Komplettes Thema anzeigen 24.02.2015, 23:33
Aldridge Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 13.08.2009
Wohnort: -


Betreff: Re: Der letzte Film
2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen - Man muss vor Peter Hyams eigentlich den Hut ziehen: Eine Fortsetzung zu Kubricks 2001 hätte auch in Hohn und Spott enden können. Es drängt sich einfach auf, beide Werke miteinander zu vergleichen - und genau das wäre ein großer Fehler. Denn Hyams tat das einzig Richtige und schuf einen handwerklich völlig anderen, wenn auch weitaus konventionelleren Film. Wo sich Kubrick in ewig langen Einstellungen ergeht und eine beinahe schon poetische Bildsprache liefert, da hält sich Hyams nicht lange mit Mätzchen auf, sondern erzählt ganz einfach seine Geschichte. Also, jegliche Vergleiche außen vor gelassen: 2010 ist einfach ein richtig guter Science-Fiction-Film, der die Story der Vorgängers - wieder nach einer Vorlage von Arthur C. Clarke, der zusammen mit Hyams am Drehbuch arbeitete - sinnvoll weiterführt und auch erklärt. Dabei drückt der Regisseur dem Film vor allem optisch seinen Stempel auf: Wie sonst auch in seinen Filmen ist Hyams selbst für die Kamera zuständig und setzt diese überaus dynamisch ein. Zudem liefert er erneut eine düster-technische Atmosphäre, die auch schon seine vorherigen Sci-Fi-Werke Capricorn One und Outland auszeichneten. Gleichzeitig verleiht er dem Film eine hübsche Friedensbotschaft, die deutlich von der Zeit des Kalten Krieges geprägt war, und vertieft über die Gruppendynamik an Bord auch die menschliche Seite des Ganzen. Übrigens schön, dass der Charakter Dr. Heywood Floyd, der in 2001 noch von William Sylvester dargestellt wurde und kaum ein eigenes Profil entwickeln konnte, nun in Gestalt von Roy Scheider ein bisschen Tiefe bekommt. Kurzum: Düster, spannend, auch bewegend - kann ich immer wieder schauen.

Vielleicht noch für die Technik-Freunde: Für die Effekte war John Dykstra zuständig, der an Star Wars gearbeitet und damals gerade ILM verlassen hatte. Dabei war der Film einer der ersten - Cineasten müssen jetzt ganz stark sein -, die CGI einsetzten: für die Darstellung des Jupiter mit seinen Wolkenformationen und für die Ansammlung von Monolithen gegen Ende des Films. Die Leonov sieht übrigens nicht umsonst so aus, als stammt sie aus derselben Fabrik wie die Sulaco aus Aliens oder einige Gefährte aus Blade Runner und Tron: In allen Fällen kam der Industriedesigner Syd Mead zum Einsatz, der später auch bei Timecop wieder mit Hyams zusammenarbeiten sollte.