Betreff: Re: The Adventures of Tintin
Zitat von Daniel:Also mich hat der Film nicht überzeugen können. Die Gesichter etc. sind erschreckend realistisch gestaltet. Meiner Meinung nach ist zu wenig Rätsel-lösen mit drin. Auch die Schauplätze versprühen nur ganz selten Abenteuer-Feeling. Tim hat im Grunde keine tollen Einfälle. Die Story plätschert zwischen gefangen-genommen werden, arg kuriosen Stunts, Tagträumen von Haddock (die auf mich eher ein wenig kitschig, unglaubwürdig als abenteuerlich wirken) und sonstigem Klamauk hin und her. Auch den MacGuffin hat man schon tausend mal irgendwo anders gesehen. Für mich also ganz nett, aber ohne Zauber, ohne besonderen Witz und OHNE Indy-Feeling.
Auch ich musste mich erst an den Look gewöhnen, was aber sicher auch daran liegt, dass die in diesem Film vorliegende Mischung aus deutlicher Stilisierung (Knollennasen) einerseits und hyperrealistischen Texturen andererseits so noch nicht gemacht wurde. Letztenendes muss ich aber zu der Ansicht kommen, dass diese Wahl die richtige war. Handelt es sich doch um eine Comic-Vorlage. Man denke nur mal an die Alternativen. Das schauerliche Obelix-Kostüm Gérard Dépardieus sollte uns allen eine Warnung sein.
Was die Schauplätze angeht, so könnten unsere Meinungen nicht weiter auseinander liegen. Viele Bilder sind traumhaft schön. Für Kontrast ist auch gesorgt (Europa, Afrika, nahe Vergangenheit, fernere Vergangenheit). So stellte sich bei mir das Abenteuer-Feeling mühelos ein. Auch Dank der stimmungsvollen Musik von John Williams. Die Tagtraum-Sequenzen von Haddock gehören für mich zu den besten Szenen im Film. Sie strotzen vor Regieeinfällen, mitreißender Action und toller Musik.
Was den "McGuffin" und den Klamauk angeht, so gehen diese "Schwächen", wenn man sie denn also solche wahrnimmt, eindeutig auf Hergés Konto, da Spielberg hier mit der Vorlage konform ist. "Indy-Feeling" war ja, im Gegensatz zu "Abenteuer-Feeling, ohnehin nicht zu erwarten. Da bräuchte schon den echten Indy.