melancholisch und erstaunlich sanft ist für eine Reihe, die einst mit herausgerissenen Herzen begann. Und so schließt sich der Kreis: Indiana Jones bleibt der Beweis, dass Archäologen nicht alt werden, sondern nur legendär – mit Hut, Peitsche und einem sehr gesunden Misstrauen gegenüber allem, was sich schlängelt.
Vergebe für alle 5 Indiana Jones Filme 9 von 10 Schlangen, weil alle Teile grandiose Momente haben und einzig die Stärke der Unvollkommenheit der Reihe einen Punkt Abzug verdient, weil alles andere ist mit inniger Zuneigung, Abenteuerlust und Herzblut arrangiert. 🤠🐍
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mal editiert, das letzte Mal am 19.12.2025, 21:04 von FloW.