Komplettes Thema anzeigen 01.01.2012, 14:36
Aldridge Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 13.08.2009
Wohnort: -


Betreff: Re: Sherlock Holmes (Verfilmungen)
Als letzte Amtshandlung im Kinojahr 2011 haben wir gestern Nachmittag übrigens noch das naheliegende Lichtspielhaus aufgesucht (was soll man bei den Usselwetter auch anderes machen?). Auf dem Programm stand der neue "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten". Und wir kamen recht begeistert aus dem Film heraus. Insgesamt hat er mir noch ein Tickchen besser gefallen als der erste Teil - auch wenn es kleinere Mankos gab, die für mich aber keineswegs ins Gewicht fielen.

Zunächst mal: Guy Ritchie liefert mit dem Film eigentlich keine großen Überraschungen ab. War der erste Film mit dem hohen Action- und Humoranteil und dem stilisierten Szenario noch etwas Neues, macht der neue Film genau da weiter. Aber er setzt noch deutlich eins drauf. Dabei steht die Action in der ersten Hälfte ganz klar im Vordergrund, bevor es in der zweiten Hälfte dann doch noch ein bisschen mehr zu kombinieren und kniffeln gibt. Die große Stärke des Films sind aber ganz klar die Bilder in Verbindung mit dem Soundtrack: Ritchie setzt noch stärker als beim Auftakt vor zwei Jahren auf extreme Zeitlupen und verschmilzt das Ganze mit dem Sountrack von Hans Zimmer (und Ennio Morricone Zwinkernder Smiley ) sowie den Soundeffekten zu einem perfekten Ganzen (Stichwort "Flucht durch den Wald"). Nicht unbedingt ein Fest fürs Hirn, aber für Augen und Ohren ein echter Genuss.

Was die Mankos angeht: Viele haben insbesondere die zu rasante erste Hälfte kritisiert. Und auch ich habe mich zwischendurch mal gefragt habe, ob ich noch Sherlock Holmes oder einen viktorianischen James Bond schaue. Im Gegenzug ziehen die Action und die flotten Sprüche aber sofort ins Geschehen. Auch zu Einführung und Figurenzeichnung von Erzfeind Moriarty kann man geteilter Meinung sein. Jared Harris liefert zwar eine ganz nette Vorstellung ab, wirkt aber nicht so unberechenbar bedrohlich wie z.B. der Moriarty im BBC-Sherlock. Sowieso kann man sich fragen, warum die Figur im ersten Teil so im Dunkeln gehalten wurde, wenn sie hier schwuppdiwupp in einem offenen Gespräch mit Holmes eingeführt wird. Und man kann auch fragen, warum gleich das Finale bei den Reichenbach-Fällen angesetzt wurde und die Figur damit ein in nur einem Film "verballert" wird. Ach, und dann wäre da noch das plötzliche Ableben einer der Hauptfiguren aus Teil 1 (aber vielleicht tauchen Moriarty und besagte Figur ja in einem dritten Teil eh noch einmal auf).

Unterm Strich ein wirklich toller Film. Stephen Fry als Mycroft Holmes ist übrigens wirklich ein Sahnehäubchen. Auch dazu gibt es geteilte Meinungen, aber die Schrulligkeiten der Figur sollen ebenfalls den Romanen entnommen sein (ich fand´s jedenfalls recht passend).
Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, das letzte Mal am 01.01.2012, 14:41 von Aldridge.