Komplettes Thema anzeigen 18.12.2015, 10:49
Aldridge Abwesend
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Betreff: Re: Star Wars Episode VII - The Force Awakens
@ Dark Hunter:

Interessant, dass du den Zauberer von Oz erwähnst und gleichzeitig über die PT herziehst. Paradoxerweise enthält Episode I von allen Star Wars-Filmen am meisten Anleihen an die Werke von Frank Baum. Storytechnisch in der Reise des minderjährigen Protagonisten zu einem mächtigen Mann im Zentrum des Reiches bzw. der Galaxis (Zauberer / Kanzler), um ihn um Beistand zu bitten und dann doch abgewiesen zu werden und den Kampf alleine ausfechten zu müssen. Und designtechnisch entspricht gerade Naboo mit seinen weiten grünen Flächen und seiner geleckten Hauptstadt Theed (vgl. die Smaragdstadt) und seinem friedlichen Naturvolk der Gungans (vgl. die Munchkins) dem Werk von Baum.

Von Viren ist in Episode I nicht die Rede, sondern von den Midichlorianern. Und wenn man genau aufpasst, wird da auch nichts "entzaubert", sondern die Midis werden lediglich als "Mittler" zwischen der Macht und den Lebewesen dargestellt. Komisch, dass das nach 16 Jahren immer noch niemand kapiert hat. Zudem ist es deutlich logischer, dass die Galaxis eben 30, 40 Jahre vor ANH geleckt aussieht, denn es soll ja eine dekadente Republik dargestellt werden, die ihren Zenit überschritten hat. Wenn ich schon das alte, ausgelutschte Fass "Alle gegen die PT" aufmachen will, dann kann ich vielmehr TFA vorwerfen, dass sich in der so liebgewonnen Galaxis unserer aller Kindheit scheinbar 30 Jahre nichts getan hat. Unsere eigene Welt hat sich seit den 70ern massiv verändert. Aber bei Star Wars darf das einfach nicht sein, Hauptsache, da fliegen ein Dutzend X-Wings und der Falke rum und schon fühlt man wieder seine eigene Kindheit.

Das ist keine große fantasievolle Galaxis, die einen in ein neues und unbekanntes und vor allem "lebendiges" Fantasieland entführt. Das ist ein abgeschlossener Mikrokosmos, in dem es nur heißt: "Mehr vom Gleichen bis zum Erbrechen und gegen alle Logik". Vom kreativen Standpunkt aus gesehen, ist das ein Armutszeugnis und für mich eine der großen Schwächen des neuen Films. Da war kein kreativer Schöpfer wie Lucas am Werk, der seine Vision verfolgt hat, sondern eine Marketingabteilung. So im Nachhinein, bin ich zum Beispiel umso angepisster, dass die Macher von TFA wirklich die Frechheit besessen haben, dem Publikum sogar einen erneuten Grabenflug in der Endschlacht vorzusetzen. Für wie blöd halten die einen eigentlich? Mich wundert schon ein bisschen, wie viele Zuschauer darauf reinfallen (wollen).

@ Valeska:

Das Rey-Thema hat mir auch sehr gut gefallen. Allerdings muss man dazu sagen, dass Williams da (mal wieder) seinen Harry Potter- und in diesem Fall auch seinen Tin Tin-Fundus geplündert hat. Bevor du allerdings Vergleiche mit Hans Zimmer anstellst, hör dir vorher mal ein paar Hans Zimmer-Scores an. In dem Williams-Score ist NICHTS, was auf Zimmer passt. Das fängt schon damit an, dass die Zimmer-typischen Snaredrums und das tiefe Grummeln fehlen, und geht damit weiter, dass Williams mit dem vollen Orchester arbeitet, während Zimmer gerne die Instrumentierung reduziert, z.B. die Trompeten ausklammert und vor allem mit tiefem Blech arbeitet. Das Tschingderassabumm in TFA erinnert eher an TESB, ohne aber dessen thematische Reichhaltigkeit zu erreichen.
Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, das letzte Mal am 18.12.2015, 11:23 von Aldridge.