Komplettes Thema anzeigen 25.08.2011, 17:15
KaoKan Abwesend
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Betreff: Re: Mein neues Fahrrad braucht einen Indy-Namen!
Meine Waschmaschine heißt Henriette,

der Kühlschrank Karl-Theodor,

die Badewanne Plantschi.

Unser Schlitten heißt Bob,

meine schwarzen Schuhe Black Beauty,
wie meine Gattin und unser Hund, der eigentlich keinen Namen hat,

Manchmal nenne ich auch beide einfach nur Schatzi.

Die braunen Schuhe Brown Eyes, wie die Guckers meiner Gattin, also left Brown Eye etc..

Die Indiana Jones Jacke heißt provokativ Crocodile Kanguruh,

Meine Aktentasche nenne ich einfach Aktenmappe,

den Sonntagsanzug Lazy Sunday,

den Dunkelgrauen Coloured Trash.

Meine Socken und Unterhosen haben eigentlich zumeist keinen Namen.
Das ist ein Problem, wenn sie mir schon mal abhanden kommen. Dann weiß ich nicht, was ich rufen soll.
„Unterhose“ schreit ja nun wirklich kein Mensch durchs Haus und rufe ich „Socke“, kommt nämlich fast immer der Hund gelaufen und anschließend meine aufgeregte Frau.

Haustiere und Ehefrauen werden recht häufig mit einem Vor- oder Kosenamen versehen.

Unser Nachbar, ein ganz und gar unpolitischer Mensch, nennt seine Katze „Muschi“, wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) seine Ehefrau.
Da meine Frau und ich die Grünen wählen, kommt dieser Name für uns nicht infrage. Die Nachbarskatze hört aber auch auf „Pussy“.

Meine Ex-Gattin Christine nannte ich liebevoll „Teeni“. Trotzdem wurden wir geschieden.

Bei den überaus meisten Dingen scheint es schlicht angebracht, sie keinesfalls mit einen Vornamen zu bedenken.

Eine Bekannte von uns befand sich einmal nur knapp vor der Zwangseinweisung, als sie bei der Gendarmerie den Diebstahl ihres (natürlich lediglich aus dem absoluten Halteverbot abgeschleppten) Automobils melden wollte: „Mein roter Puschel ist soeben gestohlen worden!“

Und auch bei den Versicherungen kommt das Abhandenkommen von "Blitz", dem „Rasenden Toni“ oder der "Wilden Wutz" (Rennrad) oder dem „Lahmen Esel“ (Hollandrad) zumeist nicht so besonders gut an, besonders dann wenn man den Hersteller „vergessen“, die Rahmennummer „natürlich nicht notiert“ hat und die Lackfarbe mit „normal grün“ oder „schickes metallic-rot“ zutreffend beschreibt oder unter besondere Kennzeichen: „Damenrad mit dunklem Sattel“ angibt.
Aber der „Schnutzi“ hat mir immer treue Dienste ...

Selbst im Freundeskreis wird hinter vorgehaltener Hand über solche Namensgebung häufig getuschelt und eher mitleidsvoll gelächelt.

Als bei einem meiner besten Freunde dessen Hochzeitsgeschenk, ein überlebensgroßer Gartenzwerg, der Horror der gesamten Einfamilienreihenhausnachbarschaft an einem frühen Samstagabend dreist gestohlen, eher wohl entführt wurde und das beamtete Lehrerehepaar „Ortfried“ ordnungsgemäß als vermisst beim zuständigen Polizeirevier anzeigen wollte, ernteten sie dort nach oberflächlicher Schilderung der Sachlage zunächst unwilliges Erstaunen und erst auf nachdrückliches Drängen hin wurde eine Anzeige aufgenommen.

Dann aber wollten sich die Gendarmen wohl einen Spaß machen und fragten pflichtgemäß:
„Besondere Kennzeichen?“ Antwort: „Rote Zipfelmütze, Pfeife links, Laterne rechts“.
„Größe?“ – „Circa Zweimeterzwanzig.“

Danach entstand eine länger andauernde Pause, in der die beiden Polizeibeamten einigermaßen irritiert und bedeutungsvoll von einem zum andern blickten ...

„Ortfried“ ist übrigens nie wieder aufgetaucht.

Natürlich zeugt die Namensgebung für jedwedes Fahrgerät oder -zeug von einem innigen Verhältnis zu diesem, gelangt aber auch ebenso unversehens in die Nähe infantilen bis postpubertären oder gar praesenilen Kitschs.

Aus diesen Erfahrungen heraus würde ich (m)ein Fahrrad einfach „Fahrrad“ nennen. Auch „Rad“ kommt durchaus infrage. Allenfalls „Drahtesel“ läßt eine halbwegs lässige Beziehung zum Gefährt erahnen. Wobei „Velo“ schon wieder einen eher uncoolen bis wichtigtuerischen Eindruck entstehen läßt.

Meine Empfehlung dürfte damit wohl nicht diskutierbar sein:

Ein Fahrrad braucht zwei Reifen, Sattel, Licht, Klingel und nicht nur in den Bergen möglichst eine Gangschaltung aber auf gar keinen Fall einen Namen.
Jürgen
Form follows function.
(Louis Henri Sullivan)
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, das letzte Mal am 26.08.2011, 19:10 von KaoKan.