Betreff: Re: Der letzte Film
Im Zeichen des Bösen
Ein weiterer Welles'scher Klassiker. Schon die Anfangssequenz ist Filmgeschichte: Mehrere Minuten lang wird nicht geschnitten, die Kamera folgt einem Auto und zwei der Hauptfiguren, dazu ist die Jazzmusik von Henry Mancini zu hören. Äußerst beeindruckend. Der Streifen ist auch sehr prominent besetzt. Neben Charlton Heston und Janet Leigh spielt auch der Regisseur wieder eine Hauptrolle, welcher die anderen beiden fast schon ein wenig an die Wand spielt. Die Sequenz im Hotel, in der dieser eigenartige Nachtportier auftaucht erinnerte mich sehr stark an Hitchcocks "Psycho". Sicherlich hat sich der "Master of Suspense" davon auch etwas inspirieren lassen. Witzig nur dass in beiden Filmen Janet Leigh die Betroffene spielt. Wie dem auch sei, zurück zum Film. Das Ende regte sehr zum Nachdenken an. Im Grunde wurde der unsympathisch dargestellte, alkoholabhängige Polizist Hank Quinlan, welcher falsche Beweise deponierte, als sich mit Ruhm bekleckernder Verräter enttarnt. Als sich aber herausstellte, dass er tatsächlich Recht hatte, was die Identität des Bombenlegers angeht, wird er zur eigentlichen Identifikationsfigur und triumphiert über den idealistischen Mexikaner Miguel Vargas. Die Handlung ist ohnehin sehr konfus: Ein Labyrinth in dem nichts so ist wie es scheint. Daher kann ich mir auch gut vorstellen, weshalb Welles sich damals geärgert und die Mühe ein Memorandum zu schreiben, in dem er um Änderung bat, gemacht hat. Der Film ist auch so schwer zu verstehen - wie ist es dann nur wenn 20 Minuten fehlen? Glücklicherweise aber existiert der quasi Director's Cut ja seit 1998. Nun denn, bevor ich kein Ende mehr finde: Ich gebe dem Film 9/10 Punkten. Das ist auf meinem Bewertungsraster "nahezu perfekt" - und das trifft hier auf jeden Fall zu.
Marc S.
Bismarck biss Marc, bis Marc Bismarck biss.