Betreff: Re: Die Macht des (nörgelnden) Fans
Zitat von Leusel:Zitat von Pegg:Heutzutage konsumieren wir im Grunde allerhand Kindliches - Comicbücher, Superhelden. Erwachsene schauen sich dieses Zeug an und nehmen es auch noch ernst
Dass ist das Problem, sie schauen sich einen Unterhaltungsfilm an und nehmen ihn ernster, als er sich selbst. Dadurch entstanden Phrasen wie "George Lucas raped my childhood".
Ja, das hat schon die Anmutung, dass einige die anale Phase nie ganz hinter sich gelassen haben.
Nein, im Ernst, bei Peggs Äußerungen bin ich schon ein bisschen hin- und hergerissen. Vielleicht auch, weil sie nicht bis zum Ende plausibel sind. Als Comic-Sammler fühle ich mich ja auch angesprochen (auch wenn ich keine Superhelden lese

). Insofern sehe ich da jetzt keine große Veranlassung, dass man einen Comic eben nicht ernst nehmen sollte, einen Roman zum Beispiel aber schon. Kommt immer auf die Inhalte an, nicht auf die Medien an sich.
Zudem finde ich es etwas schizophren, dass dieser Vorwurf ausgerechnet von Pegg kommt. Ohne Spaced und die Cornetto-Trilogie wäre der Mann niemals so berühmt geworden, wie er heute ist. Seine "normalen" Komödien, und darunter sind einige wirklich gute, sind allesamt nicht sonderlich erfolgreich gelaufen. Da ist es schon komisch, dass er nun ausgerechnet das kritisiert, was ihn groß gemacht hat.
Aber ja: Wir reden ausschließlich über Unterhaltung. Ware zur Zerstreuung. Ein bisschen Eskapismus. Nicht die schönste, aber eine der schönsten Nebensachen der Welt.

Insofern ist es schon traurig, wenn erwachsene Leute diesen Kram von Star Wars bis Terminator mit tiefgreifenden Emotionen aufladen und ernster nehmen als reale Probleme.
Zitat von Leusel:Paradebeispiel, sind doch die vorherigen beiden Filme und viele andere doch eindeutig Unterhaltungsfilme, die zwar gut unterhalten, darüber hinaus aber nicht zum Denken anregen, wie es bei der Vorlage vielleicht sogar angebracht wäre. Im Prinzip verstehe ich seine Kritikpunkte, teile diese sogar, finde es aber etwas unfair, das auf solche Filme wie "Avengers" oder "Star Wars" zu beziehen. Wenn er tiefgründigere Filme will, muss er das Genre wechseln, das war auch schon zu Beginn des Kinos so.
Zumal es immer etwas kurz gesprungen ist, dem Unterhaltungskino à la Star Wars oder meinetwegen Guardians of the Galaxy vorzuwerfen, es habe keine "Tiefe". Allein Star Wars ist ein wunderbarer Anlass, sich mal mit Mythen und Archetypen zu beschäftigen. Dass Krieg der Sterne, Herr der Ringe, Matrix, Mad Max und wie sie nicht alle heißen im Grunde die gleiche Geschichte auch gleich erzählen, kommt ja nicht von ungefähr. Da steckt schon eine Menge drin. Außerdem schließt das ja nicht aus, dass sich das Publikum dann beim nächsten Mal auch mal eine Milieu- oder Charakterstudie zu Gemüte führt. Wird nur problematisch, wenn die Generation 35+ nicht irgendwann dahinter kommt, dass es jenseits des Popcorn-Kinos auch noch andere Genres und Kunstformen gibt.
Pegg hat zuletzt in Hectors Reise mal was Ernsthafteres gespielt. Davor 2012 in Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen, dann zuletzt 2008 mit New York für Anfänger so etwas wie ein Charakterstück (eher eine Komödie mit leichten satirischen Anklängen) vorgelegt. Wenn er also anspruchsvollere Rollen hätte spielen wollen, hätte er genug Zeit gehabt. Aber die hat er genutzt, um dutzendweise in Genre-Stücken mitzuspielen.