Betreff: Re: Luc Besson
Tja, lieber Luc, das war dann mal wieder ein Film, der mich von vorne bis hinten nicht überzeugt und über große Strecken gelangweilt hat.
Die Story ist ja ganz OK, sehr dünn halt, aber schlimmer fand ich, dass die beiden "Helden" bei mir keinerlei Emotionen geweckt haben. Sie haben keine Vergangenheit außer ein paar oberflächlichen Details. Valerian ist ein Idiot, was ja OK ist, aber die Verehrung durch seine Partnerin und sein legendärer Ruf als Agent sind völlig substanzlos. Das ganze Gekabbel zwischen den beiden Hauptdarstellern hat für mich zu keiner Zeit funktioniert. Charactere wie der von Rihanna werden in einem mehr als flüssigen Subplot verheizt, ich wusste nicht, ob ich da lachen oder weinen sollte, ob dieses "Armes Formwandlerchen mit unglücklicher Kindheit" Drama rühren sollte oder als Parodie gelten - beides hat für mich nicht funktioniert und darum nahm ich an, es sollte einfach den Valerian Part des groß angepriesenen aber unoriginellen 5th Element Opernparts übernehmen.
Naja, aber wir haben ja immer noch das Totschlagargument des "Natürlich ist das Style over Substance", einfach Gehirn abschalten und die Bilder genießen. Ich habe mich vor dem Film immer gefragt, was Besson hier auftischt, dass alle so vom Hocker haut und ich frage es mich immer noch. Der Film erinnert an die Prequels, Jupiter Ascending, Avatar, John Carter etc. etc. Letzterer war für mich ein Paradebeispiel eines kohärenten Produktionsdesigns. Valerian hat für mich keinen eigenen Stylel sondern ist einfach mehr von allem bekannnten und alles etwas bunter und schneller. Das 3D wurde dadurch völlig zerstört und ich musste über Strecken ein Auge zumachen. Technisch ist das Ganze sicher eine Leistung mit noch viel mehr Details und noch mehr Alien Rassen, aber ungelogen, optisch fällt der Film für mich unter Mittelmaß, weil eben alles geklaut wirkt und ohne einheitlichen Stil.
Ja, der Film ist schnell und rasant, aber auch nur in seiner Optik. Bei der Handlung ist er eher eine Schnecke, wie gesagt, 20min mit debilen Weltraum-Sids oder einem verrückten aber auch völlig egalen U-Boot Captain bringen die Handlung null vorwärts - hatte was von einem Adventure-Spiel, wo man mühsam in Subplots irgendwelche Items sammeln muss, damit die Länge des Spiels gefüllt wird.
GotG2 ist sicher auch eine Art Style over Substance Film, aber der Stil des Götterplaneten hat mich optisch mehr überzeugt als alles, was in Valerian geboten wurde. Und GotG2 hatte tatsächlich Charactere, die überzeugten, selbst wenn es eher die Nebenrollen waren, die aber eben nicht einfach als Kanonenfutter für einen coolen Auftritt verheizt wurden.
Fazit: Besson schafft es, die berühmte Gemüsesuppe mit Erdbeeren zusammenzurühren, versagt aber mal wieder dabei, einen guten Film zu machen. Deutlich bemüht, den Kultstatus vom fünften Element hinüber zu retten, denke ich mal, dass er das nicht schaffen wird.
5 von 10 irgendwo geklauten Irgendwassen
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mal editiert, das letzte Mal am 25.07.2017, 08:01 von Kukulcan.