Komplettes Thema anzeigen 27.02.2015, 15:13
Toth Abwesend
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Wohnort: Südpfalz


Betreff: Re: Die Macht des (nörgelnden) Fans
Im Grunde könnte man vieles davon auch einfach als Frust vor einem reichlich normalem, gar langweiligem Leben abtun, welches die meisten Menschen mehr oder weniger führen. Dabei gilt häufig die Regel, je flamboyanter und provozierender das Auftreten im Internet, desto mausgrauer und kriecherischer das Auftreten im wahren Leben. Schließlich ist nichts besser für das eigene Ego, als sich an extrem reichen und erfolgreichen Persönlichkeiten abzuarbeiten, um sich selbst als intellektuellen, kritischen Geist in Szene zu setzen, der sich von keiner teuer gehypten filmischen Plumpheit überrumpeln lässt, auf die der "Mainstream" immer und immer wieder herein fällt. Gerne spielt man dabei auch den Gralshüter der "wahren" Filmkunst, die durch inflationären CGI-Missbrauch immer mehr den Bach hinunter geht. Die Fähigkeit zur Selbstironie oder zum Eingeständnis eines eigenen Irrtums haben sich viele dieser Nerds ohnehin schon vor dem ersten Bauchansatz abtrainiert.
Ärgerlich wird das Ganze dann, wenn die Filmstudios auf diese, sich selbst ungeheuer wichtig nehmende, aber zahlenmäßig eher unbedeutende Gruppe explizit reagiert und anfängt, teure Filme auf deren Geschmack zu zuschneiden. Das dabei auch die Werke namenhafter Filmemacher, wie David Fincher oder Jean-Pierre Jeunet mal eben flugs im Vorbeigehen als irrelevant abgebügelt werden, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Bei solch einer Entwicklung sollte sich dann aber keiner wundern, wenn sich eigenständige Künstler aus diesem Sektor mehr und mehr zurück ziehen; denn um pure "Fan-Delivery-Produkte" abzudrehen bedarf es eher solider Handwerker. Mit expressiver Filmkunst hat das jedoch eher wenig zu tun. Eher mit studiofinanzierter Fan Fiction. Ich find's eher öde!
The trick, William Potter, is not minding that it hurts!