Komplettes Thema anzeigen 26.02.2015, 15:47
Plissken Abwesend
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Betreff: Die Macht des (nörgelnden) Fans
Aus aktuellem und immer wiederkehrenden Anlass möchte ich einmal meine Sichtweise darlegen und zur Diskussion stellen.
Seitdem das Internet für private Zwecke genutzt wurde begann auch der intensive Ausstausch über Filme, Musik u. ä.. Ende der 90er, Anfang der 00er begann es dann irgendwie cool zu werden gegen den "Mainstream" zu wettern. Diese Bewegung resultierte dann darin dass besonders im Filmbereich negative Meinungen wie ein Lauffeuer verbreitet wurden. Diese negativen Meinungen nahmen dann sogar Formen an die heute immer noch greifen und als allgemeingültig angesehen werden. Das geht sogar soweit dass vermeintlich professionelle Presse diese Meinungen weiterverbreitet und das Feuer (das in den meisten Fällen unbegründet brennt) am laufen gehalten wird.

Besonders größere Filme sind betroffen und die kritische Auseinandersetzung findet kaum noch statt. Es hat den Anschein dass ein Großteil der Kritiker die negative Stimmungsmache übernimmt ohne sie zu hinterfragen und somit auch keine plausiblen Argumente anbringen kann warum gerade dieser Film schlecht ist. Positive Meinungen sind selten und müssen immer gerechtfertigt werden. Verbale Angriffe sind auch keine Seltenheit und so schweigt der zufriedene Fan einfach. Ein Verhalten welches an Asozialität kaum zu überbieten ist. Allerdings total cool wenn man so durch das Internet schaut Zwinkernder Smiley Das dieses unaufhörliche Meckern eigentlich auf einen pathologischen Grund hinausläuft scheint kaum einem bewußt zu sein. Wer soviel Energie in solch einen Hass (eine Emotion die bei solch einem Thema erschreckend ist) steckt kann nicht gesund sein.

George Lucas hat mit seiner Prequel Trilogie viel Kritik einstecken müssen. Allerdings sind es meist nur vage Formulierungen die bei genauer Betrachtung keine Grundlage haben. Trotzdem werden diese Meinungen immer wieder hinausposaunt und von armen Seelen geglaubt.
Auch Indy 4 ist ein gutes Beispiel. Der Film wird heutzutage immer noch kritisiert. Mundpropaganda ist für Filme genauso wichtig wie die eigentliche Werbung. Da stellt sich die Frage warum der Film trotz heftiger Kritik der Fans über 700 Mio $ eingespielt hat. War er vielleicht doch nicht so schlecht?

Nun zu der Macht die diese nörgelnden Fans ausüben. Aktuell wurde bekannt dass der fünfte Alien Film Teil 3 und 4 ignorieren wird und einen eigenen Kanon kreiert.
Es gibt keinen Hinweis darauf dass diese Entscheidung storybedingt ist denn im Sci-Fi Bereich kann man alles machen. Es scheint also tatsächlich eine Anbiederung an die Fans zu sein die nicht müde werden Teil 3 und 4 schlecht zu reden. Eine Entwicklung die ich nur mit kopfschütteln verfolgen kann. Auch Star Wars 7 erscheint momentan nur als Nostalgietrip um die OT Anhänger zu befriedigen. Man scheint förmlich Angst vor den Fans zu haben die den Film in der Luft zereissen würden.

Wird das die Zukunft der Filmindustrie sein? Die vermeintlichen Fehler einfach ignorieren und dem meckernden Fan ein möglichst glattes Produkt zu bieten an dem er nichts ausetzen kann? Das der Respekt vor anderen Werken dabei flöten geht scheint Nebensache zu sein. Der Fan zählt und wer am lautesten blöckt hat Recht.

Ich habe nichts gegen Kritik und habe auch genug Filme gesehen die mir nicht gefallen. Allerdings sollte Kritik auf begründet sein und nicht einfach nachgesprochen. Dieses Verhalten ist allerdings immer häufiger. Es zeigt sich auch wieder das die unzufriedenen Fans am lautesten schreien während die Zufriedenen einfach zufrieden sind und in Ruhe die Filme genießen. In Zeiten von sozialen Netzwerken und Blogs und Fanseiten wird auch immer wieder deutlich wie zwanghaft doch (fast) jeder seine Meinung kundtun muss selbst wenn diese nur verbaler Durchfall ist.

Wahrscheinlich hab ich einige Argumente vergessen und es könnte etwas wirr sein, aber man kann ja drüber reden Grinsender Smiley
Abschließend noch ein aktuelles und passendes Zitat von Dieter Nuhr:
Zitat:
Muss mal eins loswerden: Alle halbe Jahre lese ich mal die Kommentare unter meinen Postings. Und ich bin immer wieder erstaunt über drei Dinge: 1. Wie unfassbar intolerant viele auf abweichende Meinungen einfach mit Beleidigungen reagieren, weil andere Bewertungen als die eigenen SELBSTVERSTÄNDLICH immer erstens falsch, zweitens doof und drittens böse sind, 2. wie viele Menschen primitive, ideologische Plattitüden mit Argumenten verwechseln, und 3. wie viele vollständig Humorlose sich hier tummeln. Könnten die sich nicht einfach auf den üblichen Seiten ihr tägliches Quäntchen Empörung abholen? Das wäre schön.
Auch interessant: Egal ob 3.000 oder 20.000 Likes, die Kommentare sind IMMER mehrheitlich empört. Weil der Amüsierte lächelt, während sich der Empörte lautstark beklagt. Kann es sein, dass das symptomatisch ist für die öffentliche Dauerempörung bei uns? Wahrscheinlich ist die Laune erheblich besser als es scheint, weil man aufgrund ihrer Lautstärke immer nur die Muffköppe hört...