Betreff: Re: Der letzte Film
Seelen (The Host) - Die Lachnummer des gestrigen BD-Abends. Ok, von der Verfilmung eines Stephenie Meyer-Buchs habe ich auch nicht wirklich viel erwartet. Mit Andrew Niccol auf dem Regiestuhl und Saoirse Ronan in der Hauptrolle habe ich dann aber doch einen irgendwie launigen Sci-Fi-Streifen mit erträglichem Romantik-Anteil erhofft - und keinen Totalausfall wie Twilight. Tja, falsch gedacht. Der Film strotzt eigentlich nur vor unfreiwilliger Komik, die wesentlich durch den "inneren" Dialog der beiden Hauptfiguren im Körper einer Person entsteht. Das hätte durchaus genug Potenzial für eine interessante Erzählweise geboten. Allerdings laufen diese Gespräche auf dem Niveau zweier siebenjähriger Mädchen ab, die sich über ihren Schwarm aus der Grundschule unterhalten. Die Liebesszenen sind da nicht viel besser. Höhepunkt die Szene, in der ein Liebhaber den anderen Liebhaber (merke: Wir haben es mit einer Drei- bzw. Vierecks-Geschichte zu tun, die - Überraschung - stark an Twilight erinnert) zum innigen Knutschen mit der Liebsten ruft. Als aufgeklärter Zuschauer erwartet man hier entweder einen mittleren Gangbang oder zumindest eine beabsichtigte Comedy-Szene. Aber das alles ist mit so heiligem Ernst inszeniert, dass man sich fragt, warum die Schauspieler nicht schreiend vom Set geflohen sind (naja, weil sie vermutlich lachend am Boden lagen).
Die Schwächen des Films sind damit aber noch lange nicht erschöpft. So zeichnet der Streifen die kleine Widerstandszelle der letzten überlebenden Menschen als hübsch ausstaffierte Kommune junger Hippies mit einem stets allwissenden Patriarchen an der Spitze. Dabei fällt übrigens auf, dass die Dialoge aller Beteiligten - obwohl sowohl vor als auch hinter der Kamera ein komplett anderes Team tätig war - genauso ablaufen wie bei Twilight. Soll heißen: Die Schauspieler stehen steif arrangiert in der Gegend herum und sagen phlegmatisch ihre Sätze auf. Von emotionalem Schauspiel, das gerade bei einer überirdischen Romanze geraten wäre, ist da nichts zu spüren. Und dann überhaupt das Grundkonzept der Story: Die Außerirdischen sind eigentlich ganz nette Typen, die nie lügen, immer hilfsbereit sind, auch sonst nichts Böses tun und deshalb auf den anderen eroberten Planeten in inniger Symbiose mit den Ursprungsvölkern leben. Hindert sie aber nicht daran, ohne mit der Wimper zu zucken die ganze Menschheit auszurotten und eine Nazi-Behörde zur Verfolgung der letzten Überlebenden einzurichten. Aber ist ja halb so wild: Wie sich herausstellt, werden die Persönlichkeiten der Menschen ja nicht ausgelöscht, sondern nur unterdrückt...
Ne, das war ganz großer Kappes und zum Glück nicht sonderlich erfolgreich. Wird Zeit, dass Niccol mal wieder was à la Gattaca dreht und Ronan eine Rolle in Episode VIII bekommt.