Betreff: Re: Der letzte Film
Waterworld - Ein weiteres Beispiel dafür, dass Filme, die in der Öffentlichkeit schlecht gemacht werden, nicht auch automatisch schlecht sein müssen. Die Kritikerschar hatte sich damals im Jahr 1995 gegenseitig reichlich hochgeschaukelt und das Chaos hinter den Kulissen von Waterworld auf den Film selbst übertragen - was natürlich nicht so ganz berechtigt war. Der Streifen bietet eine ganz launige Endzeit-Mär auf dem Wasser und einen gut aufgelegten Dennis Hopper als Gaga-Bösewicht. Regisseur Kevin Reynolds überzieht den Humor - wie auch schon bei Robin Hood - stellenweise ein bisschen und gibt der Handlung dadurch dezent satirische Züge. Das alles macht Waterworld dann aber auch nicht automatisch zu einem richtig guten Film. Das Hauptproblem: Die Romanze zwischen Kevin Costner und Jeanne Tripplehorn ist nie so richtig im (Wortwitz!) Fluss. Und die Handlung (Wortwitz!) plätschert bei dem ewigen Geschipper auf dem Meer ein bisschen vor sich hin. Die Action ist aufwendig, aber paradoxerweise so spektakulär wie eine Jet-Ski-Show im Wasserpark. Und die Bilder hätten noch ein gutes Stück beeindruckender ausfallen können - man vergleiche die gemäldehaften Bilder aus den Fluch der Karibik-Filmen. Das alles mag vielleicht auch daher rühren, dass sich die Freunde Costner und Reynolds damals zerstritten hatten und das vom Regisseur angedachte Drei-Stunden-Epos (das in den USA zwischenzeitlich erschienen ist) für die Kino-Auswertung um mehr als 40 Minuten gekürzt wurde. So bleibt der Film leider naiv-überzogenes 90er-Jahre-Blockbuster-Kino.
Kingsman: The Secret Service - Comicautor Mark Millar und Regisseur Matthew Vaughn heben allseits bekannte Genre-Kost anscheinend ganz gerne auf die Meta-Ebene. Soll heißen: Mit Kick-Ass machten sie das Superhelden-Genre selbst zum Thema und verarbeiteten es zu einer ausgelassenen und politisch unkorrekten Persiflage. Und mit Kingsman nehmen sich die beiden nun das Geheimagenten-Genre im Allgemeinen und die James Bond-Filme im Besonderen zur Brust. Und hatten dabei wieder eine Menge Spaß: Der Film exerziert die einzelnen Bausteine aus dem Superspion-Bastelkasten von der Elite-Ausbildung bis zum Showdown in der Superschurken-Höhle genüsslich durch und überzieht sie, wo möglich, gerne ins Komödienhafte. Und wie Kick-Ass so hat auch Kingsman sehr viel Freude daran, heftige Gewaltausbrüche wie eine große und lustige Party zu präsentieren. Colin Firth, der gerne mal auf den britischen Gentleman festgelegt ist, spielt hier mit seinem eigenen Image und lässt ordentlich die Sau raus. Und Samuel L. Jacksons dauerlispelnder Bösewicht funktioniert erstaunlich gut und sorgt für einige Lacher. Und dennoch: Im direkten Vergleich mit Kick-Ass wirkt Kingsman trotz aller wahnwitzigen Einfälle doch ein ganzes Stückchen behäbiger und auch bemühter. Ein oder zwei persiflierte Agenten-Klischees weniger wären da sicherlich mehr gewesen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau: Kingsman ist spaßige und respektlose und trotzdem stilvolle Unterhaltung. Nur mit den maßgeschneiderten Zweireiher aus der Savile Row kann ich mich nicht so recht anfreunden...
