Komplettes Thema anzeigen 04.12.2017, 11:59
Aldridge Abwesend
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Betreff: Re: Der letzte Film
Spider-Man Homecoming - Ach, das ist irgendwie einer dieser Filme, zu denen es im Grunde wenig zu erzählen gibt. Denn auch wenn ich auf die dritte Inkarnation des Spinnenmanns innerhalb von 15 Jahren nicht unbedingt gewartet habe und auch wenn mich die erneute Verjüngung der Titelfigur eher annervte, so ist der Film letztlich... gut. Eigentlich sogar sehr gut, denn es stimmt alles: Die Story flutscht, ist leichtfüßig, die Gags sitzen, ein bisschen Spannung ist auch dabei, die Figuren sind sympathisch, die Schauspieler gut aufgelegt. Oder mit anderen Worten: An der Marvel-Front nichts Neues. Marvel liefert da - erstmals in Kooperation mit Sony - gute, aber eben auch stromlinienförmige Unterhaltung ab, die Spaß macht, solange sie geht, aber hinterher auch schnell wieder vergessen ist. Wenn man dem Film denn wirklich einen eigenen kleinen Verdienst zugestehen will: Er ist keine Witzparade wie die jüngsten Ergüsse des MCU. Und er bringt das Highschool-Setting schon ganz charmant rüber. Ich würde nicht so weit gehen, den Streifen mit einem John Hughes-Klassiker zu vergleichen (man beachte den kleine Ferris Bueller-Verweis), aber stellenweise kommt schon ein bisschen Coming of Age-Feeling auf. - 7 / 10

Arrival - Zweitsichtung. Noch immer ein Brett von einem Film. Arrival versteht es einfach wie wenige Filme, Hirn und Herz zusammenzubringen. Dabei erzählt der Film auf den groben ersten Blick eigentlich keine neue Geschichte: Es geht um den Erstkontakt mit Aliens. Und die gilt es zu verstehen. So weit, so bekannt. Doch dann zieht der Streifen eine Wendung und Volte nach der anderen aus dem Hut, handelt von sprachwissenschaftlichen Theorien (Sapir-Whorf-Hypothese), führt zum Verständnis von Zeit und letztlich zu einem zutiefst philosophischen Dilemma. Und das alles macht er einerseits extrem gefühlvoll, andererseits sehr spannend, stets absolut stilsicher. Jetzt gibt es ja eine Schicht von Kinogängern, die einigermaßen gewitzten Filmen gerne vorwerfen, dass sie allzu prätentiös daherkommen und ihrem Publikum nur den Bauch kraulen. Doch Arrival muss ich neidlos anerkennen, dass er alle Ebenen wirklich gekonnt zusammenbringt. Gerade in der Zweitsichtung fallen dabei noch einige Details mehr auf. Dabei empfand ich die Entschlüsselung der Alien-Sprachen auch als nicht mehr ganz so plötzlich wie noch bei der ersten Sichtung (bislang mein einziger Kritikpunkt am Film). Nein, hier stimmt alles. - 10 / 10

Fahrenheit 451 - Die Nouvelle vague-Freunde werden jetzt wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber: Die Umsetzung des Bradbury-Klassikers von François Truffaut fand ich nicht sonderlich gelungen. Das liegt vor allem daran, dass mir die gezeigte Dystopie in ihrem Pseudo-Futurismus einfach irgendwie zu behäbig ausfällt. Jetzt kann man argumentieren, dass vielleicht genau die gezeigte 60er Jahre-Harmonie aufs Korn genommen werden sollte. Aber gleichzeitig geht das Drängende und Zwingende der Romanvorlage flöten. Die Gesellschaft ist im Film nicht aggressiv genug, der Staat nicht dominant genug, als dass das Treiben für mich als gelungene Dystopie durchgeht. Hinzu kommt dann noch die irgendwie sehr lockere Hinwendung des Feuerwehrmanns Montag zur Literatur. Ein Gespräch mit der - übrigens extrem heißen - Julie Christie reicht, schon beginnt er, ein paar Bücher zu lesen, gegen die Ordnung zu rebellieren und sich zu den Büchermenschen in den Wald zu flüchten (wobei die Bedrohung des Atomkriegs aus dem Buch und damit die konkrete Aussicht auf eine neue Gesellschaft fallen gelassen wird). Oskar Werner fand ich gut, auch wenn der mit seiner Rolle sehr unzufrieden war. - 5 / 10