Betreff: Re: Der letzte Film
Rocky V - Rocky back to the roots. Ich habe nie so ganz verstanden, warum Stallone seinen Helden unbedingt wieder auf die Straße schmeißen musste, nachdem er ihn im vorherigen Film quasi zum Nationalhelden stilisiert hatte. Aber vielleicht war es so ein Trend Anfang der 90er, wieder zu den Ursprüngen einer Filmreihe zurück zu kehren. Was in diesem Fall allerdings ein Fehler war: So reizvoll die Idee auf dem Papier klingen mag, Rocky auch im "wirklichen" Leben als Stehauf-Männchen zu inszenieren, so sehr entwertet der fünfte Rocky die Underdog-Story aus den ersten drei Teilen. Will man wirklich sehen, wie jemand wieder in den Slums landet, der sich zuvor erst mühsam hochgekämpft hatte? Wenigstens gibt das bereits in diesem Film Anlass, 14 Jahre nach dem ersten Teil auf die Nostalgie-Schiene zu setzen. Nicht umsonst verzichtete Drehbuchautor Stallone hier auf den Regie-Stuhl und holte Regisseur John G. Avildsen zurück. Bringt aber alles nichts, denn die eigentliche Geschichte, in der Rocky vom Helden zum Mentor wird (und Box-Promoter Don King seine eigene Karikatur bekommt) hat zu viele dramaturgische Schwächen. Das betrifft insbesondere Rockys Beziehung zu seinem Schützling Tommy Gunn: Dessen "Verrat" an Rocky und seine Herausforderung im Finale wird nur rudimentär hergeleitet und wirkt wenig überzeugend. Und da der entscheidende Kampf auch nicht im Ring stattfindet, sondern eher eine Straßenschlägerei ist, die Rocky im Grunde nichts bringt, bleibt der gesamte Film für den Zuschauer unbefriedigend. Umsonst war das alles für Stallone aber nicht: Der Film wird zwar immer als einer der größten Flops des Schauspielers bezeichnet und nahm auch deutlich weniger ein als sein Vorgänger, dennoch spielte er das Dreifache seines Budgets ein.
