Komplettes Thema anzeigen 06.11.2025, 05:05
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Betreff: Re: Der letzte Film
James Bond 007 – In tödlicher Mission (1981)

Mit In tödlicher Mission kehrte die Bond-Reihe Anfang der 1980er Jahre nach dem überdrehten Weltraum-Abenteuer Moonraker wieder auf den Boden der Tatsachen zurück – im wahrsten Sinne des Wortes. Regisseur John Glen inszenierte Roger Moore in seinem fünften Einsatz als Geheimagent mit einer wohltuenden Portion Bodenständigkeit, realistischeren Stunts und einem Hauch klassischer Spionage-Nostalgie.

Der Film sticht mit seiner geografischen Vielfalt hervor: Von den verschneiten Bergen Cortina d’Ampezzos bis zu den sonnendurchfluteten griechischen Inseln. Besonders Cortina, bekannt als Austragungsort der Olympischen Winterspiele von 1956, bietet eine malerische Kulisse für einige der beeindruckendsten Actionszenen des Films – darunter die packende Verfolgungsjagd auf Skiern, Motorrädern und Bobbahn. Leider war dieser spektakuläre Ort auch Schauplatz eines tragischen Zwischenfalls: Ein Stuntman kam bei den Dreharbeiten ums Leben, was dem Film rückblickend eine bittere Note verleiht und zeigt, wie gefährlich diese waghalsigen Szenen tatsächlich waren.

Ein weiteres Highlight sind die Unterwasseraufnahmen, wo Bond in scheinbar versunkenen Ruinen auf Schatzsuche geht – ein Setting, das zugleich mystisch, abenteuerlich und visuell beeindruckend wirkt. Die finale Sequenz an den Meteoraklöstern in Zentralgriechenland setzt dem Ganzen die Krone auf: Die spektakulären Felsenlandschaften mit ihren schwebenden Klöstern schaffen eine fast spirituelle Atmosphäre für den Showdown.

Bemerkenswert ist die Parallele zu Raiders of the Lost Ark (1981): Beide Filme teilen nicht nur ihr Erscheinungsjahr, sondern auch eine Rückbesinnung auf handgemachtes Abenteuerkino mit archäologischen Motiven und exotischen Schauplätzen. Dazu kommt die charmante Verbindung über Schauspieler Julian Glover, der in In tödlicher Mission den zwielichtigen Mäzen Aristoteles Kristatos spielt – einen kultivierten, aber skrupellosen Geschäftsmann. Acht Jahre später verkörperte er in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug erneut einen reichen Schurken, diesmal den aristokratischen Donovan – wieder ein Mann, der Reichtum und Macht über Moral stellt. Glover scheint also eine besondere Begabung dafür zu haben, elegante Bosheit glaubwürdig zu verkörpern.

Auch die weiblichen Figuren sind in diesem Bond bemerkenswert vielschichtig. Carole Bouquet als Melina Havelock ist keine typische „Bond-Girl“-Trophäe, sondern eine eigenständige, von Rache getriebene Frau, die Bond ebenbürtig zur Seite steht und die die Ermordung der Eltern umtreibt. Und Lynn-Holly Johnson bringt als naive, aber forsche Bibi Dahl, eine junge Eiskunstläuferin mit Schwärmerei für Bond, eine humorvolle, beinahe satirische Leichtigkeit in den Film – und zeigt zugleich, dass Moore’s Bond inzwischen in einem Alter angekommen war, in dem solche Annäherungsversuche eher charmant abgewehrt werden müssen.

In tödlicher Mission ist kein lauter Bond, sondern ein konzentrierter, handwerklich solider Spionagefilm mit eindrucksvollen Locations und guter Atmosphäre. Er mag nicht den Glamour anderer Teile besitzen, überzeugt aber durch seine griffige Story und echte Spannung – und ist damit einer der am meisten unterschätzten Bonds der Moore-Ära und ein angenehmer und exzellenter Klassiker.

6 von 10 🍸
Dieser Beitrag wurde 8 mal editiert, das letzte Mal am 06.11.2025, 07:03 von FloW.