Komplettes Thema anzeigen 26.10.2016, 22:37
Indy2Go Abwesend
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Betreff: Re: Die letzte Serie
Auf die Gefahr hin, auch mit dieser Rezension keine Reaktionen hervorzurufen:

Black Mirror - Staffel 3, Folgen 2-6

Die zweite Folge der aktuellen Staffel braucht etwas, um in Fahrt zu kommen. Die Handlung entwickelt sich jedoch in eine sehr interessante Richtung und auch weiß die Folge mit ihrem wahrlich großartigen Setting zu überzeugen. Inhaltlich haben sich die Macher da vielleicht tatsächlich etwas an "Inception" bedient, doch ist der Mindfuck-Twist - so vertraut er auch vorkommt - etwas, dass ich so noch nicht gesehen habe. Und obendrauf gab's noch eine nette Indy-Hommage: Kalima! Grinsender Smiley

Episode Nr. 3 ist für mich sogar der heimliche Star der Staffel. Die Geschichte legt ihren Schwerpunkt nicht auf den technischen Fortschritt, sie muss noch nicht einmal in der Zukunft spielen. Das gezeigte ist leider absolut im Rahmen des Möglichen, womit die Folge nur an Wirkung gewinnt. Mit "Ripper Street"-Darsteller Jerome Flynn bekommt man in der Episode auch ein Gesicht zu sehen, dass inzwischen nahezu jeder kennt. Natürlich nicht zuletzt wegen Flynns Rolle in der HBO-Serie "Game of Thrones". Umso erstaunlicher, dass der 21-jährige Alex Lawther, den man eventuell als junger Alan Turing in "The Imitation Game" kennt, den Herrn fast an die Wand spielt. Großartige Performance!

"San Junipero", die vierte Folge der Staffel, empfand ich fast wieder als ein wenig zäh. Die Idee ist aber äußerst clever und hochinteressant und auch der alles verändernde Twist kommt in bester "Twilight Zone"-Manier daher. Vor allem aber macht es vile Spaß, den beiden Hauptdarstellerinnen zuzusehen, besonders Mackenzie Davis. Der Ausgang ist mir dann vielleicht eine Spur zu sehr Russel-T.-Davies-Utopie (Zur Erklärung: Ehemaliger "Doctor Who"-Showrunner, in dessen Zukunftsbild irgendwie alle homo- oder bisexuell wurden, obgleich sie es vorher nie waren) aber zweifellos gut geschrieben.

Die vorletzte Folge der Staffel setzt sich mit einer neuen Art der Kriegsführung auseinander. Eine, die keinen Soldaten wissen lässt, wie viel Feind der vermeintliche Feind tatsächlich ist. Eine großartige Idee, von der ich noch immer nicht weiß, woran sie mich so sehr erinnert ("Edge of Tomorrow"? - Inhaltlich ja eigentlich sehr verschieden). Auch Inszenierung und Cast wissen zu gefallen, sowie auch das konsequente (und entsprechend traurige) Ende der Episode.

Als Staffelfinale brachte Netflix uns einen Spielfilm, ähnlich wie das 2014er Weihnachts-Special "White Christmas", welches noch immer meine Lieblings-Folge ist. Auch hier setzen sich die Macher wieder kritisch mit zwei aktuellen Themen auseinander (Bienen-Sterben und NSA-Überwachungs-Skandal) und vereinen diese auf äußert geschickte Art und Weise miteinander. Eigentlich will ich auch gar nicht gemein sein und das der Folge ankreide, doch der große Twist ist letzten Endes nichts Neues. Wie oft waren die Täter schon überraschenderweise die Opfer? Trotzdem eine starke Folge.
Marc S.
Bismarck biss Marc, bis Marc Bismarck biss.